evangelium

20. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 12,49-53 | 14.8.2022

Nicht Frieden, sondern Spaltung.
Non pacem, sed separationem.
(Lk 12,51)

  • Das Gottesbewusstsein Christi ist unüberbietbar
  • Christus ist der geistliche Maßstab aller Dinge
  • An der Person Christi scheiden sich die Geister
  • Im Licht des Evangeliums erkennen wir den Weg
  • Das Sein in Christus hat viele weltliche Feinde

19. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 12,32-48 | 7.8.2022

Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Ubi thesaurus vester est, ibi et cor vestrum erit.
(Lk 12,34)

  • »Herz« meint die Personmitte, ihr Streben nach wahrem Glück
  • Ich werde das, was ich zuinnerst ersehne, liebe, erstrebe, tue
  • Interesse allein am Materiellen bindet an den sterblichen Leib
  • Liebe zur Weisheit befreit von „weltlicher Traurigkeit“ (2 Kor 7,10)
  • Streben nach Gott überbildet die Gerechten mit ewigem Sein

18. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 12,13-21 | 31.7.2022

Der Sinn des Lebens besteht nicht darin.
Vita non est ex his.
(Lk 12,15)

  • Ohne freien Atemfluß kein ganzheitliches Leibbewusstsein
  • Ohne integrative Leiberfahrung keine lautere Sinnlichkeit
  • Ohne vertiefte Sinneswahrnehmung keine wesentliche Erkenntnis  
  • Ohne intuitive Wesensschau kein tröstliches Werterleben
  • Ohne liebende Transzendenzerfahrung kein ewiger Lebenssinn

17. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 11,1-13 | 24.7.2022

Wer sucht, der findet.
Qui quaerit, invenit.
(Lk 11,10)

  • Christus ist aufgrund seines gottmenschlichen Bewusstseins, seiner wesenshaften Gottunmittelbarkeit, einmaligen Transzendenzerfahrung, spirituellen Weisheit ein Meister des Gebets 
  • Dabei lehrt er keine bestimmte Gebetsmethode, Meditationsweise, geistliche Übung (exercitia spiritualia), sondern läßt jedem Menschen die Freiheit, eine für ihn geeignete, zeitgemäße Praxis zu wählen
  • Im Zentrum steht seine Einweisung in die rechte Grundhaltung bei jeder Art von spiritueller Übung, die Aufhebung von mentalen Hindernissen durch falsche Gottesbilder, ichhafte Intentionen, religiöse Ängste
  • Nur durch vorbehaltloses Gottvertrauen (Glaube), unablässige Gottsuche (Beharrlichkeit), geistliche Armut (Demut), Gelassenheit (Indifferenz), Zweckfreiheit (simplicitas cordis) wird eine Methode fruchtbar
  • Wer sich Gott mit solch einer Innerlichkeit »unmittelbar« (sine medio), »ohne Unterlaß« (sine intermissione) zuwendet, der hat das Wesentliche, Zugang zu Gottes Geist, bereits in dieser Hinkehr zu Gott empfangen  

16. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 10,38-42 | 17.7.2022

Maria hat das Bessere erwählt.
Maria enim optinam partem elegit.
(Lk 10,42)

  • Die beiden Frauen, welche Jesus als Gast aufnehmen, sinnbilden zwei Grunddimensionen christlicher Spiritualität, die zusammengehören, sich gegenseitig ergänzen – keine Erneuerung des Glaubens ohne Synergie von Innerlichkeit und Tätigsein 
  • »Marta« symbolisiert das gesammelte »Tätigsein« (actio), die aktive Erfüllung des Willen Gottes im äußeren Tun, Engagement für andere, Handeln im Alltag und beruflichen Arbeiten – keine Erneuerung der Pastoral ohne Abkehr vom religiösen Aktivismus
  • »Maria« steht für die innere »Beschauung« (contemplatio), die passive Empfänglichkeit für Gottes Wort, Einkehr des Geistes, Schriftbetrachtung, affektive Gebet, bildose Meditation – keine Erneuerung der Kirche ohne kontemplative Haltung
  • Pädagogisch besitzt die »contemplatio« den Vorrang („das Bessere"), denn spirituelle Erkenntnis, Sammlung, Innerlichkeit sind das Fundament gelassenen Handelns – keine Erneuerung der Spiritualität ohne eine Besinnung auf unsere geistlichen Quellen
  • Spirituelles Bildungsideal ist die bewusst gelebte Einheit beider Aspekte in einer  kontemplativen, weltzugewandten, gelassenen Persönlichkeit, Gebetspraxis und Lebensform (aktive Indifferenz) – keine Erneuerung der Gemeinde ohne geistlichen Austausch

15. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 10,25-37 | 10.7.2022

Was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
Quid faciendo vitam aeternam possidebo?
(Lk 10,26)

  • Die Konfronation mit dem »Tod«, Sehnsucht nach »ewigem Leben« (vita aeterna), unverbrüchlicher, wahrer Vollendung, Fortdauer unseres Seins ist oftmals Anstoß zu bewusster Gottsuche
  • Zahllose Menschen leben selbstvergessen, ans leere »Nichts« verfallen, ohne jemals ernsthaft die Frage nach Sinn und Ziel, nach Gott als »Geheimnis« (mysterium) ihres Lebens zu stellen
  • Persönliche Fehlhaltungen, erfahrenes Unrecht, materielle Armut, fehlende Bildung, ideologischer Zeitgeist, seelische Ängste, geistloser Kirchenbetrieb, religiöse Ahnungslosigkeit verhindern die spirituelle Sinnsuche
  • Ewiges Sein ist immer göttliches Sein, denn nur Gott ist ewig. Wahrer Sinn, ewiges Leben, erschließt sich in absichtsloser, zweckfreier »Liebe« (caritas) zu Gott und dem Nächsten
  • Durch den Geist der Liebe, welcher uns im Glauben ergreift, sind wir mit Gottes ewigem Sein übernatürlich verbunden. Daher lässt alle echte Lebenslebendigkeit, Zuwendung und Liebe den Trost göttlichen Lebens verspüren

14. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 10,1-12.17-20 | 3.7.2022

Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.
Videbam Satanam sicut fulgur de caelo cadentem.
(Lk 10,18)

  • Der »Widersacher« (Satan) ist der Verkläger des Menschen vor Gott (Hiob 1,6f.) 
  • Die Vision Christi ist ein Ausdruck seiner absoluten Gottunmittelbarkeit 
  • Jesu Gottesbewusstsein entmachtet essentiell die Sündenmacht in der Welt 
  • Die Unheilskraft des »Bösen« wird in der Person Jesu Christi überwunden
  • Christi Vision bezeugt die mystische, innere Erfahrung des Reiches Gottes
  • Sie wirkt Befreiung von Gewissensanklage, Selbstabwertung, Selbsthass

13. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 9,51-62 | 26.6.2022

Der Menschensohn aber hat keinen Ort.
Filius autem hominis non habet.
(Lk 9,58)

  • Christus ist der »Menschensohn« (filius hominis), als prophetischer Messias der Repräsentant der Königsherrschaft Gottes, des endzeitlichen Friedensreiches (Dan 7,13) 
  • Er ist der universelle, ewige Stellvertreter der Menschheit vor Gott, zugleich der gottmenschliche, geschichtliche Stellvertreter, Offenbarer Gottes, unter den Menschen
  • Um für die Verkündigung des Evangeliums, seinen spirituellen Auftrag, frei zu sein, verzichtet Jesus auf soziale Bindungen und Macht. Wie Buddha geht er in die »Hauslosigkeit« (pravrajyâ)
  • Jesus teilt die existentielle Einsamkeit des Menschen, welcher in dieser entfremdeten Welt niemals die endgültige Erfüllung seiner Sehnsucht, Heimat findet
  • Echten Trost zu geben, psychologische Empathie, fruchtbare Pastoral hat zur spirituellen Voraussetzung, dass der Mensch seine Einsamkeit in Gott angenommen hat  

12. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 9,18-24 | 19.6.2022

Als Jesus in der Einsamkeit betete.
Et factum est cum solus esset orans.
(Lk 9,18)

  • Jesus von Nazareth findet seine spirituelle Identität in Schriftstudium, Einsamkeit, Gebet, Begegnung, unmittelbarer Gotteserfahrung 
  • Jede/r steht heute vor der Aufgabe, ihre/seine Weise des Betens, der spirituellen Bildung, Form des geistlichen Lebens zu finden
  • Um die Krise der Kirche produktiv bewältigen zu können, ist ein hohes Maß an spiritueller Selbständigkeit notwendig 
  • Es sollte eine Spiritualität entwickelt werden, die von Selbsterkenntnis, Leibbewusstsein, Meditation, geistlichem Austausch geprägt ist 
  • Für die Sammlung des Geistes, den Rückhalt in Anfechtungen, die Erdung der Erfahrung, ist ein Meditationssitz hilfreich

Hochfest des Leibes und Blutes Christi (C) | Lk 9,11-17 | 16.6.2022
Fronleichnam

Und alle aßen und wurden satt.
Et manducaverunt et saturati sunt omnes.
(Lk 9,17)

