evangelium

Christkönigsonntag (A) | Mt 25,31-46 | 22.11.2020

Das habt ihr mir getan.
Mihi fecistis.
(Mt 25,40)

  • Nächstenliebe und Gottesliebe haben ein Sein der »Liebe« (caritas), sind jeweils gegenseitig Maßstab ihrer Lauterkeit (Mt 22,39), denn Leib, Seele und Geist bilden eine psycho-spirituelle Einheit
  • Kriterium des »ewigen Lebens« (25,46), »Gerechtseins» (25,37) ist die tätige Gottesliebe, welche den »Gekreuzigten« (Christus passus) in allen Dingen, besonders den Notleidenden, Armen verspürt, achtet, liebt
  • Das »Nichtwissen« der Gerechten um ihr solidarisches Tun (25,37) ist Hinweis auf die Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit, Zweckfreiheit wahrer Nächstenliebe (6,3), ihrem Freisein von jeder Werkgerechtigkeit (Lohndenken)
  • Jedes Handeln betrifft nicht nur den Menschen, sondern auch Gott selbst, sofern er aufgrund der »Ebenbildlichkeit« (Gen 1,26) und Erlösungsgnade Christi (1 Tim 2,4; Kol 1,16) in allen Menschen gegenwärtig ist  
  • Christus ist der »König« (Joh 18,37) mit der Dornenkrone, Gottes Allmacht, welche menschliche Armutsgestalt annimmt, damit in besonderer Weise den »Geringsten« (Mt 25,40) ihre Menschenwürde zurückgibt

33. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 25,14-30 | 15.11.2020

Jeden nach seinen Fähigkeiten.
Unicuique secundum propriam virtutem.
(Mt 25,15)

  • Das Gleichnis von den »anvertrauten Talenten« sinnbildet die Wirklichkeit des »Himmelreiches« (Reich Gottes), die eigene Verantwortung, Aufgabe, Weise für ein persönliches Wachstums in Glaube, Hoffnung und Liebe 
  • Ein Mann geht auf Reisen, vertraut seinen drei Knechten je nach ihren Fähigkeiten seinen Geldbesitz zur Verwaltung an, nach langer Zeit kommt er zurück, verlangt Rechenschaft, belohnt sie nach Erfolg ihres Verwaltens
  • Jesus unterscheidet drei Menschengruppen, drei Intensitätsstufen im geistlichen Wachstum, in der Bewährung während des Wartens auf das endzeitliche Offenbarwerden Gottes (Mt 25,31-46) 
    • Erster Knecht | 5 Talente + 5
    • Zweiter Knecht | 2 Talente + 2
    • Dritter Knecht | 1 Talent + 0
  • Die beiden ersten »Knechte« (Glaubende) setzen sich aktiv für den »Mann« (Gott), sein »Vermögen« ein (Evanglium), die anvertraute Gottesfreundschaft in Christus bringt bei ihnen Frucht, sie wachsen spirituell
    • Reise | Bewährungs/Lebenszeit
    • Talente | Glaubensfundament
    • Fähigkeiten | Begabung/Chancen 
    • Rückkehr | Weltgericht/Tod
    • Rechenschaft | nach Fähigkeit
    • Dazugewinn | Glaubenswachstum
    • große Aufgabe | Teilhabe an Gott
  • Der dritte Knecht versteckt sein »Talent«, trotz seiner Befähigung etwas für sein Glaubenswachstum tun zu können, bleibt er vollständig passiv, ohne Gottvertrauen, lässt sich von der Angst bestimmen

32. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 25,1-13 | 8.11.2020

Fünf waren klug.
Quinque prudentes.
(Mt 25,2)

