evangelium

6. Sonntag der Osterzeit (B) | Joh 15,9-17 | 9.5.2021

Ihr seid meine Freunde.
Vos amici mei estis.
(Joh 15,14)

  • Gottes Geist ist Wahrheit, weil er das lautere Wesen offenbart
  • Gottes Geist ist Trost, weil er mit göttlichem Leben verbindet
  • Gottes Geist ist Liebe, weil er uns zu Freunden Gottes macht
  • Gottes Geist ist Störung, weil er ichhaftem Eigensinn widersteht
  • Gottes Geist ist Energie, weil er spirituelles Wachstum bewirkt

5. Sonntag der Osterzeit (B) | Joh 15,1-8 | 2.5.2021

Ich bin der wahre Weinstock.
Ego sum vitis vera.
(Joh 15,1)

  • Der »Weinstock« sinnbildet zunächst das Volk Gottes, welches Jahwe sich zu seinem besonderen Eigentum erwählt hat (Ps 80,9)
  • Christus, der Messias, ist dem Wesen nach selbst der Weinstock, weil er den Bund Israels mit Gott in höchster Weise verwirklicht
  • Die »Reben« sind die Glaubenden, die durch ihr Verbundensein mit Christus in der Liebe allem welthaften Verlorensein enthoben sind
  • Nur wer in Christus ist, der kann geistliche »Frucht« bringen: Glaubenswachstum, vollkommene Liebe, Hoffnung, Zeugniskraft
  • Der »Winzer« ist Gott, welcher durch seine Fügungen, Gnade den Menschen immer mehr geistlich läutert, wachsen, reifen läßt

4. Sonntag der Osterzeit (B) | Joh 10,11-18 | 25.4.2021

Ich bin der gute Hirt.
Ego sum pastor bonus.
(Joh 10,11)

  • Die Symbolik des »Hirteseins« besagt, dass Christus die gottentfremdete, verlorene Menschheit durch die geistliche Integrationskraft seiner Person wesenhaft, spirituell wieder mit Gott verbindet
  • Den Vertrauensglauben, den er in Wort und Tat bringt, ist religiös befreiend, wertschätzend, selbstlos, fürsorglich, sammelnd, verbindend, tatkräftig, uneigennützig, solidarisch, bestärkend, schützend
  • Christus ist als »Pastor bonus« das Gegenbild zur Gesetzesreligion, zu klerikalem, laikalem Machtgehabe in der Kirche, spirituellem Missbrauch, religiöser Verführung, ausbeuterischem Gurutum 
  • Die größten Feinde („Wolf“) der Wahrhaftigkeit von Kirche, Gemeinde und Seele sind die in ihr selbst vorhandenen, verdeckten destruktiven Kräfte, welche meist „unter den Schein des Guten“ wirken
  • Nicht wenige Gruppen in der Kirche betreiben unter dem Deckmantel eines besonderen Gehorsams gegenüber Lehramt und Papst eine eigennützige Machtpolitik, propagieren ungesunde Spiritualität

>>> Was ist eine »Gemeinde«?

3. Sonntag der Osterzeit (B) | Lk 24,35-48 | 18.4.2021

Ich bin es selbst.
Ipse ego sum.
(Lk 21,39)

  • Die Jünger erkennen, dass derjenige, der ihnen in den Erscheinungen als  Auferweckter, Entrückter, Lebender begegnet, mit Jesus von Nazareth, dem Gekreuzigten, identisch ist 
  • Nicht die Jüngerinnen machen subjektiv diese Erfahrung, sondern Jesus, der Auferstandene, zeigt sich ihnen von sich selbst her als der zum Gott Israels erhöhte, wahre Messias 
  • In großer Intensität hat die Urgemeinde die geistliche, mystische, personale Präsenz des Auferstandenen in der gemeinsamen, erinnernden Mahlfeier, beim Brechen des Brotes erlebt
  • Die Eucharistiefeier ist die liturgische, sakramentale Vergegenwärtigung von Kreuz und Auferstehung, der befreienden, heilenden Gnade Christi, die uns spirituell gottförmig macht
  • Das Evangelium ist eine geistige Spur, ein orientierendes Licht, welches die Person Christi und ihr Geschick im kollektiven Gedächtnis der Menschheit wegweisend hinterlassen hat

>>> Was ist eine »Gemeinde«?

