meditation

Christkönigssonntag (C) – 34. Sonntag im Jahreskreis | Lk 23,35-43 | 24.11.2019

Dann hilf dir selbst!
Salvum te fac!
(Lk 23,37)

  • Christus ist der »König« des Friedens, trägt die Dornenkrone 
  • Der tiefste Schmerz ist die Verhöhnung Gottes in seiner Person 
  • »Gott« wird von Sündern getötet, an ihrer Stelle schuldig erklärt
  • Die Auferstehung erhöht den Gekreuzigten zum Weltenrichter 
  • Christi Weisheit, Liebe wird zum Maßstab jeder Gottesbeziehung  

33. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 21,5-19 | 17.11.2019

Ich werde euch die Worte und Weisheit eingeben.
Ego dabo vobis os et sapientiam.
(Lk 21,15)

  • Die Endzeitrede Jesu ist Prophetie, Mahnung, Weisung, Trost für die unschuldig verfolgte, an Gott zweifelnde Gemeinde
  • Endgericht, Wiederkunft Christi sind gewiß, wann die Apokalypse eintritt, bleibt Geheimnis von Gottes Geduld, seiner Vorsehung
  • Gottes Eingreifen in die Geschichte befreit die Menschheit aus ihrer unumkehrbaren Gottesferne, innerweltlicher Ausweglosigkeit
  • Katastrophen, Irrlehren, Krieg, Verfolgung provozieren Entschiedenheit, Umkehr, Gelassenheit, absolute Hoffnung, Erleuchtung
  • Glaubensmystik, Wachsamkeit, Meditation, Nüchternheit, Gemeinschaft, das Kreuz Christi geben spirituellen Schutz in der Verfolgung

32. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 20,27-38 | 10.11.2019

Kein Gott von Toten, sondern von Lebenden.
Deus non est mortuorum sed vivorum. 
(Lk 20,38)

  • Die »Saddzuäer« als wertkonservative, realpolitisch, kultisch orientierte, elitäre Priesteraristokratie stehen jenseitigen, prophetischen, messianischen Zukunftserwartungen ablehnend gegenüber
  • Als von Gott erwählte "Kaste" erfüllt sich ihre Fortexistenz in ihrer Nachkommenschaft, priesterlich-kosmischen Funktion am Jerusalemer Heiligtum, dem Tempelstaat
  • Die ironische Fangfrage (20,29ff.) will den Glauben an die »Auferstehung der Toten« ad absurdum führen, leugnet die leibliche, verklärte, personale Vollendung nach dem Tod
  • Die Geschichte von sieben Brüdern, die nacheinander sterben, jeweils der folgende Bruder gemäß Leviratsehe (Dtn 25,5) die Frau seines toten Bruders heiratet, will Jesu Verkündigung lächerlich machen
  • Seine Antwort konfrontiert die Sadduzäer, den weltlichen Menschen, mit seiner antispirituellen Haltung, er projiziert ichverhaftet, materielle, tote Vorstellungen auf die Transzendenz Gottes

31. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 19,1-10 | 3.11.2019

Ein Sohn Abrahams.
Filius Abrahae.
(Lk 19,10)

  • »Abraham« ("Vater von vielen") ist Urbild des Glaubens, spirituell »Vater« aller Glaubenden (Gen 17,5)
  • Jeder Mensch ist ein »Sohn Abrahams«, der auf Gott um Gottes willen vertraut, den »Weg des Glaubens« geht (Röm 4,12)
  • Der Heilige Geist (Urbild), der Abraham erfüllte, zeugt wie einen »Sohn« (Abbild) den Glauben, macht gerecht (Gen 15,6)
  • »Zachäus« ("Gerechter") zeigt die Universalität des Glaubens, der religiöse, konfessionelle, rituelle Grenzen transzendiert
  • Die Zeugung des Glaubens ist eine Art gnadenhafte »Gottesgeburt« in der Seele des Gerechten (Joh 1,13)

Allerheiligen (ABC) | Mt 5,1-12 | 1.11.2019

Denn sie werden Gott schauen.
Quoniam ipsi Deum videbunt.
(Mt 5,8)

  • Das »Innere Auge« vermag Gott zu schauen
  • Der Glaube ist das geistige Auge der Seele
  • Je lauterer der Glaube, desto mehr Heiligkeit
  • »Heilig« wird das, was Gottes Gnade vergöttlicht
  • Alle Tugend, Liebe sind göttliche Eigenschaften

30. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 18,9-14 | 27.10.2019

Gott, sei mir Sünder gnädig.
Deus, propitius esto mihi peccatori.
(Lk 18,13)

  • Der schuldbewusste »Zöllner« ist Gegenbild zum spirituellen Narzissmus, ein Vorbild für geistliche »Demut« (humilitas
  • Fehlendes Sündenbewusstsein führt zur Überheblichkeit, in ein trügerisches Selbstwertgefühl, hindert integrative Persönlichkeitsreifung
  • Erst wenn jemand erkennt, was ihm in Bezug auf Gott am meisten fehlt, kann er die Gottesfreundschaft verstehen, welche Christus bringt
  • Wer im Leben nicht einmal scheitert, aus dem wird oft auch nichts, es fehlt die Bescheidenheit, Demut, Emphatie
  • Gott bitten, dass wir immer mehr erkennen, was wir am meisten brauchen, um lebenspraktisch, psychisch, spirituell zu wachsen

29. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 18,1-8 | 20.10.2019

Allezeit beten und darin nicht nachlassen.
Semper orare et non deficere.
(Lk 18,1)

  • Die furchtlose »Witwe« ist der geistliche Mensch, der den verborgenen Gott unerschütterlich, beharrlich, unablässig in allen Dingen sucht
  • Der rücksichtslose »Richter« symbolisiert im Horizont einer kollektiven Gottesferne den geistigen Widerstand gegen Gott, den es zu meistern gilt
  • Im gesellschaftlichen Klima der Anonymität, Entfremdung, Absurdität, Funktionalisierung, Angst erscheint das Gebet zu Gott sinnlos
  • Der »Glaube« (fides) muss mystische Tiefe gewinnen, um die subtilen Anfechtungen des Nihilismus spirituell überwinden zu können
  • Ein kontemplatives Schweigegebet ist der Weg, welches sich aus dem Seelengrund Gott unmittelbar, bildlos als »Geheimnis« (mysterium) zuwendet

28. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 17,11-19 | 13.10.2019

Dein Glaube hat dir geholfen.
Fides tua te salvum fecit.
(Lk 17,19)

  • Der »Aussätzige« gilt gemeinhin als gottgestraft (Dtn 28,35), wird aus der Gemeinschaft ausgestoßen (Lev 13,45) 
  • Er ist nicht moralisch, vielmehr kultisch »unrein« (immundus), von gottfremden, negativen Energien belastet
  • Es ist ein faktisches Hindernis mit Gott, dem »reinen Geist« (intellectus purus), in Kontakt, Beziehung treten zu können
  • Christus heilt nicht durch magische Riten, vielmehr durch »Glauben« (fides) in der Kraft des Heiligen Geistes
  • Der Mensch wird vor Gott »rein« (mundus) durch Umkehr, Glauben, Selbstliebe, lautere Gesinnung, Dankbarkeit

27. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 17,5-10 | 6.10.2019

Nur so groß wie ein Senfkorn.
Fidem sicut granum sinapis.
(Lk 17,6)

  • Das »Senfkorn« ist 1 mm groß, wird ein hoher Strauch bis zu 3 m
  • Es meint den »Glaubensanfang« (initium fidei) als existentielles Wunder
  • Im Glauben ist die göttliche Fülle, Gottes Reich potentiell enthalten
  • Er ist eine geistige Energie, Wirkung des Heiligen Geistes, Gnade Gottes
  • Je mehr unmittelbares Vertrauen in Gott, desto mehr spirituelle Kraft 
     

26. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 15,19-31 | 29.9.2019

Er wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen.
Portaretur ab angelis in sinum Abrahae.
(Lk 16,22)

  • Der Name »Lazarus« (El‘âzâr) bedeutet "Gott hat geholfen"
  • Wer gerecht lebt, hat keine Garantie nicht Unrecht zu erfahren
  • Christus, der Gerechteste, hat für uns größtes Unrecht erduldet
  • Unschuldiges Leiden ist keine Strafe, vielmehr Mitleiden mit Christus 
  • Nach dem Tod wirkt Gottes ausgleichende, beseligende Gerechtigkeit 

25. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 16,1-13 | 22.9.2019

Ich weiß, was ich tun muß.
Scio quid faciam.
(Lk 16,4)

  • Weltliche »Klugheit« (prudentia) rettet den unehrlichen »Verwalter«
  • Religiösität ohne gesunden Menschenverstand führt ins Unglück
  • Spirituelle Weisheit hilft, alles angemessen auf Gott zu beziehen
  • Wir sollen alle Dinge so gebrauchen, dass sie Gottes Willen entsprechen
  • Kluger Umgang mit weltlichen Dingen ist geistliches Leben im Alltag

24. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 15,1-32 | 15.9.2019

Freut euch mit mir.
Congratulamini mihi.
(Lk 15,6)

  • »Drachme«, »Schaf« sinnbilden den Ungerechten, der Gott verloren hat
  • Gott sucht in Christus alle, die fern von ihm sind, gottvergessen leben
  • Die Gegner des Evangeliums halten selbstgerechte, rituelle Distanz 
  • Besser-sein-Wollen vor Gott führt zu spiritueller Konkurrenz, Mißgunst 
  • »Umkehr« (metánoia) wirkt neues Einssein mit Gott, spirituelle Freude

23. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 14,25-33 | 8.9.2019

Wenn einer von euch einen Turm bauen will.
Quis enim ex vobis volens turrem aedificare.
(Lk 14,28)

  • Jesus verkündet radikale Freiheit vom Haben, Anhaften an Dingen
  • Nachfolge Christi ist ein Risiko, niemand soll ungeprüft nachfolgen
  • Der zu Ende gebaute »Turm« meint die bewährte Jüngerschaft
  • Um Gott ganz zu finden, muss der Mensch sich Gott übereignen
  • Seele, Leib, alle Gaben, allen Besitz soll er als geliehen betrachten

22. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 14,1.7-14 | 1.9.2019

Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Qui se humiliat, exaltabitur.
(Lk 14,11)

  • Der »Platz« ist richtig, welcher göttlicher Fügung entspricht, Gott durch achtsames Verhalten die »Ehre« gibt
  • Selbsterkenntnis, Selbstliebe, Selbstkritik schützen vor Abwertung und falschem Lob durch Menschen
  • Klerikales Geltungsbedürfnis, laikale Anmaßung, pastoraler Rollenneid schaden dem Leben der Kirche
  • Spirituelles Gesetz: »Hochmut« straft sich selbst, da er das latente Minderwertigkeitsgefühl vertieft, in dem er wurzelt
  • Christliches Bildungsideal ist die gottvertraute, selbstbewusste, bescheidene, gelassene, kluge Persönlichkeit

21. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 13,22-30 | 25.8.2019

Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen.
Contendite intrare per angustam portam.
(Lk 13,24)

  • Jesu Bildwort von der »Tür« meint den Zugang zum Reich Gottes
  • Der Zugang ist »eng«, weil dazu Glaube notwendig ist (Mt 7,13f.)
  • "Hinter" der Tür liegt ein Raum von Freiheit, Leben, Freude in Gott 
  • Keine selbsternannte, religiöse Elite hat Anspruch, Chance auf Einlass
  • Entscheidend ist die Annahme des Evangeliums im Hier und Jetzt

20. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 12,49-53 | 18.8.2019

Nicht Frieden, sondern Spaltung.
Non pacem, sed separationem.
(Lk 12,51)

  • Das Gottesbewusstsein Christi ist unüberbietbar
  • Christus ist der geistliche Maßstab aller Dinge
  • An der Person Christi scheiden sich die Geister
  • Im Licht des Evangeliums erkennen wir den Weg
  • Der Friede in Christus hat viele weltliche Feinde

19. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 12,32-48 | 11.8.2019

Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Ubi thesaurus vester est, ibi et cor vestrum erit.
(Lk 12,34)

  • »Herz« meint die Personmitte, ihr Streben nach wahrem Glück
  • Ich werde das, was mein »Herz« zuerst ersehnt, liebt, erstrebt 
  • Interesse allein am Materiellen bindet an den sterblichen Leib
  • Liebe zur Weisheit befreit von "weltlicher Traurigkeit" (2 Kor 7,10)
  • Streben nach Gott überbildet die Gerechten mit ewigem Leben

18. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 12,13-21 | 4.8.2019

Der Sinn des Lebens besteht nicht darin.
Vita non est ex his.
(Lk 12,15)

  • Ohne freien Atemfluss kein integratives Leibbewusstsein
  • Ohne ganzheitliche Leiberfahrung keine lautere Sinnlichkeit
  • Ohne vertiefte Sinneswahrnehmung keine wesentliche Erkenntnis  
  • Ohne intuitive Wesensschau kein tröstliches Werterleben
  • Ohne liebende Transzendenzerfahrung kein verspürter Lebenssinn

17. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 11,1-13 | 28.7.2019

Wer sucht, der findet.
Qui quaerit, invenit.
(Lk 11,10)

  • Christus ist aufgrund seines gottmenschlichen Bewusstseins, seiner wesenshaften Gottunmittelbarkeit, einmaligen Transzendenzerfahrung, spirituellen Weisheit ein Meister des Gebets 
  • Dabei lehrt er keine bestimmte Gebetsmethode, Meditationsweise, geistliche Übung (exercitia spiritualia), sondern läßt jedem Menschen die Freiheit, eine für ihn geeignete, zeitgemäße Praxis zu wählen
  • Im Zentrum steht seine Einweisung in die rechte Grundhaltung bei jeder Art von spiritueller Übung, die Aufhebung von mentalen Hindernissen durch falsche Gottesbilder, ichhafte Intentionen, religiöse Ängste
  • Nur durch vorbehaltloses Gottvertrauen (Glaube), unablässige Gottsuche (Beharrlichkeit), geistliche Armut (Demut), Gelassenheit (Indifferenz), Zweckfreiheit (simplicitas cordis) wird eine Methode fruchtbar
  • Wer sich Gott mit solch einer Innerlichkeit »unmittelbar« (sine medio), »ohne Unterlaß« (sine intermissione) zuwendet, der hat das Wesentliche, Zugang zu Gottes Geist, bereits in dieser Hinkehr zu Gott empfangen  

16. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 10,38-42 | 21.7.2019

Maria hat das Bessere erwählt.
Maria enim optinam partem elegit.
(Lk 10,42)

  • Die beiden Frauen, welche Jesus als Gast aufnehmen, sinnbilden zwei Grunddimensionen christlicher Spiritualität, die zusammengehören, sich gegenseitig ergänzen und vertiefen 
  • »Marta« symbolisiert das »Tätigsein« (actio), die aktive Erfüllung des Willen Gottes im äußeren Tun, Engagement für andere, Handeln im Alltag und beruflichen Arbeiten  
  • »Maria« steht für die innere »Beschauung« (contemplatio), die passive Empfänglichkeit für Gottes Wort, Einkehr des Geistes, Schriftbetrachtung, Meditation
  • Pädagogisch besitzt die »contemplatio« den Vorrang ("das Bessere"), denn spirituelle Erkenntnis, Sammlung, Innerlichkeit sind das Fundament gelassenen Handelns
  • Spirituelles Bildungsideal ist die Einheit beider Aspekte in einer  kontemplativen, weltzugewandten Persönlichkeit, Gebetspraxis und Lebensform (aktive Indifferenz)

15. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 10,25-37 | 14.7.2019

Was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
Quid faciendo vitam aeternam possidebo?
(Lk 10,26)

  • Die Konfronation mit dem »Tod«, Sehnsucht nach »ewigem Leben« (vita aeterna), unverbrüchlicher, wahrer Vollendung, Fortdauer unseres Seins ist oftmals Anstoß zu bewusster Gottsuche
  • Zahllose Menschen leben selbstvergessen, ans leere »Nichts« verfallen, ohne jemals ernsthaft die Frage nach Sinn und Ziel, nach Gott als »Geheimnis« (mysterium) ihres Lebens zu stellen
  • Persönliche Fehlhaltungen, erfahrenes Unrecht, materielle Armut, fehlende Bildung, ideologischer Zeitgeist, seelische Ängste, geistloser Kirchenbetrieb, religiöse Ahnungslosigkeit verhindern die spirituelle Sinnsuche
  • Ewiges Sein ist immer göttliches Sein, denn nur Gott ist ewig. Wahrer Sinn, ewiges Leben, erschließt sich in absichtsloser, zweckfreier »Liebe« (caritas) zu Gott und dem Nächsten
  • Durch den Geist der Liebe, welcher uns im Glauben ergreift, sind wir mit Gottes ewigem Sein übernatürlich verbunden. Daher lässt alle echte Lebenslebendigkeit, Zuwendung und Liebe den Trost göttlichen Lebens verspüren

14. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 10,1-12.17-20 | 7.7.2019

Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.
Videbam Satanam sicut fulgur de caelo cadentem.
(Lk 10,18)

  • Der »Widersacher« (Satan) ist der Verkläger des Menschen vor Gott (Hiob 1,6f.) 
  • Die Vision Christi ist ein Ausdruck seiner absoluten Gottunmittelbarkeit 
  • Jesu Gottesbewusstsein entmachtet essentiell die Sündenmacht 
  • Die Unheilskraft des »Nichts« wird in der Person Jesu Christi überwunden
  • Christi Vision bezeugt die mystische, innere Erfahrung des Reiches Gottes
  • Sie wirkt Befreiung von Gewissensanklage, Selbstabwertung, Selbsthass

13. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 9,51-62 | 30.6.2019

Der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Filius autem hominis non habet, ubi caput reclinet.
(Lk 9,58)

  • Christus ist der »Menschensohn« (filius hominis), als prophetischer Messias der Repräsentant der Königsherrschaft Gottes, des endzeitlichen Friedensreiches (Dan 7,13) 
  • Er ist der universelle, ewige Stellvertreter der Menschheit vor Gott, zugleich der gottmenschliche, geschichtliche Stellvertreter, Offenbarer Gottes, unter den Menschen
  • Um für die Verkündigung des Evangeliums, seinen spirituellen Auftrag, frei zu sein, verzichtet Jesus auf soziale Bindungen und Macht. Wie Buddha geht er in die »Hauslosigkeit« (pravrajyâ)
  • Jesus teilt die existentielle Einsamkeit des Menschen, welcher in dieser entfremdeten Welt niemals die endgültige Erfüllung seiner Sehnsucht, Heimat findet
  • Echten Trost zu geben, psychologische Empathie, fruchtbare Pastoral hat zur spirituellen Voraussetzung, dass der Mensch seine Einsamkeit in Gott angenommen hat  

12. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 9,18-24 | 23.6.2019

Als Jesus in der Einsamkeit betete.
Et factum est cum solus esset orans.
(Lk 9,18)

  • Jesus von Nazareth findet seine spirituelle Identität in Schriftkenntnis, Einsamkeit, Gebet, Begegnung, unmittelbarer Gotteserfahrung 
  • Jede/r steht heute vor der Aufgabe, ihre/seine Weise des Betens, der spirituellen Bildung, Form des geistlichen Lebens zu finden
  • Um die Krise der Kirche produktiv verarbeiten zu können, ist ein hohes Maß an spiritueller Selbständigkeit notwendig 
  • Es sollte eine Spiritualität gewählt werden, die auf Selbsterkenntnis, Leibbewusstsein, Kontemplation, geistlichen Austausch angelegt ist 
  • Für die Sammung des Geistes, den Rückhalt in Anfechtungen, die Erdung der Erfahrung, ist ein Meditationssitz hilfreich

Hochfest des Leibes und Blutes Christi (C) | Lk 9,11-17 | 20.6.2019
Fronleichnam

Und alle aßen und wurden satt.
Et manducaverunt et saturati sunt omnes.
(Lk 9,17)

  • Die »Eucharistiefeier« ist eine Art "geistliche Summe" der Heilsereignisse von Christi Menschwerdung (Weihnachten), Worten und Taten (Evangelium), Kreuzestod (Karfreitag), Auferstehung (Ostern) und Wiederkunft (Parusie). Sie ist deren liturgische, symbolhafte, wirksame, rituelle Vergegenwärtigung im Heiligen Geist (Mysteriengegenwart) – 
    Je weniger Glaubensbildung, mystagogische Predigt, modernes Bewusstsein, persönlicher Gemeindebezug, symbolisches Gespür, spirituelle Form, desto entfremdeter der Gottesdienst
    Glaubensmystik als zeitgemäße Spiritualität
  • Hauptwirkung der Eucharistie ist die sakramentale Vereinigung mit Christus im Kommunionempfang (unio sacramentalis), die kirchliche Einheit der Gläubigen als Glieder des »mystischen Leibes Christi« (corpus Christi mysticum), die Vertiefung der spirituellen Gemeinschaft. Sie bewirkt Sammlung, Aufbau und Sendung der Gemeinde (Mission) –
    Je größer die fusionierten Seelsorgebereiche, Priesterzahl ohne lokale Leitungsaufgabe, das Lückenfüllen mit Hilfspriestern, der klerikal-laikale Funktionalismus, desto desintegrativer die sonntägliche Liturgie
    ► Einheit von Eucharistievorsitz und Gemeindeleitung
  • Die Eucharistie nährt das übernatürliche, geistliche Leben (vita spiritualis), überträgt geistige, göttliche Kraft auf die Person, welche an Christus glaubt (effectus spiritualis). Sie läutert, formt die Seele, vermehrt Glaube, Liebe, alle Tugend, vertieft die spirituelle Identität, erfüllt sich in einer mystischen Gotteinung (unio mystica) –
    Je mehr Unregelmäßigkeit, Wechsel, Vielzahl an Zelebranten, Messen hintereinander, Orten, Zeiten, Riten, Liedprogramm, Sammelsurium in Kirchenräumen, Sakristeien, desto unfruchtbarer der Gottesdienst
    Kontemplative Liturgie setzt natürliches Leben voraus
  • »Geistliche Kommunion« (manducatio spiritualis), das Verlangen nach der Einung mit Gott in der Eucharistie, und ihr »sakramentaler Empfang« müssen eine innere Einheit bilden. Ohne Gottvertrauen, Umkehrwillen, Glaube, Bekenntnis, geistliches Leben, Andacht, Ehrfrucht, Ritentreue bleibt die Kommunion weithin spirituell unfruchtbar –
    Je mehr Volkskirchenprogramm, Wellness-Gott-Mentalität, Event-Liturgien, neokonservativer Ritualismus, Sonder-Eucharistiefeiern, Überhäufung mit Messintentionen, Aktivismus, desto geistloser der Gottesdienst
    Psycho-spirituelle, mystische Glaubensvertiefung
  • Mitfeier der Liturgie, Glaubenswissen, Sammlung des Geistes, Gebetsübung, Tugendhaftigkeit, Gebetshaltungen, Selbsterfahrung, geistliche Gemeinschaft, liturgischer Gesang, Mitvollzug der Riten, Schriftbetrachtung, stilles Gebet nach der Kommunion, Einfachheit, Sinnlichkeit, Schönheit, Stille, Nüchternheit, Regelmäßigkeit machen die »Eucharistie« fruchtbar –
    Je weniger Interesse an Glaubensfragen, Spiritualität und Mystik, Unterscheidungsgabe, psychologische Einsicht, kontemplative, sakrale Atmosphäre, Katechese-/Meditationsräume, ästhetische Kirchen, desto trostloser die Liturgie
    ► Geistlicher Mensch als Basis jeder Kirchenreform

Dreifaltigkeitssonntag (C) | Joh 16,12-15 | 16.6.2019

Alles, was der Vater hat, ist mein.
Omnia, quaecumque habet Pater, mea sunt.
(Joh 16,15)

  • Die geistigen Seelenkräfte der Psyche (potentiae animae), »Gedächtnis (memoria), »Verstand« (intellectus) und »Willen« (voluntas) spiegeln die göttliche »Dreifaltigkeit« (Trinität). 
  • Der Mensch als geschaffenes »Ebenbild Gottes« (imago Dei) sinnbildet im Licht der Offenbarung in Christus das Geheimnis der Dreieinigkeit und Dreifaltigkeit Gottes
  • Die drei Seelenkräfte symbolisieren die drei »Personen« (Hypostasen) der Dreifaltigkeit, »Vater« (Gedächtnis), »Sohn« (Verstand) und »Geist« (Willen), die Einheit der drei Kräfte in der einen Seele das eine göttliche Wesen (Gottheit)
  • Durch die »Glaubensgnade« (gratia fidei) nimmt Gott Wohnung im »Seelengrund« (abditum animae), erfüllt die Seelenkräfte im Wirken mit »Glaube« (Vater), »Hoffnung« (Sohn) und »Liebe« (Geist)
  • Vater, Schöpfer meiner Seele, erleuchte mein »Gedächtnis«. Christus, Erlöser meiner Seele, erleuchte meinen »Verstand«. Heiliger Geist, Tröster meiner Seele, erleuchte meinen »Willen«