  • Jesu Gleichnis von den »zweimal fünf Jungfrauen«, ihrem Warten auf den »Bräutigam« (Messias), mahnt die Gemeinde zum rechten Verhalten bis zum kommenden Weltende, der erhofften Wiederkunft Christi
  • »Klug« sind diejenigen, welche auch an Ersatzöl denken, »Töricht« sind hingegen, die nur ihre Lampen haben, jedoch nicht mit einer längeren Wartezeit bis zur Hochzeit in der Dunkelheit rechnen
  • Alle werden müde, schlafen schließlich ein, da sich die Ankunft lange hinauszögert, nur die Klugen sind gerüstet, da sie noch Ersatzöl für ihre Lampen haben, um den »Bräutigam«, wenn er kommt, zu empfangen 
  • Entscheidend ist die Vorsorge für hinreichend Öl als nötige Lichtquelle, um sich dem plötzlich erscheinenden »Messias« im Dunkel der Nacht zu erkennen geben zu können
    • Hochzeit | Weltende (Weltgericht)
    • Bräutigam | Christus (Messias)
    • Jungfrauen | Gemeinde (Glaubende)
    • Verzug | Prüfungszeit (Läuterung)
    • Schlaf | In-der-Welt-Sein (Ablenkung)
    • Lampen | Glauben (capax Dei)
    • Öl (mehr) | spirituelle Kraft (Potential)
    • Dunkelheit |  Gottesferne (Untrost)
    • Rufe | Hier und Jetzt (Präsenz Gottes)
    • Licht | lebendiger Glaube (Spr 13,9)
  • Die »klugen Jungfrauen« schlafen zwar auch ein, sind dadurch aber nur physisch abgelenkt, im Herzen verfügen sie über einen entwickelten, bewährten Glauben, um Gott im Hier und Jetzt zu empfangen
  • Der Glaube ist eine »Gnade« (lumen fidei), zugleich entscheidet der Mensch wesentlich mit über seine Reifung im Glauben, ohne Gemeinschaft, spirituelle Übung, Selbsterkenntnis, Beharrlichkeit stirbt der Glaube

Allerheiligen (A) | Mt 5,1-12 | 1.11.2020

Ihnen gehört das Himmelreich.
Ipsorum est regnum caelorum.
(Mt 5,3)

  • Jesus lehrt die Menschen wie Mose vom »Berg« Sinai aus (Ex 19,20), im Tröstergeist des Propheten Jesaja (Jes 61,1-11) vertieft seine „Bergpredigt“ das Verständnis der Gebote Gottes (Thora)
  • Das »Seligsein« spricht er den Armen aus Gottesgeist (Demut), Trauernden, Gewaltlosen, Gottsuchenden (Hunger), Barmherzigen, Einfältigen („ein“ Herz), Friedensstifter, Verfolgten zu
  • Die erste Seligpreisung (Arme) und die achte Trostzusage (Verfolgte) bilden eine Einheit, besonders die sind Freunde Gottes, welche aus dem Geist der Wahrheit für Gott, das Evangelium leiden
  • Wo aus Gottesgeist Demut, Mitgefühl, Sanftmut, Sehnsucht, Solidarität, Lauterkeit, Frieden, Martyrium verwirklicht wird, da ist Gottes Trost unter uns gegenwärtig (Mt 12,28)
  • Im Glauben an Christus beginnt schon jetzt das messianische Friedensreich am Ende der Zeiten, die Fülle der göttlichen Seligkeit, mystische Gotteinung in Gottes ewigem Leben (Mt 5,8)

30. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 22,34-40 | 25.10.2020

Welches Gebot ist das wichtigste?
Quod est mandatum magnum?
(Mt 22,36)

  • Das Gebot vor allen anderen Geboten, ist das der »Gottesliebe« (Dtn 6,5), mit „ganzem Herzen“, ungeteilte Hingabe, frei von Absichten, Anhänglichkeit an vergängliche, nichtige Dinge
  • Das zweite Gebot, das der »Nächstenliebe« (Lev 19,18), welches Jesus universell versteht, ist dem Hauptgebot gleichrangig, gleichwertig, beide zusammen bilden die Essenz der Thora
  • Es gilt der Grundsatz: Alle Geschöpfe in Gott lieben (Mt 10,37), Gott in allen Geschöpfen lieben (25,40), Gottesliebe läutert die Menschenliebe, Mennschenliebe vertieft die Gottesliebe
  • Echte Liebe, besonders von Mann und Frau, ist ein Realsymbol für das Ineineinander gott-menschlicher Liebe, die Einung von Geist, Seele und Leib in der göttlichen Liebe
  • Oft werden caritative Aktionen verzweckt („Nächstenliebe“), um vom kirchlichen Reformstau abzulenken, umgekehrt sind religiöse, liturgische Interessen („Gottesliebe“) Vorwand sozial nichts zu tun 

29. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 22,15-21 | 18.10.2020

Wessen Bild ist das?
Cuius est imago haec?
(Mt 22,20)

  • Den Gegnern Jesu geht es nicht um Gottes Gebot, sie haben „böse Absicht“ (Mt 22,18), entsprechen damit den bösen »Winzern« im Gleichnis (21,41)  
  • Das Streitgespräch dreht sich um die Gewissensfrage nach Berechtigung der römischen Kopfsteuer für die Mitglieder des Volkes Israel (22,17)
  • Die „Falle“ (22,18) besteht in einer widersprüchlichen »Doppelbindung« (Dilemma), welche nicht durch ein »Nein« oder »Ja« gelöst werden kann
  • Bejaht Jesus die Kopfsteuer (Kaiserkult) bricht er das 1. Gebot (Ex 20,4f.), verneint er die Steuerzahlung (Zeloten) wäre es politische Rebellion
  • Jesus konfrontiert: Seine Gegner tragen selbst Denare mit dem Bildnis des „göttlichen Augustus“ bei sich, heucheln vermeintliche Thoratreue

28. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 22,1-14 | 11.10.2020

Viele sind gerufen, wenige auserwählt.
Multi sunt vocati, pauci vero electi.
(Mt 22,14)

  • Matthäus verbindet Jesu Gleichnis von »Königlichen Hochzeitsmahl« (22,1-10) mit einem Gleichnis vom »Gast ohne Festgewand« (22,2.11-13)
  • Die geladenen, primären Gäste lehnen die Einladung ab, wie die bösen »Weinbauern« (21,41), verweigern sie sich der Gnade Gottes
  • Das »Hochzeitsmahl« symbolisiert das messianische Friedensreich, die Erwählung zu Gottes Freunden zu gehören durch das Hören auf Christus  
  • Die zweite Einladung besagt („alle, die ihr trefft“), dass nicht religiöse Gruppenzugehörigkeit vor Gott zählt, sondern Umkehrbereitschaft 
  • Jeder Mensch ist von Gott „erwählt“ (22,14), der ein »Hochzeitsgewand« trägt, will sagen mit Gottvertrauen, Dankbarkeit, Demut, Reue bekleidet ist

27. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 21,33-44 | 4.10.2020

Als nun die Erntezeit kam.
Cum tempus fructuum appropinquavit. 
(Mt 21,34)

  • Jesu Gleichnis von den »gewalttätigen Weinbauern« ist eines der umstrittensten, schwierigsten Geleichnisse, es hat dem Antisemitismus fatalerweise als eine Begründung gedient 
  • Vielfach wurde es antijudaistisch im Sinne einer heilsgeschichtlichen, radikalen Verwerfung des jüdisches Volkes, kollektiven Enterbung Israels gedeutet, an dessen Stelle die reine »Kirche« tritt
  • Im Blick auf Jes 5,1-7 steht der »Weinberg« für das „Haus Israel“ (Volk Gottes), welches nicht die erwarteteten »süßen Trauben« bringt (Gerechtsein), der »Gutsbesitzer« ist Gott:
    • Weinberg | Erwählung Israels           
    • Winzer | religiöse Führer
    • Früchte | Gerechtsein
    • Knechte | Propheten
    • Senden | Gottes Geduld
    • Gewalt | Verstockung
    • Sohn/Erbe | Christus
    • Sohn töten | Kreuzigung
    • Bestrafen | Endgericht
    • Verpachten | neues Gottesvolk
  • Jesus offenbart in Gleichnisform die tiefe Entäuschung Gottes über sein Volk, besonders seiner Hauptverantwortlichen, nach einer langen Geschichte verweigerter Umkehr, ohne spirituelles Fruchtbringen (Mt 5,12)
  • Nicht ethnische Abstammung, äußeres Bekenntnis, religiöse Macht, ethische Leistung erben das Reich Gottes, entscheidend ist die persönliche, selbstlose Glaubensgerechtigkeit aus Gottes Gnade (Röm 9-11)

26. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 21,28-32 | 27.9.2020

Geh und arbeite heute im Weinberg!
Vade hodie, operare in vinea.
(Mt 21,28)

  • Der »Weinberg« sinnbildet das Bewährungsfeld tätiger Nachfolge, das vorbehaltlose »Ja« zu Gottes Reich, Gottes Weisung
  • Entscheidend ist nicht religiöse Gruppenidentität, äußeres Bekenntnis, sondern eine personal verwirklichte Glaubensgerechtigkeit
  • Widerstand gegen Gottes Wort ist eine natürliche Reaktion des »Ich«, da das Evengelium ein Loslassen eigener Intentionen erfordert
  • Spirituelles Wissen, liturgische Feierlichkeit, rituelle Reinheit ohne Veränderungsbereitschaft, Gerechtigkeit, Demut ist vor Gott nichtig
  • Keine Erneuerung der Kirche ohne Humanpyschologie, Spiritualität, Ökumene, Kontemplation, moderne Kulturwerte, Medienaskese

25. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 20,1-16 | 20.9.2020

Die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten die Letzten.
Sic erunt novissimi primi, et primi novissimi.
(Mt 20,16)

  • Der Mensch hat jeden Augenblick seines Lebens die Chance umzukehren, von Gott angenommen zu werden
  • Persönliche Begegnung mit Gott, in welcher Lebensstunde auch immer, ist nicht machbar, eine Fügung Gottes
  • Gottes Gnade gilt jedem, der Gott ernsthaft sucht, Glauben annimmt, rechnet sich nicht nach irdischen Maßstäben 
  • Zeichen wahren Glaubens, geistiger Erleuchtung, rechter Gesinnung, ist die Neidlosigkeit auf die Begnadung anderer
  • In der Gnade Christi, in Gottes Leben, gibt es kein spirituelles »Mehr« oder »Weniger«, »Besser« oder »Schlechter«

24. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 18,21-35 | 13.9.2020

Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen.
Omne debitum illud dimisi tibi.
(Mt 18,32)

  • Grundmerkmal des Christseins ist Vergebungsbereitschaft, die nicht nach Vergeltungsmaßstäben rechnet
  • Jeder Mensch ist im Feld der Gottesferne persönlich, schicksalhaft in Angst, Sünde und Schuld verstrickt
  • So wie Gott dem Glaubenden vergibt, so soll dieser allen vergeben, die bei ihm in der Schuld stehen
  • Empfinden für die kollektive Schuldverhaftetheit der Menschheit, aus der nur Gottes Gnade befreien kann
  • Vergeben-Können ist eine Gabe Gottes, befreit aus Anhaftung an Erinnerung, Unrecht, Gewalt, Leiden  

23. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 18,15-20 | 6.9.2020

Wo zwei oder drei in meinen Namen versammelt sind.
Ubi sunt duo vel tres congregati in nomine meo.
(Mt 18,20)

  • Gemeinsam in Christi Namen Gottes Gegenwart zu erfahren, ist an psychologische, spirituelle Voraussetzungen gebunden
  • Fundament bildet der Glaube an Jesus Christus, ein Gespür für das Geheimnis Gottes, die bewusste Suche nach Gott in allen Dingen
  • Hinzu kommt ein Streben nach Vortrefflichkeit, ethisches Verhalten in Wort und Handeln, eine solidarische Gemeinschaft
  • Geistliche Praxis, Gespräch, Kritik in der Gruppe müssen authentisch sein, ihre gemeinsame spirituelle Grundform prägen
  • Medium des »In-Christus-Seins« ist besonders eine lebendige Liturgie, ein existentieller Austausch über Glaubensfragen

22. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 16,21-27 | 30.8.2020

Was Gott will.
Quae Dei sunt.
(Mt 16,23)