2. Sonntag der Osterzeit (B) | Joh 20,19-31 | 11.4.2021
Weisser Sonntag

Zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Ostendit eis manus et latus.
(Joh 20,20)

  • Der Gekreuzigte ist der Auferstandene
  • Sein Geistleib zeigt verklärte Wunden
  • Mystische, personale, leibhaftige Präsenz 
  • Gott erleuchtet durch die Ostervisionen 
  • Das Auge des Glaubens schaut Christus 

Ostermontag (ABC) | Lk 24,13-35 | 5.4.2021

Uns den Sinn der Schrift erschloß.
Aperiret nobis Scrituras
(Lk 24,32)

  • Ohne Auferstehung keine Ostervisionen
  • Ohne Ostervisionen kein Evangelium
  • Ohne Evangelium keine Überlieferung
  • Ohne Überlieferung keine Erinnerung
  • Ohne Erinnerung kein Christusglaube 

Ostersonntag (ABC) | Joh 20,1-18 | 4.4.2021

Ich habe den Herrn gesehen.
Vidi Dominum.
(Joh 20,18)

  • Dass Gott existiert, die Seele Jesu ewig besteht, daran besteht für die Jüngerinnen, Apostel kein Zweifel
  • Entscheidende Frage ist vielmehr, ob der »Gekreuzigte« tatsächlich der Messias, Gottes Sohn ist
  • Ob die überkommene, äußere Kirchengestalt, die immer weiter abstirbt, als erneuerter »Leib Christi« aufersteht
  • Jesus wird als der durch Gott leibhaftig Auferweckte, Neu-Geschaffene von Gott her sichtbar gemacht
  • In »Ostervisionen« wird der gekreuzigte Messias als Erlöser, Gottes endgültiges Wort bestätigt

>>> Osterevangelium
>>> Was bedeutet Ostern?

Osternacht (B) | Mk 16,1-7 | 4.4.2021

Er ist nicht hier.
Non est hic.
(Mk 16,6)

  • Leere des Nichts
  • Leere des Lebens
  • Leeres Grab
  • Leere des Todes 
  • Leere des Seins  
     

Karsamstag (ABC) | 3.4.2021

Das Licht leuchtet in der Finsternis.
Lux in tenebris lucet. 
(Joh 1,5)

  • Dunkle Nacht des Menschen
  • Dunkle Nacht des Geistes
  • Dunkle Nacht des Glaubens
  • Dunkle Nacht der Kirche
  • Dunkle Nacht der Pastoral

Karfreitag (ABC) | Joh 18,1-19,42 | 2.4.2021

Daß ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.
Ut testimonium perhibeam veritati.
(Joh 18,37)

  • Wer die Wahrheit denkt wird erleuchtet
  • Wer die Wahrheit lebt wird ausgegrenzt
  • Wer die Wahrheit offenbart ist schuld
  • Wer die Wahrheit bezeugt wird verfolgt
  • Wer die Wahrheit ist wird gekreuzigt

Gründonnerstag (ABC) | Joh 13,1-15 | 1.4.2021

Zu Gott zurückkehrte.
Ad Deum vadit.
(Joh 13,3)

  • Die »Fußwaschung« beim Abendmahl als ehrloser Sklavendienst manifestiert Christi Liebe zu den Seinen, zum Menschen in seinem existentiellen Armsein vor Gott, bezeichnet die Entäußerung des ewigen Gottessohnes, welche sich im Kreuzestod vollendet, sinnbildet in verhüllter Weise die mystische Einung mit Gott in der Eucharistie
  • Christus ist spirituelles »Vorbild« im Sein: Wir sollen aus Gnade das werden, was er von Natur aus ist, nämlich eins mit Gott – im Erkennen: Wir sollen Göttlichkeit, Demut, Würde und Armut als Einheit begreifen – im Lieben: Wir sollen Gott, uns selbst, einander und alle Geschöpfe selbstlos lieben, die Liebe zweckfrei tun, Christus darin folgen 
  • Das »Sich-Waschen-Lassen« meint persönliche, geistige Läuterung: Der Mensch wird »rein«, ein Glaubender, durch das erneuernde Schöpferwort Christi (Joh 13,10; 15,3). Er gewinnt vollkommen »Anteil« an Christus (13,8), indem er dessen Selbstlosigkeit, welche ihn von aller weltlichen Ichhaftigkeit befreit, vorbehaltlos annimmt, nachahmt
  • Das menschgewordene, göttliche Wort, Christus, bleibt aufgrund der Erhabenheit seiner lauteren Gottheit von der Entehrung durch den »Sklavendienst« innerlich unberührt, kehrt darin im Geiste in Gottes Transzendenz zurück, kann gerade dadurch in der Unendlichkeit seiner reinen Liebe jedem gottfernen, leidenden Menschen nahe sein
  • Die »Fußwaschung« als mystische Zeichenhandlung symbolisiert das unsichtbare Geheimnis, das geistliche Kerngeschehen der Eucharistiefeier: Sakramentale Einung mit Gott in der Kommunion durch die Gegenwart Christi im Heiligen Geist, welcher uns gnadenhaft, heilend, spirituell Anteil gibt an seiner trosterfüllten Gottunmittelbarkeit