Pfingstmontag (C) | Joh 3,16-21 | 10.6.2019

Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht.
Qui autem facit veritatem, venit ad lucem.
(Joh 3,21)

  • In deinem Licht schauen wir das Licht (Ps 36,10)
  • Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm (1 Joh 1,5)
  • Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt (Joh 1,9)
  • Wer mir nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben (Joh 8,12)
  • Ich bin das Licht der Welt (Joh 12,46)
  • Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor (Eph 5,9)

Pfingsten am Tag (C) | Joh 14,15-16.23-26 | 9.6.2019

Der Heilige Geist wird euch alles lehren.
Spiritus Sanctus ille vos docebit omnia.
(Joh 14,26)

  • Im »Heiligen Geist« (Leben) erschafft, erhält der »Vater« (Schöpfer) durch den »Sohn« (Ebenbild), in dem als allumfassender »Logos« (Urwort) alle Wesen als Schöpfungsideen vorgebildet sind, den Menschen im Sein. Die menschliche Seele, ihre Dreiheit von »Gedächtnis« (Vater), »Verstand« (Sohn) und »Willen« (Geist), ist ein geistiges »Abbild« (imago Dei) des dreifaltigen Gottes 
  • Der Heilige Geist wirkt die Menschwerdung des »Sohnes« (Inkarnation), inspiriert die Worte und Taten Christi (Evangelium), verwirklicht die Auferweckung des Gekreuzigten (Ostererscheinungen), bestätigt ihn als Herrscher über das All (Himmelfahrt), stiftet die Kirche als Glaubensgemeinschaft (Pfingsten)
  • Er bewirkt die Bekehrung des Sünders (metanoia), gießt das »Glaubenslicht« ein (lumen fidei), schenkt das Verspüren von Gottes Gegenwart (Trost), dynamisiert die Glaubensreifung, das Wachstum in den Tugenden (Gelassenheit), vertieft das Gebet (contemplatio), eint die Seele mit Gott (unio mystica)
  • Der Heilige Geist weckt, erleuchtet, formt die höheren Seelenkräfte von »Gedächtnis« (Selbstbewusstsein), »Verstand« (Selbsterkenntnis) und »Willen« (Selbstgegebenheit), dass die Person unmittelbarer, ganzheitlicher auf Gott ausgerichtet wird, darin auch Leiblichkeit, Sinne integriert, ihre spirituelle Identität findet
  • Er schenkt Beharrlichkeit« (perseverantia), um Anfechtungen, Leiden und die kollektive Gottesferne leiblich, psychisch, geistig durchzustehen (Dunkle Nacht), dies als geistige Läuterung zu mehr Gottvertrauen, Selbstlosigkeit und Gelassenheit anzunehmen. Der Geist vergeistigt, festigt den Glauben, bildet mystisches Bewusstsein

Pfingsten am Vorabend – Pfingstvigil (ABC) | Joh 7,37-39 | 8.6.2019

Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt.
Si quis sitit, veniat ad me et bibat, qui credit in me.
(Joh 7,37f.)

  • Wer glaubt, der ist im Glauben, da der Glaube spirituelle, Wirkung des »Heiligen Geistes« ist (Spiritus Sanctus), von Gottes Geist erfüllt. Der Geist verbindet den Menschen mit Gottes Wirklichkeit und Leben
  • Der Heilige Geist (Innesein) als dritte Person der Dreifaltigkeit ist der Geist der Liebe (Wir), welcher vom »Vater« (Schöpfer), der ersten Person (Ich), und dem »Sohn« (Logos), der zweiten Person (Du), ausgeht und beide im Geist miteinander verbindet
  • Der Geist der »Liebe« (Röm 5,5) ist das dynamische Prinzip des Einsseins in Unterschiedenheit, der differenzierten Identität, Freiheit im Willen Gottes, komplementären Integration
  • Die göttliche Einungsenergie unterstützt die individuelle Persönlichkeitsbildung, therapeutische Prozesse, vertieft die psycho-spirituelle Integration der Lebensgegensätze:
    • Leiblichkeit und Seele
    • Intellekt und Gefühl
    • Aggression und Güte
    • Sexualität und Liebe
    • Autonomie und Demut
    • Vertrauen und Wissen
    • Meditation und Tätigsein
  • Gottes Geist wirkt eine wechselseitige Durchdringung der Gegensätze, dass sie sich fruchtbar ergänzen, ausgleichen. Es ein spiritueller Reifungspozess, in dem Differenzierung und Einfachsein miteinander wachsen

7. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 17,20-26 | 2.6.2019

Sie sollen eins sein, wie wir eins sind.
Ut sint unum, sicut nos unum sumus.
(Joh 17,22)

  • Gott ist der »Eine« (Röm 3,30). Das Einsein mit Gott (unio cum Deo), uns selbst (Identität), rechtem Handeln (Tugend), dem/der Anderen (Liebe), der Menschheit (Frieden), der Natur (Vitalität) und dem Kosmos (Universalität) ist die spirituelle Bestimmung unseres Lebens
  • Je mehr der Mensch von Gott, seinem Selbst, entfremdet, getrennt ist, desto stärker ist er den Leidenschaften seiner Seele ausgesetzt. Umso mehr fehlt ihm die Erkenntnis und Kraft, sich in allen Dingen eindeutig auf Gott, das Wahre, Gute und Schöne zu beziehen
  • Durch den Glauben erhält der Mensch spirituell Anteil am Mit-Gott-Eins-Sein Christi, der Einheit zwischen »Vater« (Schöpfer) und »Sohn« (Logos) im »Heiligen Geist« (Liebe). Seine Existenz ist mit Christus "verborgen in Gott" (Kol 3,3). Er wird »eins« im »Einen«, durch den Geist der Einheit
  • Nur das Erfülltsein vom Geist Christi, die Erfahrung göttlichen »Trostes« (consolatio), vermag die existentielle Entfremdung, Sehnsucht im Kern zu beruhigen, zu läutern und zu stillen. Alles, was die Berührbarkeit, Offenheit für das Wirken des Geistes fördert, mildert unsere Einsamkeit, eint uns 
  • »Einfachheit« (simplicitas cordis) ist eine Grundwert christlicher Spiritualität (Mt 5,8/6,22). Um sich mit Gott, dem »Einen« (Dtn 6,4), mehr verbinden zu können, ist eine seelische, religiöse, praktische Vereinfachung des Lebens für mehr Sammlung, Abgeschiedenheit und Ruhe nötig. Wir finden Gott darin, wo wir Gott gleichen

Christi Himmelfahrt (C) | Lk 24,46-53 | 30.5.2019

Ihr seid Zeugen dafür.
Vos estis testes horum.
(Lk 24,48)