  • Die »Eucharistiefeier« ist eine Art "geistliche Summe" der Heilsereignisse von Christi Menschwerdung (Weihnachten), Worten und Taten (Evangelium), Kreuzestod (Karfreitag), Auferstehung (Ostern) und Wiederkunft (Parusie). Sie ist deren liturgische, symbolhafte, wirksame, rituelle Vergegenwärtigung im Heiligen Geist (Mysteriengegenwart) – 
    Je weniger Glaubensbildung, mystagogische Predigt, modernes Bewusstsein, persönlicher Gemeindebezug, symbolisches Gespür, spirituelle Form, desto entfremdeter der Gottesdienst
    ► Glaubensmystik als zeitgemäße Spiritualität
  • Hauptwirkung der Eucharistie ist die sakramentale Vereinigung mit Christus im Kommunionempfang (unio sacramentalis), die kirchliche Einheit der Gläubigen als Glieder des »mystischen Leibes Christi« (corpus Christi mysticum), die Vertiefung der spirituellen Gemeinschaft. Sie bewirkt Sammlung, Aufbau und Sendung der Gemeinde (Mission) –
    Je größer fusionierte Seelsorgebereiche, Priesterzahl ohne lokale Leitungsaufgabe, Lückenfüllen mit Hilfspriestern, klerikal-laikale rFunktionalismus, desto desintegrativer sonntägliche Liturgie
    ► Einheit von Eucharistievorsitz und Gemeindeleitung
  • Die Eucharistie nährt das übernatürliche, geistliche Leben (vita spiritualis), überträgt geistige, göttliche Kraft auf die Person, welche an Christus glaubt (effectus spiritualis). Sie läutert, formt die Seele, vermehrt Glaube, Liebe, alle Tugend, vertieft die spirituelle Identität, erfüllt sich in einer mystischen Gotteinung (unio mystica) –
    Je mehr Unregelmäßigkeit, Wechsel, Vielzahl an Zelebranten, Messen im Stundentakt, Orten, Zeiten, Riten, Liedprogramm, Sammelsurium in Kirchenräumen, Sakristeien, desto unfruchtbarer der Gottesdienst
    ► Kontemplative Liturgie setzt natürliches Leben voraus
  • »Geistliche Kommunion« (manducatio spiritualis), das Verlangen nach der Einung mit Gott in der Eucharistie, und ihr »sakramentaler Empfang« müssen eine innere Einheit bilden. Ohne Gottvertrauen, Umkehrwillen, Glaube, Bekenntnis, geistliches Leben, Andacht, Ehrfrucht, Ritentreue bleibt die Kommunion weithin spirituell unfruchtbar –
    Je mehr Volkskirchenprogramm, Wellness-Gott-Mentalität, Event-Liturgien, neokonservativer Ritualismus, Sonder-Eucharistiefeiern, Überhäufung mit Messintentionen, Aktivismus, desto , entseelter, geistloser der Gottesdienst
    ► Psycho-spirituelle, mystische Glaubensvertiefung
  • Mitfeier der Liturgie, Glaubenswissen, Sammlung des Geistes, Gebetsübung, Tugendhaftigkeit, Gebetshaltungen, Selbsterfahrung, geistliche Gemeinschaft, liturgischer Gesang, Mitvollzug der Riten, Schriftbetrachtung, stilles Gebet nach der Kommunion, Einfachheit, Sinnlichkeit, Schönheit, Stille, Nüchternheit, Regelmäßigkeit machen die »Eucharistie« fruchtbar –
    Je weniger Interesse an Glaubensfragen, Spiritualität und Mystik, Gemeinde, Unterscheidungsgabe, psychologische Einsicht, kontemplative, sakrale Atmosphäre, Katechese- u. Meditationsräume, ästhetische Kirchen, desto trostloser die Liturgie
    ► Geistlicher Mensch als Basis jeder Kirchenreform

Dreifaltigkeitssonntag (C) | Joh 16,12-15 | 12.6.2022

Alles, was der Vater hat, ist mein.
Omnia, quaecumque habet Pater, mea sunt.
(Joh 16,15)

  • Die geistigen Seelenkräfte der Psyche (potentiae animae), »Gedächtnis (memoria), »Verstand« (intellectus) und »Willen« (voluntas) spiegeln die göttliche »Dreifaltigkeit« (Trinität). 
  • Der Mensch als geschaffenes »Ebenbild Gottes« (imago Dei) sinnbildet im Licht der Offenbarung in Christus das Geheimnis der Dreieinigkeit und Dreifaltigkeit Gottes
  • Die drei Seelenkräfte symbolisieren die drei »Personen« (Hypostasen) der Dreifaltigkeit, »Vater« (Gedächtnis), »Sohn« (Verstand) und »Geist« (Willen), die Einheit der drei Kräfte in der einen Seele das eine göttliche Wesen (Gottheit)
  • Durch die »Glaubensgnade« (gratia fidei) nimmt Gott Wohnung im »Seelengrund« (abditum animae), erfüllt die Seelenkräfte im Wirken mit »Glaube« (Vater), »Hoffnung« (Sohn) und »Liebe« (Geist)
  • Vater, Schöpfer meiner Seele, erleuchte mein »Gedächtnis«. Christus, Erlöser meiner Seele, erleuchte meinen »Verstand«. Heiliger Geist, Tröster meiner Seele, erleuchte meinen »Willen«

Pfingstmontag (C) | Joh 3,16-21 | 6.6.2022

Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht.
Qui autem facit veritatem, venit ad lucem.
(Joh 3,21)

  • In deinem Licht schauen wir das Licht (Ps 36,10)
  • Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm (1 Joh 1,5)
  • Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt (Joh 1,9)
  • Wer mir nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben (Joh 8,12)
  • Ich bin das Licht der Welt (Joh 12,46)
  • Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor (Eph 5,9)

Pfingsten am Tag (C) | Joh 14,15-16.23-26 | 5.6.2022

Der Heilige Geist wird euch alles lehren.
Spiritus Sanctus ille vos docebit omnia.
(Joh 14,26)

  • Im »Heiligen Geist« (Leben) erschafft, erhält der »Vater« (Schöpfer) durch den »Sohn« (Ebenbild), in dem als allumfassender »Logos« (Urwort) alle Wesen als Schöpfungsideen vorgebildet sind, den Menschen im Sein. Die menschliche Seele, ihre Dreiheit von »Gedächtnis« (Vater), »Verstand« (Sohn) und »Willen« (Geist), ist ein geistiges »Abbild« (imago Dei) des dreifaltigen Gottes 
  • Der Heilige Geist wirkt die Menschwerdung des »Sohnes« (Inkarnation), inspiriert die Worte und Taten Christi (Evangelium), verwirklicht die Auferweckung des Gekreuzigten (Ostererscheinungen), bestätigt ihn als Herrscher über das All (Himmelfahrt), stiftet die Kirche als Glaubensgemeinschaft (Pfingsten)
  • Er bewirkt die Bekehrung des Sünders (metanoia), gießt das »Glaubenslicht« ein (lumen fidei), schenkt das Verspüren von Gottes Gegenwart (Trost), dynamisiert die Glaubensreifung, das Wachstum in den Tugenden (Gelassenheit), vertieft das Gebet (contemplatio), eint die Seele mit Gott (unio mystica)
  • Der Heilige Geist weckt, erleuchtet, formt die höheren Seelenkräfte von »Gedächtnis« (Selbstbewusstsein), »Verstand« (Selbsterkenntnis) und »Willen« (Selbstgegebenheit), dass die Person unmittelbarer, ganzheitlicher auf Gott ausgerichtet wird, darin auch Leiblichkeit, Sinne integriert, ihre spirituelle Identität findet
  • Er schenkt Beharrlichkeit« (perseverantia), um Anfechtungen, Leiden und die kollektive Gottesferne leiblich, psychisch, geistig durchzustehen (Dunkle Nacht), dies als geistige Läuterung zu mehr Gottvertrauen, Selbstlosigkeit und Gelassenheit anzunehmen. Der Geist vergeistigt, festigt den Glauben, bildet mystisches Bewusstsein

Pfingsten am Vorabend – Pfingstvigil (ABC) | Joh 7,37-39 | 5.6.2022

Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt.
Si quis sitit, veniat ad me et bibat, qui credit in me.
(Joh 7,37f.)

  • Wer glaubt, der ist im Glauben, da der Glaube spirituelle, Wirkung des »Heiligen Geistes« ist (Spiritus Sanctus), von Gottes Geist erfüllt. Der Geist verbindet den Menschen mit Gottes Wirklichkeit und Leben
  • Der Heilige Geist (Innesein) als dritte Person der Dreifaltigkeit ist der Geist der Liebe (Wir), welcher vom »Vater« (Schöpfer), der ersten Person (Ich), und dem »Sohn« (Logos), der zweiten Person (Du), ausgeht und beide im Geist miteinander verbindet
  • Die göttliche Einungsenergie unterstützt die individuelle Persönlichkeitsentwicklung, therapeutische Prozesse, vertieft die psycho-spirituelle Integration der Lebensgegensätze:
    • Leiblichkeit und Seele
    • Intellekt und Gefühl
    • Aggression und Güte
    • Sexualität und Liebe
    • Autonomie und Demut
    • Vertrauen und Wissen
    • Meditation und Tätigsein
  • Der Geist der »Liebe« (Röm 5,5) ist das dynamische Prinzip des Einsseins in Unterschiedenheit, der differenzierten Identität, Freiheit im Willen Gottes, komplementären Integration
  • Gottes Geist wirkt eine wechselseitige Durchdringung der Gegensätze, dass sie sich fruchtbar ergänzen, ausgleichen. Es ein spiritueller Reifungspozess, in dem Differenzierung und Einfachsein miteinander wachsen

7. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 17,20-26 | 29.5.2022

Sie sollen eins sein, wie wir eins sind.
Ut sint unum, sicut nos unum sumus.
(Joh 17,22)