Palmsonntag (B) | Mk 11,1-10 | Mk 14,1-15,47 | 28.3.2021

Reich unseres Vaters David, das nun kommt!
Venit regnum patris nostri David!
(Mk 11,10)
Warum hast du mich verlassen?
Ut quid dereliquisti me? 
(Mk 15,34)

  • Christus verwirklicht das messianische Reich im Geist ohne äußere Gewalt
  • Verspottung und Jubel trägt er in gelassener Hingabe an seinen Auftrag
  • Sein Bekenntnis „Du sagst es“ offenbart, dass er Stellvertreter Gottes ist 
  • Er bezeugt uns ein absolutes Gottvertrauen in abgründiger Gottesfinsternis
  • Im Gekreuzigten umfängt Gott den Schmerz aller Leidenden, Unschuldigen 

5. Fastensonntag (B) | Joh 12,20-33 | 21.3.2021

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt.
Nisi granum frumenti cadens in terram.
(Joh 12,24)

  • Das Bildwort vom »Weizenkorn« symbolisiert Lebenshingabe und geistliche Frucht, Christi Passion und Auferstehung 
  • Fruchtbarkeit in der Natur beruht auf dem Kreislauf von Werden und Vergehen, Transformation und Wachstum
  • Der Mensch bringt „reiche Frucht“, wenn es alles Tun und Lassen, sein Handeln am Willen Gottes für sein Leben ausrichtet
  • Seine »Berufung« ist der Weg, den er im Vertrauen auf Gott, im Hören auf Fügungen, im Bauen auf seine Talente geht 
  • Die »Frucht« meint Persönlichkeitsreife, spirituelle Identität, Gelassenheit, Erleuchtung, Gotteinung, ewige Glückseligkeit

4. Fastensonntag (B) | Joh 3,14-21 | 14.3.2021

Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.
Qui facit veritatem, venit ad lucem.
(Joh 3,21)

  • Das »Licht« symbolisert Gottes lautere Erkenntnis (intellectus purus
  • »Wahrheit« meint „Unverborgenheit“, das, was ist, kommt ans Licht
  • Im Spiegel des göttlichen Lichts unterscheiden wir »Gut« und »Böse«
  • Christus „richtet“ nicht, in seinem Licht erkennt sich der Mensch selbst
  • Wer die »Wahrheit« liebt, Gott ersehnt, wird empfänglich für das Licht 

3. Fastensonntag (B) | Joh 2,13-25 | 7.3.2021

Tempel seines Leibes.
De templo corpori sui.
(Joh 2,21)

  • Der äußere Tempel ist Menschenwerk, bleibt dem Wechselspiel von Heiligung, Entweihung, Banalität, Hochkultur ausgesetzt (Ez 43,7ff.)
  • Das lat. Wort »templum« meint den „Beobachtungskreis” am Himmel, auf der Erde, worin der berufene Seher den Götterwillen erschaut
  • »Kontemplation« (Beschauung) leitet sich vom Verb „contemplari“ ab, bedeutet ein geistiges Sein gesammelt mit dem inneren Auge betrachten
  • Kontemplatives, inneres Beten geschieht im Lassen aller Bilder, Ruhen der Seelenkräfte, reinen Gottvertrauen, selbstlosen, lauteren Schweigen
  • Der Mensch in Christus ist mit Leib und Seele ein „Tempel des Heiligen Geistes“, der durch den Glauben in ihm Wohnung nimmt (1 Kor 6,19)

>>> Was ist Kontemplation?