  • Durch die »Himmelfahrt« (40. Tag nach Ostern) wird der Auferstandene in seiner leibhaftigen Erscheinungsweise endgültig den Zeugen/innen der Passions- und Osterereignisse entzogen. Damit sind sie gerufen, nun selbst stellvertretend die Erlösung in Christus zu bezeugen. Dies sinnbildet den spirituellen Reifungsschritt von einer persönlichen Glaubenserfahrung hin zu einer universellen Zeugenschaft im Dienste des Evangeliums
  • Christus hat eine unauslöschliche, geistige »Spur« in der Geschichte der Menschheit hinterlassen, hat ihr eine neue Dimension eingestiftet: seine Gottunmittelbarkeit, seine Weisheit, das Evangelium, seine Kreuzesliebe, die Ostervisionen, seine Prophetie, die Glaubensgemeinschaft, welche seine Botschaft weitersagt. Dies als befreiende, verwandelnde, provozierende Erinnerung 
  • Heilsgeschichtlich bedeutet »Himmelfahrt« den Abschluss des irdischen Wirkens Christi durch seine »Entrückung« zu Gott, die Inthronisierung in Gottes Herrlichkeit. Der gekreuzigte Christus wird – alle kosmischen Seinsbereiche, geistlichen Stufen transzendierend – "zur Rechten des Gottes" erhoben (Lk 22,69). Er wird als Herrscher über das All (Eph 4,10), Weltenrichter (Mt 25,31) und Fürsprecher bei Gott (Röm 8,34) eingesetzt, damit allgegenwärtig: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20) 
  • Der transzendente, stufenweise »Aufstieg« des Gekreuzigten (Ascensus Domini) zu Gott ist wesentliche Voraussetzung der Sendung des göttlichen Geistes (Pfingsten), Allgegenwart des Geistes Christi (Reich Gottes) und Wiederkunft Christi als Weltenrichter am Ende der Zeiten (Parusie). Im spirituellen Sinne meint sie die gnadenhafte Erhöhung des Glaubenden zu Gott, die Einung unserer geschaffenen Menschennatur mit der ewigen Gottheit (Logos), Teilhabe in Christus an Gottes Seligkeit, ist sie Zusage der Wirklichkeit unmittelbarer Gotteinung (unio mystica), in verklärter Leiblichkeit, personaler Vollendung
  • Die »Erhebung« (elevatio) des Auferstandenen in den »Himmel«, Gottes Sein als absolute Transzendenz, ist inneres Wesensmoment des heilsgeschichlichen Weges Christi. Dieser bildet einen Kreislauf göttlich-menschlichen Lebens, wirkt die spirituelle Reintegration des Geschöpfs in Gott: 1. Präexistenz Jesu im Logos (Trinität), 2. Menschwerdung des Logos (Weihnachten), 3. Verkündigung in Wort und Tat (Evangelium), 4. Kreuzestod (Karfreitag), 5. Abstieg ins Totenreich (Karsamstag), 6. Auferstehung (Ostervisionen), 7. Entrückung zur »Rechten Gottes« (Himmelfahrt), 8. Geistsendung (Pfingsten) und 9. Wiederkunft in Herrlichkeit (Weltgericht)

6. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 14,23-29 | 26.5.2019

Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück.
Vado et venio ad vos.
(Joh 14,28)

  • Das Bild der irdischen »Pilgerschaft« (status viatoris), welche sich mystisch, wenn der Mensch »im« Glauben das Tor des Todes durchschritten hat (transitus), in Gottes Lebensfülle vollendet (visio beatifica), hat für viele seine religiöse Aussagekraft verloren. Sie gehen, wo und wie sie gehen, ohne übergeordnetes, spirituelles Sinnziel
  • Der Mensch ohne Gott erleidet sein Dasein als richtungslos, diffus, von Materiellem, Idiologien, sozialen Anforderungen und Funktionalismus fremdbestimmt. Am Ende droht das »Nichts«, seine Biografie wird vom Tod gleichsam wie eine Datei von der Festplatte gelöscht
  • Ob gut, mittelmäßig oder böse, das Todesgeschick, das nichtende »Nichts« (nihil), schaltet alle gleich. »Im« Nichts gibt es nichts. Von Anfang an war alles essentiell gleichgültig, ob ein Mensch vortrefflich gehandelt, banal dahingelebt oder absichtlich Böses getan hat. Kein ethischer, geistlicher Unterschied, Nihilismus
  • Die psychische Spannung von »Sein-Müssen« (Individualisierung) und »Nichts-Werden« (Todesverfallenheit) wird in einer hochdifferenzierten Gesellschaftsdynamik, wo alles immer mehr auf professionelle Persönlichkeitsmerkmale ankommt, ins Extrem gesteigert, erzeugt latente Verzweiflung, Angst, Depression, Gewalt
  • Christus sendet uns seinen »Heiligen Geist« als spirituellen Beistand, Schutz in einer nihilistischen Weltlichkeit, einer Politik des Hedonismus und der Ausbeutung. »Im« Glaubensgeist (spiritus fidei) empfängt unsere Person unmittelbare Ausrichtung auf Gottes Leben (Trost), worin die existentielle Spannung von »Sein« und »Nichts« unterfangen, gemildert wird

5. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 13,31-35 | 19.5.2019

Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Sicut delexi vos, ut et diligatis invicem.
(Joh 13,34)

  • Jesu Weisung bildet das Schlusswort des »Abendmahls«, deutet das Zeichen der »Fußwaschung« (13,1-30). In ihr verbinden sich Gelassenheit (Demut) und Lehrautorität (Vollmacht) zu einer paradoxen Geste. Sie veranschaulicht, verleiblicht das »neue Gebot« der vollkommenen Liebe. Gott gibt uns in Christus ein »Beispiel« (exemplum) seiner Nähe zum Menschen. Jesu Worte, Taten sind Vorbild lauterer Selbst-, Nächsten- und Gottesliebe, offenbaren das Wesen geistlicher Liebe
  • Unglaube, Verrat, Untreue des Judas bilden den Kontrast. Er verlässt enttäuscht, verblendet den Abendmahlssaal. Es heißt dazu: "Es war Nacht" (13,30). Judas fehlt die Erleuchtung, um das Wesen der göttlichen Liebe zu erkennen. Dem Dunkel seiner Abwendung von Christus, welcher sich nicht wie von ihm erwartet als poltischer Messias gibt, vielmehr Gewaltlosigkeit, Bruder- und Feindesliebe bezeugt, steht das Lichtsein Christi in Weisheit und Liebe gegenüber: "Das Licht leuchtet in der Finsternis" (1,5)
  • Durch Kreuz und Auferstehung ist Christus für uns zur Quelle, zum Mittler und Maßstab allen Wachstums in der »Liebe« (caritas) geworden. Das Liebesgebot ist »neu«, weil es das alttestamentliche Gebot der Nächstenliebe (Lev 19,18) geistlich, ethisch überbietet. Dies im Sinne der Feindesliebe der Bergpredigt (Mt 5,43), selbstlosen Freundesliebe (Joh 15,13) und Gottunmittelbarkeit, da der Glaubende, der Christus liebt und seiner Weisung folgt, in die ewige Liebe zwischen »Vater« und »Sohn« aufgenommen ist (14,23). 
  • In der Liebe zu Christus können wir uns der Liebe Gottes gewiß sein (14,21). Nur »in« der Grundhaltung der Liebe, welche uns Christus offenbart, lehrt und vermittelt, erschließt sich die Erfahrung des unmittelbaren, persönlichen »Von-Gott- Geliebt-Seins«. Liebe ist zunächst nicht ein bestimmter affektiver Bewusstseinsakt, eine einzelne liebende Hinwendung zu göttlichen Dingen oder einem Menschen, sondern grundlegend zuerst ein geistlich-seelischer Zustand (habitus) des Liebenkönnens. Diese Befähigung ist immer auch Gnade, eine Wirkung Gottes in uns
  • Im Glauben an Christus gewinnen wir die wesenhafte Befähigung wahrhaft zu lieben. Das Doppelgebot der Liebe ist eine Weisung, welche uns existentiell verpflichtet (Mk 12,29f.), eine geistliche Tugend, damit Maßstab und Ziel spiritueller Vollkommenheit (Mt 5,48). Diese Liebe ist jedoch kein religiös verstärkter Moralismus, der unsere Freiheit und Person einengt. Sie ist anspruchsvoll, da sie Gelassenheit, Disziplin und Gottvertrauen erfordert, Bereitschaft Gottes Willen zu tun. In ihr liegt vor allem Befreiung, Erleuchtung und Seligkeit, da sie uns geistlich in Gottes Leben versetzt. Die Liebe Christi macht uns gottförmig

4. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 10,27-30 | 12.5.2019

Ich gebe ihnen ewiges Leben.
Ego vitam aeternam do eis.
(Joh 10,28)