  • Petrus ist guten Willens, jedoch ist es sein Eigenwille, nicht Gottes Vorsehung
  • Dass Gott sich in Christus entäußert, unschuldig leiden soll, ist schockierend
  • Erst im Licht von Ostern beginnt der Jüngerkreis den Weg Jesu zu begreifen 
  • Gott geht in Christus für den Menschen ins Leiden, solidarisiert sich mit ihm
  • Zeichen echter Spiritualität ist selbstlose Hingabebereitschaft um Gottes willen 

21. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 16,23-20 | 23.8.2020

Du bist der Messias.
Tu es Christus.
(Mt 16,16)

  • Petrus bekennt, dass Jesus der Messias, Christus, Gottes Sohn ist
  • Glaube ist beides: Vertrauen auf Gott und Bekenntnis zu Christus
  • Bloßer Vertrauensglaube ohne Bekenntnis bleibt blind, ohne Gestalt
  • Reiner Bekenntnisglaube ohne lebendige Innerlichkeit bleibt leer
  • Glaubenswissen (Wahrheit) und Glaubenserfahrung (Trost) sind eins

20. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 15,21-28 | 16.8.2020

Dein Glaube ist groß!
Magna fides tua!
(Mt 15,28)

  • Gott ist gegenwärtig, wo persönlicher Glaube ist
  • Glaube im Menschen ist gewirkt aus Gottes Geist
  • Zentrum christlicher Spiritualität ist der Glaube
  • Wachstum im Gottvertrauen ist das spirituelle Ideal
  • Glaube in Christus ist universell, verbindet im Geist

Mariä Aufnahme in den Himmel – Am Tag (ABC) | Lk 1,39-56 | 15.8.2020

Erhöht die Niedrigen.
Exaltavit humiles.
(Lk 1,52)

  • Maria sinnbildet in der mystischen Tradition die lautere »Demut« (Mt 5,3)
  • Dort, wo vollkommene »Demut« (humilitas) ist, geschieht Einung mit Gott
  • Demut meint unmittelbare, geschöpfliche Empfänglichkeit für Gottes Sein
  • Bewusstheit für eigene Nichtigkeit, da aus dem »Nichts« von Gott geschaffen 
  • Einung der Seele mit Gott schützt im Tod vor dem Schmerz der Gottesferne  

19. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 14,22-33 | 9.8.2020

Um in der Einsamkeit zu beten.
Solus orare.
(Mt 14,23)

  • Jesu Meditation, allein auf dem Berg, sinnbildet seine innere Einsamkeit
  • Weil er einsam ist mit Gott, dem »Einen«, kann er uns Gott offenbaren
  • Das Einsein mit Gott ermöglicht ihm eine einmalige Nähe zum Menschen
  • Gebet meint eine innere »Erhebung des Geistes« (elevatio mentis) zu Gott
  • Im Beten ist empfängt Christus Erleuchtung, Kraft, Schutz für seinen Weg

Verklärung des Herrn (A) | Mt 17,1-9 | 6.8.2020

Eine leuchtende Wolke.
Nubes lucida.
(Mt 17,5)

  • Die »Wolke« ist Symbol der verborgenen, mystischen Gottespräsenz (Ex 34,5)
  • Ineinander von »Offenbarung« (Theophanie) und »Geheimnis« (Gottesdunkel)
  • Christus offenbart das Geheimnis Gottes, indem er zugleich personal vertieft
  • Unbegreiflichkeit, Überhelle, Abgründigkeit Gottes löst spirituelle Angst aus
  • Berührung von Gottes Gegenwart macht den Ernst des Menschseins bewusst

18. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 14,13-21 | 2.8.2020

Hatte er Mitleid mit ihnen.
Misertus est eorum.
(Mt 14,14)

  • »Mitleid« (compassio) ist allumfassendes, emphatisches, lauteres Mitgefühl
  • Existentielle Solidarität mit allen leidenden Menschen in ihrer Verlassenheit
  • Grundlage ist ein Empfinden für das Armsein aller Wesen ohne Halt in Gott
  • In Christus wird Gott selbst arm, nimmt für uns eine verletztliche Existenz an 
  • Leere des schmerzvollen Nichts so unterfangen von Gottes ewiger Würde   

17. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 13,44-52 | 26.7.2020

Wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.
Thesauro abscondito in agro.
(Mt 13,44)