2. Fastensonntag (B) | Mk 9,2-10 | 28.2.2021

Auf ihn sollt ihr hören.
Audite illum.
(Mk 9,7)

  • Die »Verklärung« (transfiguratio) sinnbildet das Durchlässigwerden des leiblich-seelischen Wesens der Person für die göttliche Präsenz
  • Mystischer Leitgedanke der Fastenzeit, geistlichen Läuterung, Hinkehr zum Lauteren, meditativen Einübung: „Transparenz für Transzendenz“ 
  • »Hören« auf Christus hat Priorität vor allem anderen, in seinem Licht erkennen wir, ob Gott durch Umstände, Menschen zu uns spricht
  • Reduktion sinnlicher Reize, Verzicht auf Medienkonsum, überflüssige Nahrung, ziellose Aktivitäten, Abkehr vom Vielen macht den Leib sensitiver 
  • Psychische Askese, Gedanken-Stopp verführerischer, aggressiver, negativer, depressiver, neidischer Seelenbewegungen läutert den Geist  

Erster Fastensonntag (B) | Mk 1,12-15 | 21.2.2021

Er lebte bei den wilden Tieren.
Eratque cum bestiis.
(Mk 1,13)

  • »Wüste« symbolisiert das existentielle Ausgesetztsein in der Welt
  • »Tiere« sinnbilden die Bedürfnisse, Sorgen, Leidenschaften, Begierden
  • Der Mensch ohne Gott ist schutzlos dem Sog des Nichts ausgeliefert
  • Christus hat für uns Nichtigkeit, Anfechtung, Verführung überwunden   
  • »Engel« meinen kontemplative, schützende Präsenz göttlicher Energie

Aschermittwoch (ABC) | Mt 6,1‒6.16‒18 | 17.2.2021

Deine linke Hand soll nicht wissen, was deine rechte tut.
Nesciat sinistra tua quid faciat dextera tua.
(Mt 6,3)

  • Selbstlosigkeit ist lauter
  • Lauterkeit ist unmittelbar
  • Unmittelbarkeit ist mystisch
  • Mystik ist solidarisch
  • Solidarität ist universell

Sechster Sonntag im Jahreskreis (B) | Mk 1,40-45 | 14.2.2021

Erzähl niemand etwas davon.
Nemini quidquam dixeris.
(Mk 1,44)

  • Im Wettstreit der Diagnosen über Ursachen der chronischen, aktuellen Kirchenkrise, Erschütterung über Skandale, jahrzehntelanger Ignorierung von Reformbedarf, droht das Gespür für tröstende Wesen der Kirche als »Geistleib« (corpus Christi mysticum), als spirituelles Medium für die befreiende Kraft des Evangeliums  verloren zu gehen
  • Nachhaltige Erneuerung kann es nur geben aus dem Studium geistlicher Quellen, der Meditation, umfassenden Läuterungswillen mit Zukunftsvision, einer Lebenseinheit von Spiritualität, Psychologie und Organisation
  • Die »Schweigebote« Christi wollen den Menschen zu einer Gotteserfahrung im Hier und Jetzt führen, so auch die Kirche, keine zukunftsfähige Erneuerung ohne Einkehr in ihr mystisches Wesen im Heute
  • Unfruchtbar wird von allen Seiten an einzelnen Traditionsstücken herumgezerrt, ohne einen neuen, umfassenden, integrierenden spirituellen, pastoralen, institutionellen Bezugsrahmen
  • Heilung der menschlichen Gestalt der Kirche geschieht durch Aufarbeitung von strukturellen Misständen, verzerrten religiösen Idealen, Loslassen von Rechts-Links-Einseitigkeiten, aus spiritueller Neuentscheidung im Sinne einer Synthese aus Tradition und modernem Bewusstsein, der Umsetzung mit integrativen Organisationsformen 

Fünfter Sonntag im Jahreskreis (B) | Mk 1,29-39 | 7.2.2021

Er heilte viele.
Curavit multos.
(Mk 1,34)

  • Jesus macht die Kranken gesund, seine Heilkraft verbindet die leidende, menschliche Natur wieder mit dem vitalen Lebensfluidum 
  • In Christus ist eine menschlich-göttliche Energie, die Grundkraft der Auferstehung, welche verwandelnd, vitalisierend wirkt 
  • Das »Fieber« der Schwiegermutter symbolisiert die Leidenschaften der Seele (passiones animae), welche Christus in uns geistig heilt
  • Der Mensch muss erst von Entfremdung, Gottesferne, Sünde geheilt sein, damit er Christus wahrhaft „dienen“ kann (Mk 1,31)
  • Spiritualität, Liturgie, Kirche ist dann „gesund“, soweit sie Wachstum in Selbstbewusstsein, Freiheit, Gottvertrauen, Liebe förder

>>> Wer ist Jesus Christus?