  • In der »Hirtenrede« (Joh 10,1-39) sagt Christus: "Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden" (10,9). Wohin führt sie? In die Auferstehungswirklichkeit, die Gemeinschaft mit Gott. Das Symbol der »Tür« besagt, dass der Glaube an seine Person, Botschaft, Messianität (10,24), den Zugang zum befreiten Leben in Gott erschließt. Zentrum christlicher Spiritualität ist der Glaube an Christus. Er nennt sich "Tür zu den Schafen" (10,7). Das Bildwort von den »Schafen« meint die Menschen, welche durch Gottes Gnade (10,29) zum Christusglauben gekommen sind, darin ewiges Leben "in Fülle" empfangen (10,10) 
  • Der Glaubenszugang in Freiheit wird durch Christus geschaffen. Niemand kommt zum Glauben ohne den Geist Christi. Er bezeichnet sich als »guten Hirten« (10,11), welcher bereit ist, sein Leben für die Erlösung des Menschen einzusetzen: "Ich gebe mein Leben hin für die Schafe" (10,15). Er ist der vollkommene »Hirte«, weil er die Menschen freimütig, gewaltlos, zweckfrei im Glauben unterweist und leitet, um sie mit Gott in geistlicher Freundschaft und Liebe zu verbinden. Christus hat in seiner Person eine unmittelbare, persönliche, neue Gottesbeziehung geschaffen
  • Durch den Glauben gewinnt der Mensch Anteil am »ewigen Leben« (vita aeterna), das Christus durch Kreuz und Auferstehung gewirkt hat (10,18). Am Kreuz hat er die Gottverlorenheit der Menschheit durch seine ungebrochene, lautere Gottesliebe im Wesen geheilt, darüber hinaus den Glaubenden zur Gottesfreundschaft befähigt. Christus ist der unmittelbare Zugang zum Leben Gottes, denn in seiner Person sind Gott und Mensch geeint: "Er ist der wahre Gott und das ewige Leben" (1 Joh 5,20) 
  • Christus als das zeitlich-ewige Sein, menschgewordene Wort Gottes (Logos), ist »Ursprung« und »Ziel« (Kol 1,16f.), damit auch »Mitte« (Offb 7,17) und »Weg« (Joh 14,6) der Bewusstseinsentwicklung, Religionsgeschichte, persönlichen Biographie, allen geschöpflichen Seins. In der Auferstehung ist seine Gottunmittelbarkeit, sein gottmenschliches Sein die übernatürliche, geistige Wesensmitte aller Geschöpfe geworden, zu welcher der Glaubensgeist den Zugang verleiht. Wie durch die Auferstehung Christus Maßstab und Ziel der evolutiven Menschheitsgeschichte wurde, so wird durch das Glaubenslicht (lumen fidei) die Seele des Menschen auf die selige Anschauung Gottes ausgerichtet 
  • Im Christus-Logos öffnet, entfaltet und erfüllt sich die Dynamik des menschlichen Geistes auf die mystische Schau Gottes hin (visio beatifica). Der »Kreis« sinnbildet Göttlichkeit, Einheit, Ewigkeit, paradisisches Innesein in Gott, lauteres Bewusstsein in Weisheit und Liebe. »Ewiges Leben« meint die von Raum-Zeit befreite, beseligende, geistige Vollendung der ganzen Person mit ihrer individuellen Lebensgeschichte, in einer verklärten Leiblichkeit und kosmischen Allverbundenheit mit allen Geschöpfen im Leben Gottes  

3. Sonntag der Osterzeit (C) | Joh 21,1-19 | 5.5.2019

Du weißt, daß ich dich liebe.
Tu scis quia amo te.
(Joh 21,16)

  • Bei seiner Verhaftung sagt Jesus dreimal »Ich bin es« (18,5-8). Hier fragt der Auferstandene Simon Petrus dreimal »liebst Du mich?«. Petrus bejaht dreimal, wird von Jesus daraufhin dreimal mit dem Amt der Gemeindeleitung beauftragt (21,15-17). Dreimal hatte Petrus zuvor Jesus verleugnet (18,17-27). Die drei Fragen prüfen den durch Passionsereignisse und Ostererfahrungen gereiften Petrus, erwecken ihn zu seiner spirituellen Identität, endgültigen Berufung
  • Die Zahl »Drei« symbolisiert Anfang, Prüfung und Reife des Glaubens als Merkmale der Nachfolge. Warum fragt Jesus überhaupt, ob Petrus ihn liebe? Da er die Menschen in ihrem Wesen kennt (2,24f.), weiß er an sich bereits, dass Petrus ihn liebt, was dessen Antwort bestätigt: "Herr, du weißt alles: du weißt, daß ich dich liebhabe" (21,17). Die Pointe liegt darin, dass Jesus ihn explizit fragt, ob er ihn »mehr« liebe als die anderen Jünger (21,15), mit allen Konsequenzen, ohne falschen Eigenwillen
  • Die Leitung der christlichen Gemeinde, der Dienst an der Einheit der Kirche, die Aufgabe einer gruppenübergreifenden, organisatorischen, spirituellen Integration erfordert ein höheres spirituelles Maß an Christusbeziehung, Gottesliebe und Leidensfähigkeit (21,19). Nur wer im Geist der »Liebe« (agápê) Glaubensbildung, Integrationskraft, Unterscheidungsgabe und praktische Weltklugheit miteinander verbindet, sollte in der Gemeinde, Kirche leiten 
  • Nicht ein »Mehr« an religiösen Gefühlen, affektiver Liebe, kein gleich- oder gegengeschlechtlicher Eros ist gefragt. Es wäre verfehlt, in die Beziehung von Petrus und Jesus eine homoerotische Zuneigung oder männerbündische Mentalitäten hineinzuprojizieren. Ebenso kann nicht die naturhafte Geschlechterpolarität von Mann und Frau den spirituellen Kern der Christusbindung und -liebe ausmachen. Dies könnte nur ein anfanghaftes, psychisches Medium der persönlichen Identifikation mit Christus sein
  • Entscheidend für die Weiterentwicklung der Spiritualität, Erneuerung der Kirche und ihrer Leitungsformen wird sein, das traditionelle Nachfolgeideal (imitatio Christi) nicht mehr hauptsächlich im Horizont von gleichartig-gegensätzlichen Geschlechter- oder Genderqualitäten zu verstehen. Die Symbolik der »Gefährtenschaft« (Ritterideal), »Brautmystik« (Minne) oder »Stellvertretung« (in persona Christi) als bildhafte Formgestalt der Christusbeziehung wäre in eine geschlechtsübergreifende, glaubensmystische Nachfolge »im« Geiste zu integrieren. Christus ist als gottmenschliches »Inbild« (imago exemplaris) von Glaube, Hoffnung und Liebe (1 Kor 13,13), das »Neue Sein« (2 Kor 5,17), Gottes Weisheit, zu lieben

2. Sonntag der Osterzeit (ABC) | Joh 20,19-31 | 28.4.2019
Weisser Sonntag

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Beati, qui non viderunt et crediderunt.
(Joh 20,29)

  • Der Friedensgruss des Auferstandenen eröffnet den missionarischen Auftrag: Aufgrund der Ostererfahrungen sind die Jünger befähigt, die in Kreuz und Auferstehung verwirklichte Versöhnung von Gott und Mensch, den Frieden Christi, weiterzugeben
  • Christus ist »unser Friede« (Eph 2,14): Im Glauben gewinnt der Mensch geistlich Anteil an der Auferstehungswirklichkeit, ist er »in« Christus, in dem alle Entfremdung von Gott, Sündenmacht, jeder Streit und Haß virtuell überwunden ist 
  • Im ergriffenen Glauben an Christus wird seine Auferstehung geglaubt. Das »Glaubenslicht« (lumen fidei), welches uns den Glauben verleiht, ist das erleuchtende Ergriffensein unseres Geistes durch die Auferstehungswirklichkeit des Gekreuzigten, versetzt uns »in« das Sein Christi
  • »Thomas« zweifelt an der Realität der Auferstehung, ihm war keine Erscheinung Christi zuteil geworden. Seine Person steht mit ihrem Zweifel für unsere eigene Glaubenssituation ohne unmittelbaren, leibhaftigen Kontakt mit dem Auferstandenen 
  • Die Berührung der »Wundmale« des verklärten Geistleibes läßt Thomas die Identität des Gekreuzigten mit dem Auferstandenen erkennen, sinnbildet zugleich den Glaubensakt der meditativen Versenkung in das Geheimnis Christi, im Glauben berühren wir seinen Geistleib      

Ostermontag (ABC) | Lk 24,13-35 | 22.4.2019

Da gingen ihnen die Augen auf.
Et aperti sunt oculi eorum.
(Lk 24,31)