  • Der »Schatz« ist Gott selbst, auch mit alldem, wodurch er Trost verleiht
  • Berührtwerden von Christi Wort, Gottes Präsenz, ist seine »Entdeckung«
  • Es ist eine Gnade, glückliche Fügung, Gott selbst wahrhaft zu erfahren
  • Der »Acker« bezeichnet diese Welt, welche Gottes Sein oftmals verdeckt 
  • Gott, sein Leben in mir, ist unendlich mehr als alles Haben und Besitzen

16. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 13,24-43 | 19.7.2020

Unkraut unter den Weizen.
Zizania in medio tritici.
(Mt 13,25)

  • Grundregel der Feindesliebe: „Leistet dem Bösen keinen Widerstand“ (Mt 5,39)
  • Wer Böses unmittelbar zu bekämpfen sucht, vernichtet dabei zugleich Gutes 
  • Denn das Übel gründet nicht in sich, sondern haftet an etwas, das gut ist 
  • Ich widerstehe dem Bösen durch klare Entschiedenheit für das Gute, Wahre
  • Negatives wird überwunden, indem ich die Energie ins Positive fließen lasse

15. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 13,1-23 | 12.7.2020

Ein Sämann ging hinaus, um zu säen.
Exiit, qui seminat, seminare.
(Mt 10,31)

  • Sämann: Jesus Christus
  • Same: Glaubensverkündigung
    • Gott als Urgrund allen Seins
    • Gottes Präsenz in allen Dingen
    • Christus, Gottes Wort, in der Welt
    • Gottes Innesein im Seelengrund
    • Trost im allem Guten, Wahren  
  • Erdreich: Menschenherz
  • Frucht: Glaubensannahme 

14. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 11,25-30 | 5.7.2020

Lernt von mir.
Discite a me.
(Mt 10,29)

  • Geistliche, ethische Vortrefflichkeit ist Frucht eines Ineinandergreifens, Zusammenwirkens von Gottes Gnade und spiritueller Übung unter dem Einfluß des Heiligen Geistes 
  • Verwirklichung des Willen Gottes, der Zehn Gebote, Weisungen der Bergpredigt ist ein Leib, Seele und Geist umfassender, lebenslanger, praktischer, geistlicher Lernprozeß
  • Nachfolge Christi ist „leicht“ (Mt 11,30), weil unmittelbares Gottvertrauen, die Liebe zu Gott, das Zentrum des Evangeliums bildet, nicht rituelle Gebote, asketische Leistung
  • Streben nach »Vollkommenheit« (5,48), der Weg, den Christus lehrt, ist „schmal“ (7,13), weil er persönliche,  ganzheitliche, vorbehaltlose Hingabe an Gottes Willen erfordert
  • Ohne Bereitschaft von Christus zu lernen, Interesse an geistlichem Leben, Einübung von Schriftlesung, Meditation, tugendhaften Handeln gibt keine kirchliche Erneuerung 

13. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 10,37-42 | 28.6.2020

Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren.
Qui invenerit animam suam, perdet illam.
(Mt 10,39)

  • Haben-wollen trennt vom Wesensgrund der Dinge
  • Aufgabe des Eigenwillens versetzt ins wahre Selbst
  • Meine tiefste Identität und Gottes Wille sind eins 
  • Wahres Leben verwirklicht sich in lauterer Hingabe
  • Alle Geschöpfe selbstlos in Gott lieben, Gott in ihnen 

12. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 10,26-33 | 21.6.2020

Fürchtet euch also nicht!
Nolite ergo timere!
(Mt 10,31)

  • Je orientierungsloser, ichbezogener, verletzter der Mensch, desto stärker die Tendenz sich von irrationalen Ängsten bestimmen zu lassen
  • Gute Beziehungen, Selbstvertrauen, Klugheit, Tapferkeit, humane Werte, spirituelle Bildung helfen Ängste produktiv zu verarbeiten
  • Es gibt Dinge vor denen sollte ich keine Angst haben, es gibt Dinge vor denen  ich reale Angst haben sollte, damit ich Fortschritte mache
  • Vertrauen, Liebe zu Gott ist eine bessere Motivation als moralisches Vollkommenheitsstreben, spirituelle Erfahrung, Gottesfurcht 
  • Göttliche Liebe in Christus befreit den Menschen von seiner Angst um sich selbst, Angst vor Gott, vor dem Tod, dem Nichts, der Leere

11. Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 9,36-10,8 | 14.6.2020

Es gibt nur wenig Arbeiter.
Operarii autem pauci.
(Mt 9,37)

  • Die Weitergabe des Evangeliums leidet schon zur Zeit Jesu an einem unaufhebbaren »Personalmangel«
  • Es sind nur 12 »Apostel«, die Christus auserwählt, bevollmächtigt, zur Missionspredigt aussendet
  • Gäbe es in jedem Bistum 12 »Geistliche Zentren«, in dem Katechese, Liturgie, Kontemplation eine Einheit bilden
  • Das Wort Jesu „Viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte“ (Mt 22,16) ist ein geistliches Wesensgesetz
  • Göttliches, Mystik, Spirituelles, Tugend, Weisheit ist nie »Vieles«, denn „Gott ist ›der Eine‹“ (Röm 3,30)

Hochfest des Leibes und Blutes Christi (A) | Joh 6,51-58 | 11.6.2019
Fronleichnam

Ich bin das lebendige Brot.
Ego sum panis vivus.
(Joh 6,51)

  • Christus, gegenwärtig in allen Dingen als Urbild aller Wesen
  • Christus, gegenwärtig im Glaubenden durch den Heiligen Geist
  • Christus, gegenwärtig unter den Gestalten von Brot und Wein
  • Christus, gegenwärtig im Grund der Seele durch seine Gnade
  • Christus, gegenwärtig in aller Wahrheit als göttliches Licht 

Dreifaltigkeitssonntag (A) | Joh 3,16-18 | 7.6.2020

In die Welt gesandt.
Misit in mundum.
(Joh 3,17)

  • „Alle gute Gabe kommt von oben herab, von dem ›Vater‹ des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts“ (Jak 1,17)
  • „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen ›Sohnes‹, vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14)
  • „Ich will den Vater bitten und er wird euch einen anderen Tröster geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit: den ›Geist‹ der Wahrheit“ (Joh 14,16)
  • „Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch gesagt habe“ (Mt 28,19)
  • „Ihr empfingt den Geist der Sohnschaft, in dem wir rufen: Abba, Vater. Der Geist selbst mitbezeugt unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind“ (Röm 8,15)

Pfingstmontag (A) | Joh 15,26-16,3.12-15 | 1.6.2020

Auch ihr sollt Zeugnis ablegen.
Sed et vos testimonium perhibetis.
(Joh 15,27)

  • Kirche, mystischer Leib Christi, sucht erfahrene, kluge Meditationslehrer
  • Kirche, Gemeinschaft der Glaubenden, sucht kontemplative, lebendige Liturgie
  • Kirche, Geschöpf des Heiligen Geistes, sucht zeitgemäße geistliche Formen
  • Kirche, Grundsakrament der Gnade, sucht mystagogische Seelsorgerinnen
  • Kirche, Mittlerin spiritueller Weisheit, sucht Räume für Katechese, Meditation

Pfingsten – Am Tag (A) | Joh 20,19-23 | 31.5.2020

Friede sei mit euch.
Pax vobis.
(Joh 20,19)

  • An »Pfingsten« (Fest des 50. Tages), einem der drei großen Wallfahrtsfeste (Lev 23,16), kommt der Heilige Geist, wie von Christus den Seinen prophezeit, auf die Urgemeinde herab (Apg 2,1-13)
  • Der Dank an Jahwe für die Gerstenernte verbindet sich mit dem Gedächtnis an Gottes Offenbarung auf dem Berg Sinai, dem Bundesschluss mit Israel, die Gabe der Thora (Ex 20)
  • Die »Feuerzungen« (Apg 2,3) erinnern an Ex 19,18 („der Herr war im Feuer herabgestiegen”) und Lk 3,16 („wird euch mit Feuer taufen”), sinnbildet die Geistgabe universeller Erkenntnis
  • Der Geist Jesu Christi erleuchtet den Intellekt des Menschen, hebt die Entfremdung unter den Menschen, die »Babylonische Sprachverwirrung« (Gen 11,9), als Quelle von Unfriede, Gewalt und Krieg auf 
  • Aus eigener Kraft findet der Mensch keinen Frieden mit sich selbst, anderen Menschen und Gott, er bedarf der Erleuchtung durch das »Heilige Pneuma«, um Gottes Willen erkennen, tun zu können