Darstellung des Herrn (ABC) ‒ Lichtmess | Lk 2,22-40 | 2.2.2021

Ein Licht, das die Heiden erleuchtet.
Lumen ad relevationem gentium.
(Lk 2,32)

  • Das Motiv der rituellen »Reinigung« wird vom Gedanken der »Darstellung« des Messiaskindes (Praesentatio Domini) im Tempel überlagert, seinem kultischen „Loskauf“ als Erstgeborener (Ex 13,2.15) 
  • Das Hineintragen des Messiaskindes in das Jerusalemer Heiligtum sinnbildet, dass Gottes Präsenz in Christus an Stelle des religiös verzweckten, äußeren, Tempelkultes zu treten beginnt
  • Die Erfüllung des Gesetzes durch Jesu Eltern sinnbildet, dass Jesus von Geburt an mit seiner ganzen Existenz Gott geweiht ist, ihm wesenhaft zugehört, sein irdischer Stellvertreter, Repräsentant ist
  • »Simeon« steht für die armen Gerechten, „Stillen im Lande“ (Ps 35,20), seine Prophetie bezeugt das Messiaskind als »Offenbarungslicht«, das die alte Religionsform erleuchtet, transformiert (Lk 2,32)
  • »Hanna« sinnbildet das Ideal beständiger Gottsuche (1 Thess 5,17: „orate sine intermissione“), sie übt dasjenige ein, was Christus seiner Person nach ist, Gottes Gegenwart im Hier und Jetzt (Lk 2,37)

Vierter Sonntag im Jahreskreis (B) | Mk 1,21-28 | 31.1.2021

Mit Vollmacht eine ganz neue Lehre.
Doctrina nova cum potestate.
(Mk 1,27)

  • Jesu spirituelle Autorität wurzelt in seiner Gotteinung
  • Er ist der »Heilige Gottes«, da er Gott vergegenwärtigt
  • Jesu geistige Heilkraft bricht die Sündenmacht (Lk 10,18)
  • Böses als Abkehr von Gott bekennt gerade damit Gott
  • Wo Gottes Geist wirkt, leistet das Unlautere Widerstand 

>>> Wer ist Jesus Christus?

Dritter Sonntag im Jahreskreis (B) | Mk 1,14-20 | 24.1.2021

Folgt mir nach!
Venite post me!
(Mk 1,17)

  • Christi Auftrag ist, die »Nähe« des Reiches Gottes zu bezeugen (Mk 1,38)
  • »Nachfolge« heißt das Evangelium zu leben, die „Sache Jesu“ weiterzugeben
  • Jesus schaut in allen Dingen die unmittelbare Gegenwart Gottes (Mt 6,28)
  • Er ist erster »Menschenfischer«, der in Vollmacht, Weisheit, Liebe predigt
  • Gottes Reich ist schon Wirklichkeit, doch noch nicht universell (Mt 11,12)

Zweiter Sonntag im Jahreskreis (B) | Joh 1,35-42 | 17.1.2021

Kommt und seht!
Venite et videbitis!
(Joh 1,39)

  • Johannes proklamiert Jesus als »Lamm Gottes«, das die „Sünde der Welt“ hinwegnimmt, erkennt ihn bei seiner Taufe als »Sohn Gottes« (1,34)
  • Die Göttlichkeit, Weisheit Jesu, gründet in seiner vorgeburtlichen »Präexistenz«, dem zeitlosen Sein als »Sohn« im Wesensgrund Gottes (1,30)
  • Das »Lamm« als Opfertier symbolisiert die Selbstlosigkeit Christi, als messianischer »Gottesknecht« (Jes 53,7), als  wahres »Paschalamm« (18,28)
  • »Nachfolge« beginnt mit dem »Sehen«, dem Blick auf seine Person, der spirituellen Erkenntnis, dass Christus bei Gott „wohnt“ (1,39)
  • Weder verbirgt er Gottes Wirklichkeit, noch gibt er Gottes Geheimnis preis, als »Messias« offenbart er Gott als Urgrund unserer Existenz (18,20)

Taufe des Herrn (B) | Mk 1,7‒11 | 10.1.2021

Du bist mein geliebter Sohn.
Tu es Filius meus dilectus.
(Mk 1,11)