  • Gott ist der »Eine« (Röm 3,30). Das Einsein mit Gott (unio cum Deo), uns selbst (Identität), rechtem Handeln (Tugend), dem/der Anderen (Liebe), der Menschheit (Frieden), der Natur (Vitalität) und dem Kosmos (Universalität) ist das spirituelle Ziel unseres Lebens
  • Je mehr der Mensch von Gott, seinem Selbst, entfremdet, getrennt ist, desto stärker ist er den Leidenschaften seiner Seele ausgesetzt. Umso mehr fehlt ihm die Erkenntnis und Kraft, sich in allen Dingen eindeutig auf Gott, das Wahre, Gute und Schöne zu beziehen
  • Durch den Glauben erhält der Mensch spirituell Anteil am Mit-Gott-Eins-Sein Christi, der Einheit zwischen »Vater« (Schöpfer) und »Sohn« (Logos) im »Heiligen Geist« (Liebe). Seine Existenz ist mit Christus "verborgen in Gott" (Kol 3,3). Er wird »eins« im »Einen«, durch den Geist der Einheit
  • Nur das Erfülltsein vom Geist Christi, die Erfahrung göttlichen »Trostes« (consolatio), vermag die existentielle Entfremdung, Sehnsucht im Kern zu beruhigen, zu läutern und zu stillen. Alles, was die Berührbarkeit, Offenheit für das Wirken des Geistes fördert, mildert unsere Einsamkeit, eint uns 
  • »Einfachheit« (simplicitas cordis) ist eine Grundwert christlicher Spiritualität (Mt 5,8/6,22). Um sich mit Gott, dem »Einen« (Dtn 6,4), mehr verbinden zu können, ist eine seelische, religiöse, praktische Vereinfachung des Lebens für mehr Sammlung, Abgeschiedenheit und Ruhe nötig. Wir finden Gott dort, wo wir Gott gleichen

Christi Himmelfahrt (C) | Lk 24,46-53 | 26.5.2022

Ihr seid Zeugen dafür.
Vos estis testes horum.
(Lk 24,48)

  • Durch die »Himmelfahrt« (40. Tag nach Ostern) wird der Auferstandene in seiner leibhaftigen Erscheinungsweise endgültig den Zeugen/innen der Passions- und Osterereignisse entzogen. Damit sind sie gerufen, nun selbst stellvertretend die Erlösung in Christus zu bezeugen. Dies sinnbildet den spirituellen Reifungsschritt von einer persönlichen Glaubenserfahrung hin zu einer universellen Zeugenschaft im Dienste des Evangeliums
  • Christus hat eine unauslöschliche, geistige »Spur« in der Geschichte der Menschheit hinterlassen, hat ihr eine neue Dimension eingestiftet: seine Gottunmittelbarkeit, seine Weisheit, das Evangelium, seine Kreuzesliebe, die Ostervisionen, seine Prophetie, die Glaubensgemeinschaft, welche seine Botschaft weitersagt. Dies als befreiende, verwandelnde, provozierende Erinnerung 
  • Heilsgeschichtlich bedeutet »Himmelfahrt« den Abschluss des irdischen Wirkens Christi durch seine »Entrückung« zu Gott, die Inthronisierung in Gottes Herrlichkeit. Der gekreuzigte Christus wird – alle kosmischen Seinsbereiche, geistlichen Stufen transzendierend – „zur Rechten des Gottes“ erhoben (Lk 22,69). Er wird als Herrscher über das All (Eph 4,10), Weltenrichter (Mt 25,31) und Fürsprecher bei Gott (Röm 8,34) eingesetzt, damit allgegenwärtig: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20) 
  • Der transzendente, stufenweise »Aufstieg« des Gekreuzigten (Ascensus Domini) zu Gott ist wesentliche Voraussetzung der Sendung des göttlichen Geistes (Pfingsten), Allgegenwart des Geistes Christi (Reich Gottes) und Wiederkunft Christi als Weltenrichter am Ende der Zeiten (Parusie). Im spirituellen Sinne meint sie die gnadenhafte Erhöhung des Glaubenden zu Gott, die Einung unserer geschaffenen Menschennatur mit der ewigen Gottheit (Logos), Teilhabe in Christus an Gottes Seligkeit, ist sie Zusage der Wirklichkeit unmittelbarer Gotteinung (unio mystica), in verklärter Leiblichkeit, personaler Vollendung
  • Die »Erhebung« (elevatio) des Auferstandenen in den »Himmel«, Gottes Sein als absolute Transzendenz, ist inneres Wesensmoment des heilsgeschichlichen Weges Christi. Dieser bildet einen Kreislauf göttlich-menschlichen Lebens, wirkt die spirituelle Reintegration des Geschöpfs in Gott: 1. Präexistenz Jesu im Logos (Trinität), 2. Menschwerdung des Logos (Weihnachten), 3. Verkündigung in Wort und Tat (Evangelium), 4. Kreuzestod (Karfreitag), 5. Abstieg ins Totenreich (Karsamstag), 6. Auferstehung (Ostervisionen), 7. Entrückung zur »Rechten Gottes« (Himmelfahrt), 8. Geistsendung (Pfingsten) und 9. Wiederkunft in Herrlichkeit (Weltgericht)

6. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 14,23-29 | 22.5.2022

Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück.
Vado et venio ad vos.
(Joh 14,28)

  • Das Bild der irdischen »Pilgerschaft« (status viatoris), welche sich mystisch, wenn der Mensch »im« Glauben das Tor des Todes durchschritten hat (transitus), in Gottes Lebensfülle vollendet (visio beatifica), hat für viele seine religiöse Aussagekraft verloren. Sie gehen, wo und wie sie gehen, ohne ein übergeordnetes, spirituelles Sinnziel
  • Der Mensch ohne Gott erleidet sein Dasein als richtungslos, diffus, von Materiellem, Idiologien, sozialen Anforderungen und Funktionalismus fremdbestimmt. Am Ende droht das »Nichts«, seine Biografie wird vom Tod gleichsam wie eine Datei von der Festplatte gelöscht
  • Ob gut, mittelmäßig oder böse, das Todesgeschick, das nichtende »Nichts« (nihil), schaltet alle gleich. »Im« Nichts gibt es nichts. Von Anfang an war alles im Kern schon gleichgültig, ob ein Mensch vortrefflich gehandelt, banal dahingelebt oder absichtlich Böses getan hat. Kein ethischer, geistlicher Unterschied, Nihilismus
  • Die psychische Spannung von »Sein-Müssen« (Individualisierung) und »Nichts-Werden« (Todesverfallenheit) wird in einer hochdifferenzierten Gesellschaftsdynamik, wo alles immer mehr auf professionelle Persönlichkeitsmerkmale ankommt, ins Extrem gesteigert, erzeugt latente Verzweiflung, Angst, Depression, Gewalt
  • Christus sendet uns seinen »Heiligen Geist« als spirituellen Beistand, Schutz in einer nihilistischen Weltlichkeit, einer Politik der Verschwendung und der Ausbeutung. »Im« Glaubensgeist (spiritus fidei) empfängt unsere Person unmittelbare Ausrichtung auf Gottes Leben (Trost), worin die existentielle Spannung von »Sein« und »Nichts« unterfangen, gemildert wird

5. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 13,31-35 | 15.5.2022

Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Sicut delexi vos, ut et diligatis invicem.
(Joh 13,34)

  • Jesu Weisung bildet das Schlusswort des »Abendmahls«, deutet das Zeichen der »Fußwaschung« (13,1-30). In ihr verbinden sich Gelassenheit (Demut) und Lehrautorität (Vollmacht) zu einer paradoxen Geste. Sie veranschaulicht, verleiblicht das »neue Gebot« der vollkommenen Liebe. Gott gibt uns in Christus ein »Beispiel« (exemplum) seiner Nähe zum Menschen. Jesu Worte, Taten sind Vorbild lauterer Selbst-, Nächsten- und Gottesliebe, offenbaren das Wesen geistlicher Liebe
  • Unglaube, Verrat, Untreue des Judas bilden den Kontrast. Er verlässt enttäuscht, verblendet den Abendmahlssaal. Es heißt dazu: „Es war Nacht" (13,30). Judas fehlt die Erleuchtung, um das Wesen der göttlichen Liebe zu erkennen. Dem Dunkel seiner Abwendung von Christus, der sich nicht wie von ihm erwartet als politischer Messias gibt, vielmehr Gewaltlosigkeit, Bruder- und Feindesliebe bezeugt, steht das Lichtsein Christi in Weisheit und Liebe gegenüber: „Das Licht leuchtet in der Finsternis" (1,5)
  • Durch Kreuz und Auferstehung ist Christus für uns zur Quelle, zum Mittler und Maßstab allen Wachstums in der »Liebe« (caritas) geworden. Das Liebesgebot ist »neu«, weil es das alttestamentliche Gebot der Nächstenliebe (Lev 19,18) geistlich, ethisch überbietet. Dies im Sinne der Feindesliebe der Bergpredigt (Mt 5,43), selbstlosen Freundesliebe (Joh 15,13) und Gottunmittelbarkeit, da der Glaubende, der Christus liebt und seiner Weisung folgt, in die ewige Liebe zwischen »Vater« und »Sohn« aufgenommen ist (14,23). 
  • In der Liebe zu Christus können wir uns der Liebe Gottes gewiß sein (14,21). Nur »in« der Grundhaltung der Liebe, welche uns Christus offenbart, lehrt und vermittelt, erschließt sich die Erfahrung des unmittelbaren, persönlichen »Von-Gott-Geliebt-Seins«. Liebe ist zunächst nicht ein bestimmtes affektives Erleben, eine einzelne liebende Hinwendung zu göttlichen Dingen oder einem Menschen, sondern grundlegend zuerst ein geistlich-seelischer Zustand (habitus) des Liebenkönnens. Diese Befähigung ist immer auch Gnade, ein spirituelles Wirken Gottes in uns
  • Im Glauben an Christus gewinnen wir die wesenhafte Befähigung wahrhaft zu lieben. Das Doppelgebot der Liebe ist eine Weisung, welche uns existentiell verpflichtet (Mk 12,29f.), eine geistliche Tugend, damit Maßstab und Ziel spiritueller Vollkommenheit (Mt 5,48). Diese Liebe ist jedoch kein religiös verstärkter Moralismus, der unsere Freiheit und Person einengt. Sie ist anspruchsvoll, da sie Gelassenheit, Disziplin und Gottvertrauen erfordert, Bereitschaft Gottes Willen zu tun. In ihr liegt vor allem Befreiung, Erleuchtung und Seligkeit, da sie uns geistlich in Gottes Leben versetzt. Die Liebe Christi macht uns gottförmig

4. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 10,27-30 | 8.5.2022

Ich gebe ihnen ewiges Leben.
Ego vitam aeternam do eis.
(Joh 10,28)

  • In der »Hirtenrede« (Joh 10,1-39) sagt Christus: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden" (10,9). Wohin führt sie? In die Auferstehungswirklichkeit, die Gemeinschaft mit Gott. Das Symbol der »Tür« besagt, dass der Glaube an seine Person, Botschaft, Messianität (10,24), den Zugang zum befreiten Leben in Gott erschließt. Zentrum christlicher Spiritualität ist der Glaube an Christus. Er nennt sich „Tür zu den Schafen" (10,7). Das Bildwort von den »Schafen« meint die Menschen, welche durch Gottes Gnade (10,29) zum Christusglauben gekommen sind, darin ewiges Leben „in Fülle" empfangen (10,10) 
  • Der Glaubenszugang in Freiheit wird durch Christus geschaffen. Niemand kommt zum Glauben ohne den Geist Christi. Er bezeichnet sich als »guten Hirten« (10,11), welcher bereit ist, sein Leben für die Erlösung des Menschen einzusetzen: „Ich gebe mein Leben hin für die Schafe" (10,15). Er ist der vollkommene »Hirte«, weil er die Menschen freimütig, gewaltlos, zweckfrei im Glauben unterweist und leitet, um sie mit Gott in geistlicher Freundschaft und Liebe zu verbinden. Christus hat in seiner Person eine unmittelbare, persönliche, neue Gottesbeziehung geschaffen
  • Durch den Glauben gewinnt der Mensch Anteil am »ewigen Leben« (vita aeterna), das Christus durch Kreuz und Auferstehung gewirkt hat (10,18). Am Kreuz hat er die Gottverlorenheit der Menschheit durch seine ungebrochene, lautere Gottesliebe im Wesen geheilt, darüber hinaus den Glaubenden zur Gottesfreundschaft befähigt. Christus ist der unmittelbare Zugang zum Leben Gottes, denn in seiner Person sind Gott und Mensch geeint: „Er ist der wahre Gott und das ewige Leben" (1 Joh 5,20) 
  • Christus als das zeitlich-ewige Sein, menschgewordene Wort Gottes (Logos), ist »Ursprung« und »Ziel« (Kol 1,16f.), damit auch »Mitte« (Offb 7,17) und »Weg« (Joh 14,6) der Bewusstseinsentwicklung, Religionsgeschichte, persönlichen Biographie, allen geschöpflichen Seins. In der Auferstehung ist seine Gottunmittelbarkeit, sein gottmenschliches Sein die übernatürliche, geistige Wesensmitte aller Geschöpfe geworden, zu welcher der Glaubensgeist den Zugang verleiht. Wie durch die Auferstehung Christus Maßstab und Ziel der evolutiven Menschheitsgeschichte wurde, so wird durch das Glaubenslicht (lumen fidei) die Seele des Menschen auf die selige Anschauung Gottes ausgerichtet 
  • Im Christus-Logos öffnet, entfaltet und erfüllt sich die Dynamik des menschlichen Geistes auf die mystische Schau Gottes hin (visio beatifica). Der »Kreis« des Lebens sinnbildet Göttlichkeit, Einheit, Ewigkeit, paradisisches Innesein in Gott, lauteres Bewusstsein in Weisheit und Liebe. »Ewiges Leben« meint die von Raum-Zeit befreite, beseligende, geistige Vollendung der ganzen Person mit ihrer individuellen Lebensgeschichte, in einer verklärten Leiblichkeit und kosmischen Allverbundenheit mit allen Geschöpfen im Leben Gottes, dem Urgrund des Friedens

3. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 21,1-19 | 1.5.2022

Du weißt, daß ich dich liebe.
Tu scis quia amo te.
(Joh 21,16)

  • Bei seiner Verhaftung sagt Jesus dreimal »Ich bin es« (18,5-8). Hier fragt der Auferstandene Simon Petrus dreimal »liebst Du mich?«. Petrus bejaht dreimal, wird von Jesus daraufhin dreimal mit dem Amt der Gemeindeleitung beauftragt (21,15-17). Dreimal hatte Petrus zuvor Jesus verleugnet (18,17-27). Die drei Fragen prüfen den durch Passionsereignisse und Ostererfahrungen gereiften Petrus, erwecken ihn zu seiner spirituellen Identität, endgültigen Berufung
  • Die Zahl »Drei« symbolisiert Anfang, Prüfung und Reife des Glaubens als Merkmale der Nachfolge. Warum fragt Jesus überhaupt, ob Petrus ihn liebe? Da er die Menschen in ihrem Wesen kennt (2,24f.), weiß er an sich bereits, dass Petrus ihn liebt, was dessen Antwort bestätigt: „Herr, du weißt alles: du weißt, daß ich dich liebhabe" (21,17). Die Pointe liegt darin, dass Jesus ihn explizit fragt, ob er ihn »mehr« liebe als die anderen Jünger (21,15), mit allen Konsequenzen, ohne falschen Eigenwillen
  • Die Leitung der christlichen Gemeinde, der Dienst an der Einheit der Kirche, die Aufgabe einer gruppenübergreifenden, organisatorischen, spirituellen Integration erfordert ein stärkeres geistliches Maß an Glaubensstärke, Christusnachfolge, Leidensfähigkeit (21,19). Nur wer im Geist der »Liebe« (agápê), Integrationskraft, Unterscheidungsgabe und praktische Weltklugheit miteinander verbindet, sollte in der Gemeinde, Kirche leiten 
  • Nicht ein »Mehr« an religiösen Gefühlen, affektiver Liebe, kein gleich- oder gegengeschlechtlicher Eros ist gefragt. Es wäre verfehlt, in die Beziehung von Petrus und Jesus homoerotische Zuneigung oder männerbündische Mentalitäten hineinzuprojizieren. Ebenso kann nicht die naturhafte Geschlechterpolarität von Mann und Frau den spirituellen Kern der Christusbindung und -liebe ausmachen. Dies könnte nur ein anfanghaftes, psychisches Medium der Identifikation mit Christus sein
  • Entscheidend für die Erneuerung der Kirche wird sein, das traditionelle Nachfolgeideal (imitatio Christi) nicht mehr hauptsächlich im Horizont von gleichartig-gegensätzlichen Genderqualitäten zu verstehen. Die Symbolik der »Gefährtenschaft« (Ritterideal), »Brautmystik« (Minne) oder »Stellvertretung« (in persona Christi) als bildhafte Formgestalten der Christusbeziehung wären in eine geschlechtsübergreifende, glaubensmystische Nachfolge »im« Geiste zu integrieren, Christus mehr als gottmenschliches »Inbild« (imago exemplaris) von Glaube, Hoffnung und Liebe (1 Kor 13,13), als das »Neue Sein« (2 Kor 5,17), Gottes Weisheit, zu lieben

2. Sonntag der Osterzeit (ABC) | Joh 20,19-31 | 24.4.2022
Weisser Sonntag

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Beati, qui non viderunt et crediderunt.
(Joh 20,29)

  • Der Friedensgruss des Auferstandenen eröffnet den missionarischen Auftrag: Aufgrund der Ostererfahrungen sind ist die Jünger befähigt, die in Kreuz und Auferstehung verwirklichte Versöhnung von Gott und Mensch, den Frieden Christi, weiterzugeben
  • Christus ist »unser Friede« (Eph 2,14): Im Glauben gewinnt der Mensch geistlich Anteil an der Auferstehungswirklichkeit, ist er »in« Christus, in dem alle Entfremdung von Gott, Sündenmacht, jeder Streit und Haß virtuell überwunden ist 
  • Im bejahten Glauben an Christus wird seine Auferstehung geglaubt. Das »Glaubenslicht« (lumen fidei), welches uns den Glauben verleiht, ist das erleuchtende Ergriffensein unseres Geistes durch die Auferstehungswirklichkeit des Gekreuzigten, versetzt uns »in« das Sein Christi
  • »Thomas« zweifelt an der Realität der Auferstehung, ihm war keine Erscheinung Christi zuteil geworden. Seine Person steht mit ihrem Zweifel für unsere eigene Glaubenssituation ohne unmittelbaren, leibhaftigen Kontakt mit dem Auferstandenen 
  • Die Berührung der »Wundmale« des verklärten Geistleibes läßt Thomas die Identität des Gekreuzigten mit dem Auferstandenen erkennen, sinnbildet zugleich den Glaubensakt der meditativen Versenkung in das Geheimnis Christi, im Glauben berühren wir seinen Geistleib      

Ostermontag (ABC) | Lk 24,13-35 | 18.4.2022

Da gingen ihnen die Augen auf.
Et aperti sunt oculi eorum.
(Lk 24,31)

  • Die Jünger erkennen den auferstandenen Christus erst durch dessen eigene charismatische, exegetische Belehrung, der ihnen darlegt, dass sich an ihm, in Kreuz und Auferweckung, der prophetische, verborgene Sinn der Heiligen Schrift erfüllt hat (24,27)
  • Es eine leibhaftige, geistige Präsenzerfahrung des Auferstandenen, wobei sich die Erleuchtung der beiden Jünger, ihr Durchbruch zum Wiedererkennen Christi, bei seinem Tischsegen, dem Brechen des Brotes ereignet, der Urgeste der Eucharistie  
  • Das »Brennen« des Herzens besagt: Christus hat einen Geistleib, ist lautere Weisheit, Liebe, welche das »Gemüt« der Jünger, den Seelengrund mit göttlicher Gegenwart, seinem Herzgeist, personalen, tröstenden Auferstehungslicht erleuchtet
  • Die Emmausgeschichte sinnbildet einen Kreislauf: Das Studium der Heiligen Schrift im Christuslicht des Glaubens vertieft die Erfahrung der Eucharistie, die bewusste Mitfeier der Eucharistie öffnet das »innere Auge« für den mystischen Sinn der Heiligen Schrift
  • Keine Erneuerung der Kirche, ohne Abschied von der klerikalen Versorgungspastoral und Funktionalisierung der Eucharistie. Mystagogische Katechese, geistliches Schriftstudium, vertiefte Glaubensbildung, kontemplativer Gottesdienst, spirituelle Psychologie sind das Gebot der Stunde    