  • Die Jünger erkennen den auferstandenen Christus erst durch dessen eigene charismatische, exegetische Belehrung, der ihnen darlegt, dass sich an ihm, in Kreuz und Auferweckung, der prophetische, verborgene Sinn der Heiligen Schrift erfüllt hat (24,27)
  • Es eine leibhaftige, geistige Präsenzerfahrung des Auferstandenen, wobei sich die Erleuchtung der beiden Jünger, ihr Durchbruch zum Wiedererkennen Christi, bei seinem Tischsegen, dem Brechen des Brotes ereignet  
  • Das »Brennen« des Herzens besagt: Christus hat einen Geistleib, ist Liebe, welche das »Gemüt« der Jünger, den Seelengrund mit göttlicher Gegenwart, seinem Herzgeist, personalen, tröstenden Auferstehungslicht erleuchtet
  • Die Emmausgeschichte sinnbildet einen Kreislauf: Das Studium der Heiligen Schrift im Christuslicht des Glaubens vertieft die Erfahrung der Eucharistie, die bewusste Mitfeier der Eucharistie öffnet das »innere Auge« für den mystischen Sinn der Heiligen Schrift
  • Keine Erneuerung der Kirche, ohne Abschied von der werkgerechten, klerikalen Versorgungspastoral und Funktionalisierung der Eucharistie. Mystagogische Katechese, geistliches Schriftstudium, spirituelle Glaubensbildung, kontemplativer Gottesdienst, Meditation und spirituelle Psychologie sind ein Gebot der Stunde    

Ostersonntag (ABC) | Joh 20,1-18 | 21.4.2019

Ich gehe hinauf zu meinem Gott und zu eurem Gott
Ascendo ad Deum meum et Deum vestrum.
(Joh 20,17)

  • Die »Auferstehung« von den Toten ist keine Wundererzählung, Einbildung der Jüngerinnen und Apostel, bloße Glaubensvorstellung, kurzzeitige Rückkehr Jesu ins Erdenleben, unsterbliche Seele, Zwischenexistenz, Rückgängigmachung des Todes, kein Totengeist, wiederbelebter irdischer Körper
  • Jesus, der von Gott im Heiligen Geist »Auferweckte«, »Neugeschaffene«, erscheint Maria Magdalena unerwartet in einer Vision, welche zugleich eine Audition ist. Nach dem Johannesevangelium ist sie allein die erste Zeugin der Auferstehung, noch vor Petrus
  • Dies ist keine private Vision, sondern eine heilsgesichtliche, neue Offenbarung Gottes. Es handelt sich nicht um eine subjektive, mystische Erfahrung, vielmehr um eine endzeitliche, endgültige Selbstoffenbarung Gottes, ein leibhaftig-geistiges Gegenwärtigsein des auferweckten Jesus 
  • Der Gekreuzigte wird in den Ostervisionen von Gott her als bei Gott Lebender sichtbar gemacht, damit gerade aufgrund seiner Hingabe am Kreuz als Gottes Sohn, wahrer Messias, Gottes unüberbietbares, erlösendes und letztes Wort an den Menschen bestätigt 
  • Durch Glaube und Taufe wird der Mensch in seiner leiblich-seelischen Existenz gnadenhaft, essentiell in das Geheimnis von Christi Tod und Auferstehung mit hineingenommen. Es ist ein spirituelles Mitsterben und Mitauferstehen mit Christus, das uns ein übernatürliches, personales Sein in Gott verleiht (Röm 6,8)

 

Osternacht (C) | Lk 24,1-12 | 21.4.2019

Er ist auferstanden.
Surrexit.
(Lk 24,6)

  • Die Frauen am Ostermorgen sehen mit ihren Augen im natürlichen Verstandeslicht nur das »Leersein« des Grabes. Erst die Engelerscheinungen erleuchten ihren Geist, erinnern sie an die prophetische Vorhersage Jesu von seiner Auferstehung (Lk 18,33) 
  • Der individuelle Mensch, Jesus von Nazareth, ist untrennbar Leib und Seele. Von daher ist »Auferstehung« leibhaft-personal, mit verwandelter, verklärter materieller Leiblichkeit zu begreifen, sonst wäre es keine »Auferweckung« im biblischen Sinne  
  • Es erscheint weder ein Totengeist, wiederbelebter Körper, noch eine vom Leib getrennte Seele, vielmehr der »Gekreuzigte«, der tot war, als in Gott Lebender mit verklärten Wunden, in transformierter, vergeistigter Leiblichkeit
  • Das »leere Grab« besagt im Licht der geistgewirkten Ostervisionen, dass Gott diesen Jesus von Nazareth, trotz des Scheiterns seiner Verkündigung, seines Fluchtodes nach dem Gesetz als von Gott verworfener Sünder (Gal 3,13), zu neuem Leben auferweckt hat, damit als Messias bestätigt
  • Die Todesmacht der Sünde, der innere Seelentod, welcher den Sohn Gottes ans Kreuz gebracht, seinen äußeren, leiblichen Tod bedingt hat, sind durch die Gottverbundenheit Christi und seine Auferweckung im Heiligen Geist überwunden

Karsamstag (ABC) | 20.4.2019

Das Licht leuchtet in der Finsternis.
Lux in tenebris lucet. 
(Joh 1,5)

Karfreitag (ABC) | Joh 18,1-19,42 | 19.4.2019

Mich dürstet.
Sitio.
(Joh 19,28)

  • In der Passion erleidet, trägt Christus, der ohne Sünde war, jedoch von den Menschen als vermeintlicher Sünder wegen »Gotteslästerung« (Joh 19,7) verurteilt wurde, stellvertretend die Gottverlassenheit, Strafe der sündigen Menschheit 
  • Die Selbsthingabe Christi am Kreuz, das Mitleiden des Vaters mit seinem Sohn für die Erlösung von Sündenmacht und Tod, bezeugt die absolute Liebe und Treue Gottes zum sündigen Menschen, der »Gott« in geistiger Verblendung vergessen, mißachtet und getötet hat
  • Die Kreuzigung des Sohnes Gottes durch die Hände der Menschen offenbart das ganze abgründige Ausmaß der menschlichen Sündhaftigkeit, Ungerechtigkeit, religiösen Verblendung, des hasserfüllten Widerstandes gegen Gottes Weisung und Willen   
  • Christi ungebrochendes, reines Gottvertrauen, ohne jeden affektiven Halt in einem göttlichen Trostempfinden, in tiefster Gottverlassenheit, Ohnmacht und Erniedrigung bezeugt Gottes erlösende, geistige Teilnahme am Tod, damit des Sündentodes Tod
  • Der »Durst« Christi am Kreuz umfängt, trägt allen Schmerz der lauteren Seele, welche sich in einer Welt der Gleichgültigkeit, Angst, kollektiven Gottesferne, in einem sterbenden Kirchenmilieu ohne Erneuerungswillen, spirituelle Tiefe, humane Weite nach Gott sehnt

Gründonnerstag (ABC) | Joh 13,1-15 | 18.4.2019

Ich habe euch ein Beispiel gegeben.
Exemplum enim dedi vobis.
(Joh 13,15)

  • Die »Fußwaschung« als ehrloser Sklavendienst manifestiert Christi Liebe zu den Seinen, bezeichnet die Entäußerung des Gottessohnes, welche sich  im Kreuzestod vollendet, sinnbildet verhüllt die mystische Einung mit Gott in der Eucharistie
  • Christus ist spirituelles »Vorbild« im Sein: Wir sollen aus Gnade das werden, was er von Natur aus ist, nämlich eins mit Gott – im Erkennen: Wir sollen Gottebenbildlichkeit, Würde und Demut als Einheit begreifen – im Lieben: Wir sollen Gott, uns selbst, einander selbstlos lieben, die Liebe zweckfrei tun 
  • Das »Sich-Waschen-Lassen« meint geistige Läuterung: Der Mensch wird »rein«, ein Glaubender, durch das erneuernde Schöpferwort Christi (Joh 13,10; 15,3). Er gewinnt vollkommen »Anteil« an Christus (13,8), indem er dessen Selbstlosigkeit, welche ihn von aller weltlichen Ichhaftigkeit befreit, vorbehaltlos annimmt, nachahmt
  • Das menschgewordene, göttliche Wort, Christus, bleibt aufgrund der Erhabenheit seiner ewigen Gottheit von der Entehrung durch den Sklavendienst innerlich unberührt, kann gerade dadurch in der Unendlichkeit seiner Liebe jedem gottfernen, leidenden Menschen nahe sein
  • Die »Fußwaschung« als Zeichenhandlung symbolisiert das unsichtbare Geheimnis, das geistliche Kerngeschehen der Eucharistiefeier: Sakramentale Einung mit Gott in der Kommunion durch die Gegenwart Christi im Heiligen Geist, welcher uns spirituell Anteil gibt an seiner Gottunmittelbarkeit