  • In der Wassertaufe des Johannes, welcher sich Jesus stellvertretend für die Sündhaftigkeit des Gottesvolkes, aller Menschen, unterzieht, empfängt er seine spirituelle Identität, den göttlichen Verkündigungsauftrag
  • In der Gestalt der »Taube«, dem Symbol des Gottesfriedens (Gen 8,11), der mystischen Liebe (Hld 5,2), »sieht« Jesus (Vision) den Heiligen Geist auf sich herabsteigen, zu seiner messianischen Geistbegabung  
  • Eine Apokalypse (Himmelsöffnung), die Stimme Gottes »enthüllt« Jesus (Audition), was er seinem Wesens nach ist, nämlich Gottes einziger Sohn, der endzeitliche Messias, der erwählte »Gottesknecht« (Jes 42,1)
  • Das »Hineingetauchtwerden« Jesu in den Jordan antizipiert den Kreuzestod, die Nichtung aller Todesmacht, sein »Heraufsteigen« aus dem Wasser das Auferwecktwerden zum »Neuen Sein« in Gott (Röm 6,4) 
  • Das Taufsakrament (Joh 3,5) ist eine geistliche »Wiedergeburt« (Tit 3,5), wodurch der Glaubende im Geist Gottes Anteil an Christi Eigenschaften erhält, zu Glaube, Hoffnung, Liebe befähigt wird (1 Kor 13,13)

>>> Was bedeutet die Taufe?
>>> Evangelium Mk 1,7-11

Erscheinung des Herrn (ABC) ‒ Epiphanie | Mt 2,1-12 | 6.1.2021

Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben.
Munera, aurum et tus et myrrham.
(Mt 2,11)

  • Die Gaben der drei »Weisen« (mágoi) sinnbilden das Wesen des Messiaskindes, sagen sein Geschick voraus
  • »Gold« bezeichnet das messianische Königtum Christi, seine spirituelle Macht, Weisheit, Herrlichkeit (Jes 60,6)
  • »Weihrauch« symbolisiert seine Hingabe an Gottes Willen, Transzendenz, kontemplative Schau (Ps 141,2)  
  • »Myrrhe« ist Hinweis auf sein Prophetenschickal, stellvertretendes Leiden, Lebensopfer für die Erlösung (Mk 15,23)
  • Die Huldigung der »Magier« besagt die Läuterung, Vollendung aller Intellektualität, Weisheit, Religion in Christus

>> Was bedeutet Epiphanie?

2. Sonntag nach Weihnachten (ABC) | Joh 1,1-18 | 3.1.2021

Die aus Gott geboren sind.
Ex Deo nati sunt.
(Joh 1,13)

  • »Gottesgeburt« fließt unmittelbar aus der Glaubensgnade (1,12) 
  • Prinzip: „Was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist“ (3,6) 
  • Jede/r Glaubende ist »wiedergeboren« aus göttlichem Geist (3,7)
  • Glaube an Christus ist ein spirituelles, übernatürliches Sein (4,24)
  • Gottes Geist »gebiert« den Glaubenden als neues Geschöpf (3,3)

>> Text des Johannesprologs

Gottesmutter Maria (ABC) ‒  Oktavtag von Weihnachten | Lk 2,16-21 | 1.1.2021

Den Namen Jesus.
Nomen eius Jesus.
(Lk 2,21)

  • Der Name »Jesus« (Jeschua) bedeutet „Jahwe ist Rettung“ (Mt 1,21)
  • Im alten Orient bezeichnet der »Name« (šēm) das Wesen der Person
  • „Ich bin der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offb 22,13)
  • Glauben im Namen »Jesu Christi« vergegenwärtigt den Trost Gottes
  • Das einfachste Gebet ist die Anrufung des Namens »Jesu« (Lk 18,38)

>> Meditation zum Jahresbeginn

Jahresdank (Silvester) | Joh 15,1–11 | 31.12.2020

Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.
Qui manet in me, et ego in eo, hic fert fructum multum.
(Joh 15,5)

  • Was ist in diesem Jahr gewachsen, wofür bin ich dankbar?
  • Welche Erfahrung war schwer, wovon verabschiede ich mich?
  • Wohin geht meine Sehnsucht, was will ich »Neues« tun?
  • Was brauche ich an Unterstützung, um das zu erreichen?
  • Was wäre ein erster Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel?

>> Meditation zum Jahreswechsel

Heilige Familie (B) ‒ Sonntag in der Weihnachtsoktav | Lk 2,22‒40 | 27.12.2020

Erfüllt mit Weisheit.
Plenus sapientia.
(Lk 2,40)

  • Es gibt ein leibliches, psychisches, soziales, berufliches, intellektuelles, geistliches und mystisches Wachstum
  • Die Evangelien bezeugen, dass Jesus von Nazareth bereits als Kind eine ungewöhnlich hohe spirituelle Begabung besaß
  • Gottes Erleuchtung, der Adel seiner Herkunftsfamilie, seine kreative Spiritualität machen Jesus zum Religionsstifter
  • Das weise »Messiaskind« sinnbildet unser spirituelles Selbst, die mystische Intuition, gottförmige Identität in Gott
  • »Weisheit« ist die habituelle Fähigkeit, sich selbst, alles Handeln, alle Dinge unmittelbar auf Gott zu beziehen