Ostersonntag (ABC) | Joh 20,1-18 | 17.4.2022

Ich gehe hinauf zu meinem Gott und zu eurem Gott
Ascendo ad Deum meum et Deum vestrum.
(Joh 20,17)

  • Die »Auferstehung« von den Toten ist keine Wundererzählung, Einbildung der Jüngerinnen und Apostel, bloße Glaubensvorstellung, kurzzeitige Rückkehr Jesu ins Erdenleben, unsterbliche Seele, Zwischenexistenz, Rückgängigmachung des Todes, kein Totengeist, wiederbelebter irdischer Körper
  • Jesus, der von Gott im Heiligen Geist »Auferweckte«, »Neugeschaffene«, erscheint Maria Magdalena unerwartet in einer Vision, welche zugleich eine Audition ist. Nach dem Johannesevangelium ist sie allein die erste Zeugin der Auferstehung, noch vor Petrus
  • Dies ist keine private Vision, sondern eine heilsgesichtliche, neue Offenbarung Gottes. Es handelt sich nicht um eine subjektive, mystische Erfahrung, vielmehr um eine endzeitliche, endgültige Selbstoffenbarung Gottes, ein leibhaftig-geistiges Gegenwärtigsein des auferweckten Jesus 
  • Der Gekreuzigte wird in den Ostervisionen von Gott her als bei Gott Lebender sichtbar gemacht, damit gerade aufgrund seiner Hingabe am Kreuz als Gottes Sohn, wahrer Messias, Gottes unüberbietbares, erlösendes und letztes Wort an den Menschen bestätigt 
  • Durch Glaube und Taufe wird der Mensch in seiner leiblich-seelischen Existenz gnadenhaft, essentiell in das Geheimnis von Christi Tod und Auferstehung mit hineingenommen. Es ist ein spirituelles Mitsterben und Mitauferstehen mit Christus, das uns ein übernatürliches, personales Sein in Gott verleiht (Röm 6,8)

 

Osternacht (C) | Lk 24,1-12 | 17.4.2022

Er ist auferstanden.
Surrexit.
(Lk 24,6)

  • Die Frauen am Ostermorgen sehen mit ihren Augen im natürlichen Verstandeslicht nur das »Leersein« des Grabes. Erst als die Engelerscheinungen  ihren Geist erleuchten, erinnern sie an die prophetische Vorhersage Jesu von seiner Auferstehung (Lk 18,33) 
  • Der individuelle Mensch, Jesus von Nazareth, ist untrennbar Leib und Seele. Von daher ist »Auferstehung« leibhaft-personal, mit verwandelter, verklärter materieller Leiblichkeit zu begreifen, sonst wäre es keine »Auferweckung« im endzeitlichen, biblischen Sinne  
  • Es erscheint weder ein Totengeist, wiederbelebter Körper, noch eine vom Leib getrennte Seele oder ein scheintoter Jesus, vielmehr der »Gekreuzigte«, der tot war, als in Gott Lebender mit verklärten Wunden, in transformierter, vergeistigter Leiblichkeit
  • Das »leere Grab« besagt im Licht der geistgewirkten Ostervisionen, dass Gott diesen Jesus von Nazareth, trotz des Scheiterns seiner Verkündigung, seines Fluchtodes gemäß dem Gesetz als verworfener Sünder (Gal 3,13), zu neuem Leben auferweckt hat, damit als Messias bestätigt
  • Die Todesmacht der Sünde, der innere Seelentod, welcher den Sohn Gottes ans Kreuz gebracht, seinen äußeren, leiblichen Tod bedingt hat, sind durch die Gottverbundenheit Christi und seine Auferweckung im Heiligen Geist überwunden

Karsamstag (ABC) | 16.4.2022

Das Licht leuchtet in der Finsternis.
Lux in tenebris lucet. 
(Joh 1,5)

Karfreitag (ABC) | Joh 18,1-19,42 | 15.4.2022

Mich dürstet.
Sitio.
(Joh 19,28)

  • In der Passion erleidet, trägt Christus, der ohne Sünde war, aber von den Menschen als vermeintlicher Sünder wegen »Gotteslästerung« (Joh 19,7) verurteilt wurde, stellvertretend die Gottverlassenheit, Strafe der sündigen Menschheit 
  • Die Selbsthingabe Christi am Kreuz, das Mitleiden des Vaters mit seinem Sohn für die Erlösung von Sündenmacht und Tod, bezeugt die absolute Liebe und Treue Gottes zum sündigen Menschen, der »Gott« in geistiger Verblendung vergessen, mißachtet und getötet hat
  • Die Kreuzigung des Sohnes Gottes durch die Hände der Menschen offenbart das ganze abgründige Ausmaß der menschlichen Sündhaftigkeit, Ungerechtigkeit, religiösen Verblendung, des hasserfüllten Widerstandes gegen Gottes Weisung und Willen   
  • Christi ungebrochendes, reines Gottvertrauen, ohne jeden affektiven Halt in einem göttlichen Trostempfinden, in tiefster Gottverlassenheit, Ohnmacht und Erniedrigung bezeugt Gottes erlösende, geistige Teilnahme am Tod, damit des Sündentodes Tod
  • Der »Durst« Christi am Kreuz umfängt, trägt allen Schmerz der lauteren Seele, welche sich in einer Welt der Gleichgültigkeit, Angst, kollektiven Gottesferne, in einem sterbenden Kirchenmilieu ohne Erneuerungswillen, spirituelle Tiefe, humane Weite nach Gott sehnt

Gründonnerstag (ABC) | Joh 13,1-15 | 14.4.2022

Ich habe euch ein Beispiel gegeben.
Exemplum enim dedi vobis.
(Joh 13,15)

  • Die »Fußwaschung« als ehrloser Sklavendienst manifestiert Christi Liebe zu den Seinen, bezeichnet die Entäußerung des Gottessohnes, welche sich im schmachvollen Kreuzestod vollendet, sinnbildet verhüllt die mystische Einung mit Gott in der Eucharistie
  • Christus ist spirituelles »Vorbild« im Sein: Wir sollen aus Gnade das werden, was er von Natur aus ist, nämlich eins mit Gott – im Erkennen: Wir sollen Seelenadel und Demut als Einheit begreifen – im Lieben: Wir sollen Gott, uns selbst, einander selbstlos lieben, die Liebe zweckfrei tun 
  • Das »Sich-Waschen-Lassen« meint geistige Läuterung: Der Mensch wird »rein«, ein Glaubender, durch das erneuernde Schöpferwort Christi (Joh 13,10; 15,3). Er gewinnt vollkommen »Anteil« an Christus (13,8), indem er dessen Selbstlosigkeit, welche ihn von aller Ichhaftigkeit befreit, vorbehaltlos annimmt
  • Das menschgewordene, göttliche Wort, Christus, bleibt aufgrund der Erhabenheit seiner ewigen Gottheit von der Entehrung durch den Sklavendienst innerlich unberührt, kann gerade dadurch in der Unendlichkeit seiner Liebe dem gottfernen, leidenden Menschen nahe sein
  • Die »Fußwaschung« als Zeichenhandlung symbolisiert das unsichtbare Geheimnis, das geistliche Kerngeschehen der Eucharistie: Sakramentale Einung mit Gott in der Kommunion durch die Gegenwart Christi im Heiligen Geist, welcher uns spirituell Anteil gibt an seiner Gottunmittelbarkeit

Palmsonntag (C) | Lk 19,28-40 | Lk 22,14-23,56 | 10.4.2022

Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.
Si hi tacuerunt, lapides clamabunt.
(Lk 19,40)
Ihr sagt es – ich bin es.
Vos dicitis quia ego sum.
(Lk 22,70)

  • Beim Anblick der Stadt Jerusalem brechen die Jünger in exstatische Freude aus, proklamieren Jesus als messianischen Friedenskönig, den Befreier Israels, Sohn Davids, endgültigen Propheten 
  • Der Einzug auf dem »Esel« (Sach 9,9) ist ein prophetisches Zeichen, besagt dass Gottes Friedensreich durch Christus in Gewaltlosigkeit, Weisheit und Demut begründet wird, ein Reich wahren Geistes 
  • »Schreien der Steine«: Wenn Jerusalem, der Mensch die Botschaft Christi nicht annimmt, wird spiritueller Niedergang die Folge sein, bezeugt somit "ex negativo" seine göttliche Vollmacht (Lk 19,44) 
  • Jesus offenbart vor Gericht seine Identität, bestätigt mit dem »Ich bin es« indirekt die Hoheitstitel, die seine Gegner ihm zulegen: »Prophet« (19,64), »Messias« (67), »Menschensohn« (69) und »Sohn Gottes« (70)   
  • Jesu ungebrochenes Gottvertrauen im Foltertod für Gottes Wahrheit, seine Feindesliebe, Geistesfülle in äußerster Verlassenheit bezeugen Gottes Wirklichkeit, Präsenz in seiner Person

5. Fastensonntag (C) | Joh 8,1-11 | 4.3.2022

Jesus schrieb mit dem Finger auf die Erde.
Digito scribebat in terra.
(Joh 8,6)