Palmsonntag (C) | Lk 19,28-40 | Lk 22,14-23,56 | 14.4.2019

Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.
Si hi tacuerunt, lapides clamabunt.
(Lk 19,40)
Ihr sagt es – ich bin es.
Vos dicitis quia ego sum.
(Lk 22,70)

  • Beim Anblick der Stadt Jerusalem brechen die Jünger in exstatische Freude aus, proklamieren Jesus als messianischen Friedenskönig, Sohn Davids und Propheten 
  • Der Einzug auf dem »Esel« (Sach 9,9) ist ein prophetisches Zeichen, besagt dass Gottes Friedensreich durch Christus in Gewaltlosigkeit, Weisheit und Demut begründet wird, als Reich wahren Geistes 
  • Das »Schreien der Steine« bedeutet:  Wenn Jerusalem, die Kirche, der Mensch die Botschaft Christi nicht wesenhaft annimmt, werden Niedergang und Verfall unausweichliche Folge sein, somit "ex negativo" seine göttliche Vollmacht bezeugen (Lk 19,44) 
  • Jesus offenbart vor Gericht seine Identität als Geheimnis, bestätigt mit dem »Ich bin es« selbstbewusst und demütig indirekt die Titel, welche seine Gegner ihm zulegen: »Prophet« (19,64), »Messias« (67), »Menschensohn« (69) und »Sohn Gottes« (70)   
  • Die Ohnmacht, Verhöhnung Jesu am Kreuz spricht gegen Gottes Existenz und Gerechtigkeit – Jesu ungebrochenes Gottvertrauen im Foltertod, seine Feindesliebe und Geistfülle in äußerster Verlassenheit bezeugen Gottes Wirklichkeit, Präsenz in seiner Person

5. Fastensonntag (C) | Joh 8,1-11 | 7.4.2019

Jesus schrieb mit dem Finger auf die Erde.
Digito scribebat in terra.
(Joh 8,6)

  • Paradoxe Haltung Jesu: "Ihr urteilt wie Menschen urteilen. Ich urteile über keinen. Wenn ich aber urteile, ist mein Urteil gültig." (Joh 8,15f.)
  • »Urteilen ohne zu urteilen« ist ein spirituelles Ideal: Sünde wird als das gesehen, was sie vor Gott ist, jedoch ohne Abwertung des Menschen als Anstoß zu einem neuen Leben
  • »Mit dem Finger in den Staub schreiben« (Jer 17,13): Die Zeichenhandlung, das Schweigen Jesu konfrontiert seine Gegner mit der Nichtigkeit ihres religiösen Hochmuts und Moralismus
  • Da jeder Mensch – aufgrund der universellen Verstrickung in Sünde und Schuld – der bedingungslosen Vergebung Gottes bedarf, steht ihm ein Urteil an Gottes Statt über andere Menschen nicht zu 
  • »Reich Gottes«: Erfahrung der Nähe Gottes als eine befreiende, verzeihende und erleuchtende Zuwendung Gottes, gerade zu dem, worin der Mensch am meisten seiner Tröstung bedarf

4. Fastensonntag (C) | Lk 15,1-3.11-32 | 31.3.2019

Der Vater sah ihn schon von weitem kommen.
Cum autem adhuc longe esset, videt illum pater ipsius. 
(Lk 15,20)

  • Der »verlorene Sohn« symbolisiert die selbstverlorene, entfremdete Existenz in der Gottesferne
  • Gott nimmt jeden Menschen vorbehaltlos an, der sich besinnt, dem Guten wieder zuwendet
  • Je weiter sich jemand von Gott, dem wahren Sein, abwendet, desto mehr verfällt er dem Nichts
  • Der »Hunger«, die Leere, das existentielle Scheitern weckt die Erinnerung an Gott, bewirkt die Rückkehr
  • Gottes Gegenwart im Seelengrund ist die mystische, unauslöschliche Quelle spiritueller Sehnsucht

3. Fastensonntag (C) | Lk 13,1-9 | 24.3.2019

Vielleicht trägt der Feigenbaum doch noch Früchte.
Siquidem fecerit fructum in futurum.
(Lk 13,9)

  • Christus ist der »Weingärtner«, Gottes unüberbietbares letztes Wort an die Menschheit
  • »Weinberg« sinnbildet alle, an die Gottes erwählende Wort ergangen ist, besonders das Volk Israel und die Kirche    
  • »Feigenbaum ohne Früchte« steht für alle, die Gottes Wort gehört, aber nicht wahrhaft angenommen haben, sich aber gerecht, schuldlos sehen
  • Unglaube, religiöses Elitedenken, Klerikalismus, Machtmissbrauch, spirtueller Neid machen den Menschen gottunfähig 
  • Gottes Gnade in Christus gewährt jeden Augenblick die Chance, die »Frucht« der befreienden Umkehr zu verwirklichen 

2. Fastensonntag (C) | Lk 9,28-36 | 17.3.2019

Sie sahen Jesus in strahlendem Licht.
Viderunt gloriam eius.
(Lk 9,32)

  • Jesu Antlitz wird durchlässig für die mystische Lichtfülle in seiner Person
  • Entrückung im Gebet in die Sphäre göttlicher Vorsehung und Herrlichkeit 
  • In der Messianität Jesu vollendet sich Geist und Auftrag aller Propheten
  • Gott offenbart Christus im voraus zur Passion als seinen geliebten Sohn 
  • Wer um der Gerechtigkeit willen leidet, hat Anteil an der Würde Christi

1. Fastensonntag (C) | Lk 4,1-13 | 10.3.2019

Der Mensch lebt nicht nur vom Brot.
Non in pane solo vivet homo.
(Lk 4,4)

  • Materielles ist nötig zum zeitlichen Dasein, Spirituelles zum wahren Menschsein
  • »Wüste« sinnbildet Entfremdung, Sinnleere, Anonymität, Gottesferne, Leiden
  • »Versuchung« ist Anfechtung, Erprobung im Glauben, Verführung zur Sünde
  • Schutz durch Selbsterkenntnis, Unterscheidung der Geister, Hinkehr zu Gott
  • Gemeisterte Versuchungen festigen Selbstbewusstsein, Glauben und Tugend

Aschermittwoch (ABC) | Mt 6,1-6.16-18 | 6.3.2019

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu.
Tu autem cum orabis, intra cubiculum tuum et, clauso ostio tuo.
(Mt 6,6)

  • Reduktion von Sinnesreizen, einfacher Lebensstil erleichtert die Meditation
  • Fasten dient der leiblich-geistigen Sammlung, Läuterung und Erneuerung
  • Wesentliches reift im Verborgenen, in der Stille und personalen Begegnung
  • Gottunmittelbarkeit geschieht vorbehaltlos, zweckfrei im Hier und Jetzt
  • Glauben heißt »Gott« als mystisches Geheimnis des Lebens erfahren

8. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 6,39-45 | 3.3.2019

Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist.
Bonus homo de bono thesauro cordis profert bonum.
(Lk 6,45)

  • Innen und Außen, Sein und Handeln, sind zwei Seiten des Menschen
  • Der Mensch ist gut, wo er mit sich in Wahrheit und Liebe übereinstimmt
  • Ursache des guten Handeln ist die selbstlose, lautere Gesinnung
  • Gott als höchste Gutheit und Wahrheit ist die Quelle alles Guten
  • Der gute Mensch findet seinen Trost darin, Gottes Willen zu tun

7. Sonntag im Jahreskreis (C) | Lk 6,27-38 | 24.3.2019

Liebt eure Feinde. Tut denen Gutes, die euch hassen.
Diligite inimicos vestros. Bene facite his, qui vos oderunt.
(Lk 6,27)

  • Spirituelle Liebe ist universell, umfasst auch den Feind in seinem Menschsein
  • Nicht-Hassen ist der Ausstieg aus dem Kreislauf von  Unrecht und Vergeltung
  • Erfahrung der Gnade Gottes erlöst vom falschen Recht-Haben-Wollen
  • Der Geist der Liebe ist selbstbewusst, friedfertig, kritisch, wehrhaft, kraftvoll
  • Unrecht zu vergeben, ohne es zu überspielen, setzt neue Lebensenergie frei