Zweiter Weihnachtstag ‒ Stephanus (ABC) | Mt 10,17‒22  | 26.12.2020

Der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
Spiritus Patris vestri, qui loquitur in vobis.
(Mt 10,20)

  • In 38 Ländern kommt es zu schweren Verletzungen der Religionsfreiheit, in 18 davon verschärft sich die Situation weiter  
  • »Stephanus«, der erste Märtyrer, ist das Inbild des vollkommenen, freimütigen, gelassenen Glaubenszeugen (Apg 7,56f.)
  • Wer sich zu Christus bekennt, stand zu jeder Zeit in Gefahr ausgegrenzt, verlacht, diskriminiert, verfolgt, getötet zu werden
  • Keine Erneuerung der christlichen Identität, Zeugniskraft ohne Schriftstudium, Glaubensbildung, Meditation, Psychologie
  • In Europa sind Vandalismus in Kirchen, Akte der Diskriminierung gegen den christlichen Glauben spürbar gestiegen  

Weihnachten ‒ Am Tag (ABC) | Joh 1,1–18 | 25.12.2020

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet.
Lux vera, quae illuminat omnem hominem.
(Joh 1,9)

  • Die »Menschwerdung« des göttlichen Wortes in Jesus Christus bildet spirituelle Grundlage, Weg und Vorbild für die Selbstwerdung des Menschen in Glaube, Hoffnung und Liebe, in personaler Reifung, Bewährung in Beziehung, Arbeit und Handeln 
  • „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich, sein Leben war das eines Menschen“ (Phil 2,6f)
  • Die ›Welt‹ erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11)
    • eine ausbeuterische Mentalität
    • eine reformblockierte Kirche
    • »Glaubensgeist« (Eph 3,17)
    • eine erschöpfte Gesellschaft
    • eine gleichgültige Funktionswelt
  • „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen die an seinen ›Namen‹ glauben“ (Joh 1,12)
  • „Aus Finsternis soll Licht aufleuchten, er ist in unserem Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi“ (2 Kor 4,6)
  • Gott wird im »Licht« Christi geschaut, im göttlichen »Dunkel«, wo durch Gottes Gnade und Glaubenshingabe des Menschen alle Finsternis der Sünde, alle ichhaften Absichten, eitlen Gedanken, Gottesbilder, Emotionen, Zweifel, weltliche Sorgen schweigen

>> Text des Johannesprologs
>> Was bedeutet Weihnachten?

Weihnachten ‒ In der Nacht (ABC) | Lk 2,1–14 | 24.12.2020

Ihr werdet ein Kind finden.
Invenietis infantem.
(Lk 2,12)

  • Der »Sohn«, die zweite Person des dreieinigen Gottes, das göttliche, ewige Wort (Logos), wird aus Gnade in Christus Jesus leibhaftig »Mensch«, teilt unsere existentielle Not (Phil 2,7), um die Menschheit neu mit Gott zu verbinden, zu erlösen, zu erleuchten (Gottes Heilswille)
  • In Jesus Christus sind »Gott« und »Mensch«, göttliche und menschliche Natur, reines Bewusstsein und Menschengeist, in untrennbarer Weise miteinander geeint (Joh 1,14), durch die Gnade Christi wird die Person des Glaubenden mit Gott verbunden, befreit und glückselig (Inkarnation)
  • Jesus von Nazareth, der von Maria geboren in eine »Krippe« gelegt wird, ist Gottes endgültiges Wort an die Menschheit, der wahre Messias, „Friedenskönig“ (Jes 9,5), welcher uns Gottes Weisheit und Liebe durch seine Person, Worte und Taten unüberbietbar verkündet (Offenbarung)
  • Wahrer »Friede« entsteht dort, wo die spirituelle Energie von Glaube, Hoffnung und Liebe Gegensätzliches, Entfremdetes und Getrenntes im Geist Christi wieder miteinander zur Einheit bringt (Eph 2,14), die ursprüngliche Gerechtigkeit wieder herstellt (Erlösung)
  • Christus wird dort im Geiste „geboren“, wo der Mensch seine spirituelle Sehnsucht nach »Einssein« mit Gott, sich selbst, anderen Menschen, allen Wesen verspürt (Joh 1,12), sein Herz leer aller Absichten, Gedanken, Bilder vom göttlichen Licht erfüllen läßt (Erleuchtung)

>> Weihnachtsevangelium
>> Was bedeutet Weihnachten?