  • Paradoxe, unmittelbare, konfrontierende, befreiende Haltung Jesu: "Ihr urteilt wie Menschen urteilen. Ich urteile über keinen. Wenn ich aber urteile, ist mein Urteil gültig." (Joh 8,15f.)
  • »Urteilen ohne zu urteilen« ist ein spirituelles Ideal: Sünde wird als das gesehen, was sie vor Gott ist, jedoch ohne Abwertung des Menschen als Anstoß zu einem neuen Leben
  • »Mit dem Finger in den Staub schreiben« (Jer 17,13): Die Zeichenhandlung, das Schweigen Jesu, spiegelt seinen Gegnern die Nichtigkeit ihres religiösen Hochmuts, Moralismus
  • Da jeder Mensch aufgrund der universellen Verstrickung in Sünde und Schuld der Vergebung Gottes bedarf, steht ihm ein Urteil an Gottes statt über andere Menschen nicht zu 
  • »Reich Gottes«: Erfahrung der Nähe Gottes als eine befreiende, verzeihende und erleuchtende Zuwendung Gottes, gerade zu dem, worin der Mensch am meisten seiner Tröstung bedarf

4. Fastensonntag (C) | Lk 15,1-3.11-32 | 27.3.2022

Der Vater sah ihn schon von weitem kommen.
Cum autem adhuc longe esset, videt illum pater ipsius. 
(Lk 15,20)

  • Der »verlorene Sohn« sinnbildet die ihren Leidenschaften ausgelieferte, selbstvergessene, entfremdete, leidvolle Existenz in der Gottesferne
  • Gott nimmt jeden Menschen vorbehaltlos an, der aus seinen Fehlern lernt, sich auf seine Würde, sein Selbst besinnt, sich ihm wieder zuwendet
  • Je weiter sich jemand von Gott abwendet, der Quelle des Lebens, desto mehr verliert er den geistigen Halt im wahren Sein, verfällt er dem Nichts
  • Der »Hunger«, die innere Leere, das existentielle Scheitern erweckt das Gewissen, bewirkt eine bewusste Hinkehr zum göttlichen Ursprung
  • Gottes Gegenwart im Seelengrund, die Quelle spiritueller Sehnsucht, kann durch Zeitliches nur verdeckt, niemals aber ausgelöscht werden

3. Fastensonntag (C) | Lk 13,1-9 | 20.3.2022

Vielleicht trägt der Feigenbaum doch noch Früchte.
Siquidem fecerit fructum in futurum.
(Lk 13,9)

  • Christus ist der »Weingärtner«, Gottes leztes Wort an die Menschheit, an ihm entscheidet sich Gut und Böse, Leben und Tod, Sünde und Erlösung
  • »Weinberg« sinnbildet alle, an die Gottes erwählendes Wort ergangen ist, das Volk Israel, die Kirche, alle Menschen, welche Gottes Wort gehört haben    
  • »Feigenbaum ohne Früchte« steht für alle, die das Evangelium kennen, es aber nicht  angenommen haben, sich dennoch als gerecht, schuldlos sehen
  • Hochmut, Elitedenken, Klerikalismus, Machtmissbrauch, spiritueller Neid, Welthaftigkeit, religöser Aktivismus machen den Menschen gottunfähig 
  • Gottes Gnade in Christus gewährt jeden Augenblick die Chance, die »Frucht« befreiender Umkehr zu verwirklichen, ein neues Leben zu beginnen

2. Fastensonntag (C) | Lk 9,28-36 | 13.3.2022

Sie sahen Jesus in strahlendem Licht.
Viderunt gloriam eius.
(Lk 9,32)

  • Jesu Antlitz wird durchlässig für die mystische Lichtfülle in seiner Person
  • Entrückung im Gebet in die Sphäre göttlicher Vorsehung und Herrlichkeit 
  • In der Messianität Jesu vollendet sich Geist und Auftrag aller Propheten
  • Gott offenbart Christus im voraus zur Passion als seinen geliebten Sohn 
  • Wer um der Gerechtigkeit willen leidet, hat Anteil an der Würde Christi

1. Fastensonntag (C) | Lk 4,1-13 | 6.3.2022

Der Mensch lebt nicht nur vom Brot.
Non in pane solo vivet homo.
(Lk 4,4)

  • Materielles ist nötig zum zeitlichen Dasein, Spirituelles zum wahren Menschsein
  • »Wüste« sinnbildet Entfremdung, Sinnleere, Anonymität, Gottesferne, Leiden
  • »Versuchung« ist Anfechtung, Erprobung im Glauben, Verführung zur Sünde
  • Schutz durch Selbsterkenntnis, Unterscheidung der Geister, Hinkehr zu Gott
  • Gemeisterte Versuchungen festigen Selbstbewusstsein, Glauben und Tugend

Aschermittwoch (ABC) | Mt 6,1-6.16-18 | 2.3.2022

Schließ die Tür zu.
Clauso ostio tuo.
(Mt 6,6)

  • Fasten dient der leiblich-geistigen Sammlung, Läuterung, Erneuerung
  • Wesentliches reift im Verborgenen, in der Stille, personalen Begegnung
  • „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ (Mk 10,42f.)
  • Je größer Machtmissbrauch, Unrecht, Lüge umso mehr leuchtet die Wahrheit
  • Gottunmittelbarkeit geschieht vorbehaltlos, zweckfrei im Hier und Jetzt 

8. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 6,39-45 | 27.2.2022

Ein guter Mensch bringt Gutes hervor.
Bonus homo profert bonum.
(Lk 6,45)

  • Innen und Außen, Sein und Handeln, sind zwei Seiten des Menschen
  • Der Mensch ist gut, wo er mit sich in Wahrheit und Liebe übereinstimmt
  • Ursache guten Handelns ist die selbstlose, lautere, zweckfreie Gesinnung
  • Gott als übergute Gutheit im Grund der Seele ist die Quelle alles Guten
  • Der gute Mensch findet seinen Trost darin, in allem Gottes Willen zu tun

7. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 6,27-38 | 20.2.2022

Liebt eure Feinde. 
Diligite inimicos vestros.
(Lk 6,27)

  • Spirituelle Liebe ist universell, umfasst auch den Feind in seinem Menschsein
  • Nicht-Hassen ist der Ausstieg aus dem Kreislauf von Unrecht und Vergeltung
  • Erfahrung der Gnade Gottes befreit vom ichhaften Recht-Haben-Wollen 
  • Der Geist der Liebe ist selbstbewusst, friedfertig, lauter, wehrhaft, kraftvoll
  • Unrecht zu vergeben, ohne es zu überspielen, setzt neue Lebensenergie frei

6. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 6,17.20-26 | 13.2.2022

Selig, die ihr jetzt weint.
Beati nunc fletis.
(Lk 6,21)

  • Geistliche Trauer über den Entfremdungszustand des Menschen, der Kirche und Gesellschaft, Ungerechtigkeit, Sünde, Schuld ist Voraussetzung zur wahren Erneuerung
  • Spiritueller Untrost hat verborgen im Kern göttlichen Trost, in dem sich die  leidvolle Selbstentfermdung, Gottesferne, soziales Unrecht, Stukturen der Sünde spiegeln
  • Die „Weh“-Rufe Christi sind Mahnung zur Umkehr, der Ungerechte täuscht sich, wenn er meint, dass Gott gleichgültig sei, es keine ausgleichende, ewige Gerechtigkeit gibt
  • Gott als lautere Wahrheit ist die Quelle alles Guten, ohne das Geheimnis, das wir „Gott“ nennen, gäbe es kein Gewissen, wäre »gut« und »böse« gleich, alles im Tod nichtig
  • Beseligung ist Gottes Gegenwart in allem Guten, Wahren, Gerechten, Schönen, worin der Mensch seine Existenz in ihrer spirituellen Tiefe annimmt, bereit ist Gottes Willen zu tun

5. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 5,1-11 | 6.2.2022

Werft eure Netze zum Fang aus.
Laxate retia vestra in capturam.
(Lk 5,4)

  • Göttliches, Charisma zieht durch seine eigene Kraft an
  • Christus lehrt mit Erleuchtung, Erleuchtung, Freimut
  • Er manipuliert nicht, weckt Selbsterkenntnis, Identität
  • Spirituelle Übung ist Basis jeder geistlichen Autorität
  • Gottes Weisheit, Christus in uns, ist der innere Lehrer

Darstellung des Herrn (ABC) ‒ Lichtmess | Lk 2,22-40 | 2.2.2022

Ein Licht, das die Heiden erleuchtet.
Lumen ad relevationem gentium.
(Lk 2,32)

  • Das Motiv der rituellen »Reinigung« wird vom Gedanken der »Darstellung« des Messiaskindes (Praesentatio Domini) im Tempel überlagert, seinem kultischen „Loskauf“ als Erstgeborener (Ex 13,2.15) 
  • Das Hineintragen des Messiaskindes in das Jerusalemer Heiligtum sinnbildet, dass Gottes Präsenz in Christus an Stelle des religiös verzweckten, äußeren Tempelkultes, Opfers zu treten beginnt
  • Die Erfüllung des Gesetzes durch Jesu Eltern sinnbildet, dass Jesus von Geburt an mit seiner ganzen Existenz Gott geweiht ist, ihm wesenhaft zugehört, sein irdischer Stellvertreter, Repräsentant ist
  • »Simeon« steht für die armen Gerechten, „Stillen im Lande“ (Ps 35,20), seine Prophetie bezeugt das Messiaskind als »Offenbarungslicht«, das die alte Religionsform erleuchtet, transformiert (Lk 2,32)
  • »Hanna« sinnbildet das Ideal beständiger Gottsuche (1 Thess 5,17: „orate sine intermissione“), sie übt dasjenige ein, was Christus seiner Person nach ist, Gottes Gegenwart im Hier und Jetzt (Lk 2,37)

4. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 4,21-30 | 30.1.2022

Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.
Nemo propheta acceptus est in patria sua.
(Lk 4,24)

  • Je mehr Menschen sich fraglos mit ihrem eigenen Denken und Sein identifizieren, desto mehr verlieren sie den Blick für das Andersein des Anderen, respektieren nicht sein Charisma
  • Die Nennung der „Witwe von Sarépta“ (1 Kön 17,8f.), des „Syrers Náaman" (2 Kön 5,1f.) ist eine prophetische Provokation, Gottes Zuwendung zum Menschen überschreitet religiöse Grenzen
  • Jesus konfrontiert die Synagogenbesucher seiner Heimatstadt mit ihren national-religösen Hochmut, ihrer falschen Identifikation mit dem Heilswillen Gottes nach eigenen Vorstellungen
  • Das Staunen über das Charisma Jesu (Lk 4,22), führt zu keiner Anerkenntnis seiner Messianität, bleibt ambivalent zwischen Faszination, Mißgunst,  Irritation, Ablehnung stehen 
  • Der Wutausbruch der Menge offenbart die kollektive Fehlhaltung, antizipiert die Passion (23,13f.), Jesu Weggehen seine spirituelle Macht, den endgültigen Abschied von falscher Heimat

3. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 1,1-4; 4,14-21 | 23.1.2022

Erfüllt von der Kraft des Geistes.
In virtute Spiritus.
(Lk 4,14)

  • Im Geistempfang in der Taufe durch Johannes empfängt Jesus seine Berufung, messianische Identität (Lk 3,21f.)
  • Die Absage an die Versuchung seine spirituelle Macht zu mißbrauchen, bestärkt sein Charisma (4,14)
  • Seine Person ist von göttlicher Kraft erfüllt, in ihr kommt der Geist der Propheten zur Vollendung (4,21)
  • Die Verkündigung des Evangeliums ist Ausdruck seiner persönlichen,  einmaligen Gotteserfahrung (3,22)
  • Christus ist Licht, das erleuchtet, Gottes Wort, das befreit, Trost, der alle Not im Geiste umfängt (4,18)

Zweiter Sonntag im Jahreskreis (C) | Joh 2,1-11 | 16.1.2022

Wasser, das zu Wein geworden.
Aquam vinum factam.
(Joh 2,9)

  • Die Wandlung des Wassers in „guten“ Wein auf der Hochzeit zu Kana geschieht am „dritten Tag“ (Joh 2,1), ist mystischer Hinweis auf die Auferstehung Christi „am dritten Tag“ (1 Kor 15,4)
  • Der »erste Tag« (1,29) symbolisiert das göttliche Bewusstsein Jesu, seine Herkunft aus dem verborgenen Urgrund allen Seins („Vater“),  seine  ewige Gottessohnschaft (1,34)
  • Der »zweite Tag« (1,35) steht für das öffentliche Wirken des »Logos« (1,1), sein messianisches »Königtum« (1,49), Leiden für Gottes Wahrheit, das sich in der Passion erfüllt (18,33)
  • Das Weinwunder, Jesu „erstes Zeichen“ (2,11), ist ein Sinnbild für spirituelle Transformation, die Wandlung natürlichen Seins ins Göttliche (1,13), der Wiedergeburt aus Gott (3,6)
  • Der „Wein“ als messianisches Symbol (6,48) bezeichnet die exstatische Beseligung, geistliche Freude (15,11), die im Glauben beginnt, sich in der Gotteinung vollendet (17,23)

Taufe des Herrn (C) | Lk 3,15-16.21-22 | 9.1.2022

Öffnete sich der Himmel.
Apertum est caelum.
(Lk 3,21)

  • In der Wassertaufe des Johannes, der sich Jesus stellvertretend für die Sündhaftigkeit des Gottesvolkes unterzieht, empfängt er seine spirituelle Identität zur Verkündigung der Reich-Gottes-Botschaft
  • In der Gestalt der »Taube«, dem Symbol des Gottesfriedens (Gen 8,11), der mystischen Liebe (Hld 5,2), »schaut« Jesus in einer Vision, wie der Heilige Geist auf ihn herabkommt, ihn zum messianischen Auftrag erweckt
  • Eine Apokalypse (Himmelsöffnung), die Stimme Gottes »enthüllt« Jesus (Audition), was er seinem Wesens nach ist, nämlich Gottes einziger Sohn, der endzeitliche Messias, der erwählte »Gottesknecht« (Jes 42,1)
  • Das »Hineingetauchtwerden« Jesu in den Jordan antizipiert den Kreuzestod, die Nichtung aller Todesmacht, sein »Heraufsteigen« aus dem Wasser das Auferwecktwerden zum »Neuen Sein« in Gott (Röm 6,4) 
  • Das Taufsakrament (Joh 3,5) ist eine geistliche »Wiedergeburt« (Tit 3,5), wodurch der Glaubende im Geist Gottes Anteil an Christi Eigenschaften erhält, zu Glaube, Hoffnung, Liebe befähigt wird (1 Kor 13,13)

>> Was bedeutet die Taufe?
>> Fisch-Symbolik

Erscheinung des Herrn (ABC) ‒ Epiphanie | Mt 2,1-12 | 6.1.2022

Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben.
Munera, aurum et tus et myrrham.
(Mt 2,11)

  • Die Gaben der drei »Weisen« (mágoi) sinnbilden das Wesen des Messiaskindes, sagen sein Geschick voraus, sind spirituelles Vorbild der freigebigen, geistigen Hingabe an Gott
  • »Gold« bezeichnet das messianische Königtum Christi, seine spirituelle Macht, Weisheit, Herrlichkeit (Jes 60,6), ist zugleich Symbol für den Adel der gottempfänglichen Seele
  • »Weihrauch« symbolisiert Jesu Hingabe an Gottes Willen, seine Transzendenz, kontemplative Schau (Ps 141,2), steht für die unmittelbare Ausrichtung aller Seelenkräfte auf Gott 
  • »Myrrhe« ist Hinweis auf sein Prophetenschickal, stellvertretendes Leiden, Lebensopfer für die Erlösung (Mk 15,23), besagt, dass es keine Gotteinung ohne Leiden geben kann
  • Die Huldigung der »Magier« besagt die Läuterung, Vollendung aller Intellektualität, Weisheit, Religion in Christus, dass Gott größer ist als alle menschliche Erkenntnis

>> Was bedeutet Epiphanie?
>> Die Frage »Wo« ist Gott?

2. Sonntag nach Weihnachten (ABC) | Joh 1,1-18 | 2.1.2022

Die aus Gott geboren sind.
Ex Deo nati sunt.
(Joh 1,13)

  • Die »Gottesgeburt« (1,13), Gotteskindschaft, fließt aus der Glaubensgnade, dem Glaubenslicht (lumen fidei), der personalen Annahme des Evangeliums
  • Das Prinzip „Was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist“ (3,6) begründet die christusförmige, spirituelle Umgestaltung des Glaubenden 
  • Jede Glaubende ist „wiedergeboren“ aus göttlichem Geist (3,7), neue Schöpfung in Christus, dadurch in ihrer Person unmittelbar auf Gott bezogen
  • Der Glaube an Christus verleiht ein geistliches, übernatürliches Sein (4,24), befähigt den Menschen zur  mystischen, wahren Gotteserfahrung
  • Der Heilige Geist „gebiert“ den Glaubenden als geistlichen Menschen (3,3), „gebiert“ Gottes tröstliche Gegenwart in der gelasssen, lauteren Seele 

>> Text des Johannesprologs

Gottesmutter Maria (ABC) ‒  Oktavtag von Weihnachten | Lk 2,16-21 | 1.1.2022

Den Namen Jesus.
Nomen eius Jesus.
(Lk 2,21)

  • Der Name »Jesus« (Jeschua) bedeutet „Jahwe ist Rettung“ (Mt 1,21)
  • Im alten Orient repräsentiert der »Name« (šēm) das Wesen der Person
  • „Ich bin der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offb 22,13)
  • Glauben im Namen »Jesu Christi« vergegenwärtigt den Trost Gottes
  • Das einfachste Gebet ist die Anrufung des Namens »Jesu« (Lk 18,38)

>> Meditation zum Jahresbeginn
>> Spirituelle Zeiterfahrung

Jahresdank (Silvester) | Joh 15,1–11 | 31.12.2021

Daß ihr reiche Frucht bringt.
Ut fructum multum afferatis.
(Joh 15,8)

  • Was ist im vergangenen Jahr gewachsen, wofür bin ich dankbar?
  • Welche Erfahrungen waren schwer, wovon verabschiede ich mich?
  • Wohin geht meine Lebensdynamik, was will ich »Neues« tun?
  • Was brauche ich an Unterstützung, Mitteln, um das zu erreichen?
  • Was wäre ein erster Schritt auf dem Weg zu diesem neuen Ziel?