Vierter Adventssonntag (B) | Lk 1,26‒38 | 20.12.2020

Für Gott ist nichts unmöglich.
Non erit impossible apud Deum.
(Lk 1,37)

  • Wachsames Gottsuchen kommt aus geisterfüllter Hoffnung 
  • Unerschütterliche Hoffnung gründet im demütigen Selbstvertrauen 
  • Wahres Selbstvertrauen wurzelt im unverletzbaren Seelengrund
  • Lauterer Seelengrund fließt unmittelbar aus ewigem Gottes Grund
  • Alles Wesentliche wird geboren aus gottempfänglichem Geist 

Dritter Adventssonntag (B) | Joh 1,6‒8.19-28 | 13.12.2020

Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt.
Medius vestrum stat, quem vos non scitis.
(Joh1,26)

  • Christus ist der »Unbekannte«, weil er Gott als Mysterium offenbart, das dem äußeren Menschen fremd ist (1 Kor 2,14)
  • Gott ist das »Geheimnis« meiner Existenz, er ist Ursprung, Mitte und Endziel meines irdischen Lebens (Kol 1,15)
  • Die Antwort auf die Frage »Wer bin ich?« ist ein in Raum und Zeit unabschließbarer Erkenntnisprozess (1 Kor 13,12f.)
  • Meine personale, spirituelle Identität, mein »Name« in Gott, ist eine alles Denken übersteigende Wirklichkeit (1 Joh 3,2)
  • Der Glaubende ist von seiner Personmitte (imago Dei) her einbezogen in das abgründige Geheimnis Gottes (Kol 3,3)

Zweiter Adventssonntag (B) | Mk 1,1‒8 | 6.12.2020

Er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
Ille baptizabit vos in Spiritu Sancto.
(Mk 1,8)

  • Johannes der Täufer verkündet in der Wüste die letzte Chance zur rettenden Umkehr, wer sich nicht bekehrt, läutert, ist dem Strafgericht verfallen, hat sich durch seine Abkehr von Gottes Gebot selbst gerichtet
  • Dass Christus mit »Heiligem Geist« („Feuer“) tauft, besagt eine spirituelle Wende,  Ablösung der »Wassertaufe« durch die »Geisttaufe«, der »Bußgesinnung« durch das Evangelium von der »Nähe Gottes« (Mk 1,15)
  • Mahnrede, Sündenbekenntnis, Umkehr haben einen vorläufigen, disponierenden, läuternden Charakter, sind eher motiviert von der Gottesfrucht, der Angst vor Gottes Endgericht (Mt 3,7)
  • Die Geisttaufe Christi entfernt jedoch nicht nur das Sündhafte, sondern verleiht der Seele darüber hinaus eine übernatürliche,  freundschaftliche, innige Verbindung mit Gott („Liebe“)  
  • Jesus Christus ist in seiner Person die Einung von Gott und Mensch, jeder an ihn Glaubende gewinnt im Empfang seines Geistes („Taufe“), in Christi Gnade, Anteil an seinem Gottesbewusstsein

Erster Adventssonntag (B) | Mk 13,24-37 | 29.11.2020

Meine Worte werden nicht vergehen.
Verba mea non transibunt.
(Mk 13,31)

  • Die »Adventszeit« mahnt zur Besinnung auf das Weltende, das Ziel der zeitlichen Schöpfung, welches in eins fällt mit dem endgültigen Anbruch der Gottesherrschaft, mit dem Weltgericht, mit der Wiederkunft Christi
  • In der Ewigkeit Gottes sind der Tod Abrahams, der Kreuzestod Jesu, meine Todesstunde, der Tod aller Menschen, die Auflösung des Kosmos und die Menschwerdung Christi, Gottesgeburt, ein einziges ewiges »Jetzt«
  • Alles, was ohne Gott geschieht, fällt ins Nichts, alles, was in Christus, aus der Wahrheit gemäß seiner »Worte« geschieht, vollendet sich, wenn es den Tod erleidet, in der Fülle Gottes zu ewigem Leben  
  • Die Geschichte der Menschheit entscheidet sich nicht durch Machbarkeit, Zufall oder Schicksal, sondern an ihrem existentiellen »Ja« oder »Nein« zur Wahrheit Christi, sie ist Maßstab, Prinzip und Weg zum Sein in Gott 
  • Ohne Verbindung mit Gottes Geist, ohne Gespür für das Wahre, Gute, Ewige wird der Mensch nicht fähig sein, seine technische Macht sinnvoll zu gebrauchen, steht er in Gefahr sich selbst und diese Erde zu zerstören