>> Meditation zum Jahreswechsel
>> Spirituelle Zeiterfahrung

Heilige Familie (C) ‒ Sonntag in der Weihnachtsoktav | Lk 2,41‒52 | 26.12.2021

Alle waren erstaunt über sein Verständnis.
Stupebant omnes super prudentia eius.
(Lk 2,47)

  • Es gibt ein leibliches, psychisches, soziales, berufliches, intellektuelles, geistliches, mystisches Wachstum der Person
  • Die Evangelien bezeugen, dass Jesus von Nazareth von Geburt an eine außergewöhnlich hohe spirituelle Begabung besaß
  • Wesenhafte Gotteinung, Adel der Herkunftsfamilie, seine spirituelle Intelligenz, Kreativität machen Jesus zum Religionsstifter
  • Das »Messiaskind« im Tempel sinnbildet unser wahres Selbst, die mystische Erleuchtung, gottförmige Identität in Gott
  • Weisheit (sapientia) ist die habituelle Fähigkeit, sich selbst, alles Handeln, alle Dinge unmittelbar auf Gott zu beziehen

Zweiter Weihnachtstag ‒ Stephanus (ABC) | Mt 10,17‒22  | 26.12.2021

Macht euch keine Sorgen.
Nolite cogitare.
(Mt 10,19)

  • »Stephanus«, der erste Märtyrer der Kirche, ist das Inbild des vollkommenen, freimütigen, gelassenen Glaubenszeugen (Apg 7,56f.)
  • Wer sich zu Christus bekennt, stand zu jeder Zeit in Gefahr ausgegrenzt, verlacht, beneidet, diskriminiert, verfolgt, getötet zu werden
    • „Das spirituelle Niveau der Kirche war nie so hoch wie in den Zeiten der Verfolgung. Die schlimmste Gefahr für die Kirche besteht darin, sich in der Welt einzurichten, und die schlimmste Gefahr für den Christen, sich im Leben einzurichten. Am Grund des christlichen Lebens befindet sich eine Bekehrung, eine metanoia, eine schrittweise Umkehr der Seele.“ (Henri Le Saux)
    • „Christus, den menschgewordenen Sohn: ihm wirklich zugesellt sein und ihm treu sein, nicht dem Ideal, sondern der Person Christus. Nur der Liebende ist der wirkliche Mensch, echte Mensch.  Eifer und Hingabe an die Arbeit im Dienst Gottes.“ (Alfred Delp)
    • „Jedem, der sich ernsthaft mit mittelalterlich-christlichen, hinduistischen oder buddhistischen Begriffen wie contemptus mundi, Mara und Leere der Welt befaßt, ist klar, daß sie nicht Verneinung einer Wirklichkeit meinen, sondern Enttarnung einer Illusion. Die Welt als reines Objekt ist etwas, das es nicht gibt. Wir und unsere Welt durchdringen einander.“ (Thomas Merton)
  • Gemeinde bietet zu wenig psychologischen, spirituellen Schutz, um den heutigen Glaubensanfechtungen gewachsen zu sein
  • Keine Erneuerung der christlichen Identität, Zeugniskraft ohne Schriftstudium, Glaubensbildung, Spiritualität, Psychologie, Meditation

>> Fragen zur Gemeindevitalität

Weihnachten ‒ Am Tag (ABC) | Joh 1,1–18 | 25.12.2021

Das Wort war Gott.
Deus erat Verbum.
(Joh 1,1)

  • Die Menschwerdung des göttlichen Wortes in Christus bildet das Vorbild für die Selbstwerdung des Menschen 
  • Gottes Sein ist gegenwärtig in der Person Christi, in seinem Bewußtsein, seiner Erfahrung, seinen Worten und Taten 
  • In Christus teilt Gott die existentielle Not des Daseins, nimmt die menschliche Natur in das göttliche Leben auf 
  • Gottes Wort in Christus ist wie ein Spiegel, ein geistiges Licht, in dem sich der Mensch in seinem Sein vor Gott erkennt
  • Wahre Humanität, menschliche Größe vollendet sich in der spirituellen, mystischen Identitätsfindung des Menschen 

>> Text des Johannesprologs
>> Was bedeutet Weihnachten?
>> Messianische Hoffnung

Weihnachten ‒ In der Nacht (ABC) | Lk 2,1–14 | 24.12.2021

Legte ihn in eine Krippe.
Reclinavit eum in praesepio. 
(Lk 2,7)

  • Der »Sohn«, die zweite Person des dreieinigen Gottes, das göttliche Wort (Logos), ewige Weisheit , wird aus Gnade in Christus Jesus leibhaftig »Mensch«, teilt unsere existentielle Not (Phil 2,7), um die Menschheit neu mit Gott zu verbinden, zu erlösen, zu erleuchten (Gottes Heilswille)
  • In Jesus Christus sind »Gott« und »Mensch«, göttliche und menschliche Natur, reines Gottbewusstsein und Menschengeist, in untrennbarer Weise miteinander geeint (Joh 1,14), durch die Gnade Christi wird die Person des Glaubenden mit Gott verbunden, befreit und glückselig (Inkarnation)
  • Jesus von Nazareth, von Maria geboren in eine »Krippe« gelegt, ist Gottes letztes Wort an die Menschheit, der wahre Messias, „Friedenskönig“ (Jes 9,5), welcher uns Gottes Weisheit und Liebe durch seine Person, Worte und Taten unüberbietbar vermittelt (Offenbarung)
  • Wahrer »Friede« entsteht, wo die spirituelle Energie von Glaube, Hoffnung und Liebe Gegensätzliches, Entfremdetes und Getrenntes im Geist Christi wieder miteinander zur Einheit bringt (Eph 2,14), die ursprüngliche Gerechtigkeit wieder herstellt (Erlösung)
  • Christus wird im Geiste „geboren“, wo der Mensch seine spirituelle Sehnsucht nach »Einssein« mit Gott, sich selbst, anderen Menschen, allen Wesen verspürt (Joh 1,12), sein Herz leer aller ichhafter Absicht vom göttlichen Licht erfüllen läßt (Erleuchtung)

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Vierter Adventssonntag (C) | Lk 1,39‒45 | 19.12.2021

Gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Bendictus fructus vertris tui.
(Lk 1,42)

  • Maria wandert nach Judäa zum Haus des Zacharias, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen, der Älteren bei der Geburt des Johannes beizustehen, die gemeinsame Messsiaserwartung zu teilen
  • Die Begegnung der beiden schwangeren Frauen ist kein Zufall, vielmehr Fügung der göttlichen Vorsehung, welche die Ankunft des Messias und seines Wegbereiters im Volk Israel vorbereitet 
  • Der laute Ausruf Elisabeths ist eine exstatische Prophetie, Inspiration durch den Heiligen Geist, bezeugt die messianische Erwählung Mariens, bekennt das Kind in ihrem Leib als Gottessohn, Kyrios 
  • Das Aufhüpfen des Kindes in ihrem Schoß, des Johannes, ist Ausdruck des endzeitlichen, exstatischen Jubels über die Nähe der Geburt Christi, dem Anbruch der messianischen Friedensreiches
  • Gott schafft sich durch seinen Geist, sein Erwählungshandeln die besonderen, zeitlichen Umstände, die spirituellen Bedingungen, den Glauben Mariens, um in Christus für uns Mensch zu werden 

Dritter Adventssonntag (C) | Lk 3,1‒18 | 12.12.2021

Meister, was sollen wir tun?
Magister, quid faciemus?
(Lk 3,12)

  • Die Umkehrpredigt des Johannes konfroniert den Menschen mit seinem Unglauben, unethischen Verhalten, seiner religiösen Fehlhaltung (Lk 3,7f.)
  • Menschen ohne Ethos, ohne Solidarität, ohne Glauben sind wie „fruchtlose Bäume“, die sinnlos existieren, der eigenen Nichtigkeit verfallen (3,9)
  • Die Antwort auf die Frage „Was sollen wir tun?“ lautet „Ändert euch!“, jeder soll gerecht handeln, das Seine tun, das gottlose Leben aufgeben
  • Das Trennen der »Spreu vom Weizen« (3,17) meint Gottes Gericht, die ausgleichende Wahrheit, welche »Gut« und »Böse« unterscheidet
  • Christus ist die Gerechtigkeit in Person, am »Ja« oder »Nein« zu seiner Weisung entscheidet sich das spirituelle Geschick des Menschen

Zweiter Adventssonntag (C) | Lk 3,1‒6 | 5.12.2021

Bereitet dem Herrn den Weg!
Parate viam Domini!
(Lk 3,4)

  • Der Evangelist Lukas nennt politische, religiöse Machthaber, um die geschichtliche Dimension der Offenbarung aufzuzeigen (Lk 3,1f.)
  • Mit Johannes dem Täufer beginnt eine neue Heilszeit, die sich in der Verkündigung, den Worten und Taten, dem Geschick Christi vollendet
  • Johannes ruft zur Umkehr auf, wer dem kommenden Messias nicht durch Läuterung den Weg bereitet, verspielt seine Existenz (3,17)
  • Das Gerademachen der »Königsstraße« (Jes 40,3) meint Beseitigen von allem, was konkret, spirituell den »Neuen Exodus« hindert (51,10)
  • Jesus Christus ist der »Exodus« in Person, Gottes befreiendes, erlösendes Handeln, um dem Menschen neuen Anteil an Gott zu schenken 

Erster Adventssonntag (C) | Lk 21,25-28.34-36 | 28.11.2021

Wacht und betet allezeit.
Vigilate itaque omni tempore orantes.
(Lk 21,36)

  • Die »Adventszeit« mahnt zur Besinnung auf das Weltende, Ziel der zeitlichen Schöpfung, welches in eins fällt mit dem endgültigen Anbruch der Gottesherrschaft, mit dem Weltgericht, der Wiederkunft Christi
  • In Gottes Ewigkeit sind der Tod Abrahams, Kreuzestod Jesu, meine Todesstunde, der Tod aller Menschen, die Auflösung des Kosmos und Menschwerdung Christi, die Gottesgeburt, ein einziges ewiges »Jetzt«
  • Alles, was ohne Gott geschieht, fällt ins Nichts, alles, was in Christus, aus der Wahrheit gemäß seiner »Worte« geschieht, vollendet sich, wenn der Tod die äußere Gestalt auflöst, in der Fülle Gottes zu ewigem Leben  
  • Die Geschichte der Menschheit entscheidet sich nicht durch Machbarkeit, Zufall oder Schicksal, sondern an ihrem existentiellen »Ja« oder »Nein« zur Wahrheit Christi, sie ist Maßstab, Prinzip und Weg zum Sein in Gott 
  • Ohne Verbindung mit Gottes Geist, ohne Gespür für das Wahre, Gute, Ewige wird der Mensch nicht fähig sein, seine technische Macht sinnvoll zu gebrauchen, steht er in Gefahr sich selbst und diese Erde zu zerstören 

>> Symbolik Adventskranz