Pfingsten am Vorabend – Pfingstvigil (ABC) | Joh 7,37-39 | 30.5.2020

Ströme von lebendigem Wasser.
Flumina fluent aquae vivae.
(Joh 7,38)

    • Am »Laubhüttenfest«, eines der großen Wallfahrtsfeste, dem herbstlichen Erntedank, offenbart sich Jesus im Jerusalemer Tempel als Heilbringer
    • Das Wohnen in Hütten erinnert an die Wüstenwanderung Israels, ohne Gottes Geleit nützt selbst die feste Wohnung nichts  (Lev 23,43)
    • Die festliche Wasserschöpfungszeremonie, ihre Fruchtbarkeitssymbolik, bezieht Jesus auf seine gottmenschliche, spirituelle Kraft
    • »Wasser« ist Ursprung physischen Lebens, der »Geist Gottes« ist Heilsquelle göttlichen, mystischen Lebens
    • Der »Durst« nach wahrem Glück, ewiger Lebenslebendigkeit, findet im Glauben an Christus seine Erfüllung

    7. Sonntag der Osterzeit (A) | Joh 17,1-11 | 24.5.2020

    Das ist das ewige Leben.
    Haec est vita aeterna.
    (Joh 17,3)

    • Christus steht vor seiner Passion, »Vater« und »Sohn« gehen im gemeinsamen Geist der Weisheit, Liebe in das stellvertretende Leiden
    • In seinem »Abschiedsgebet«, der Hingabe an Gottes Vorsehung, verbindet er die gottentfremdete Menschheit innerlich wieder mit Gott
    • Der unschuldige, leidende Messias betet um dasjenige, was der gottvergessene Mensch aus eigener Kraft nicht zu wirken vermag
    • Jesus, der Gerechte, bittet für uns um »ewiges Leben«, Schutz durch Gottes Geist auf unserem Glaubenweg durch eine gottfremde Welt 
    • Im Christusglauben geschieht Auferstehung aus Sündentod, wird der Glaubende in Gott versetzt, erfüllt sich Sehnsucht nach ewigem Leben

    Christi Himmelfahrt (A) | Mt 28,16-20 | 21.5.2020

    Ich bin bei euch.
    Ego vobiscum sum.
    (Mt 28,20)

    • An »Himmelfahrt« wird der Auferstandene in seiner leibhaftigen, präsenten Erscheinungsform endgültig den Zeugen der Osterereignisse entzogen
    • Heilsgeschichtlich bedeutet es seine »Entrückung« zu Gott, Inthronisierung als messianischer Weltenherrscher „zur Rechten des Gottes” (Lk 22,69)
    • Die Apostel, Jüngerinnen sind nun selbst gerufen, stellvertretend für den irdischen Christus die Auferstehungsbotschaft allen zu bezeugen
    • Dies sinnbildet den spirituellen Reifungsschritt von einer persönlichen Glaubenserfahrung hin zu einer universellen Zeugenschaft 
    • Im mystischen Sinne meint »Himmelfahrt« die gnadenhafte Erhöhung, geistliche Reintegration unserer Menschennatur in Gottes Leben

    6. Sonntag der Osterzeit (A) | Joh 14,15-21 | 17.5.2020

    Geist der Wahrheit.
    Spiritus veritatis.
    (Joh 14,17)

    • Gottes Geist ist Wahrheit, weil er das lautere Wesen offenbart
    • Gottes Geist ist Trost, weil er mit göttlichem Leben verbindet
    • Gottes Geist ist Gnade, weil er uns zu Freunden Gottes macht
    • Gottes Geist ist Störung, weil er ichhaftem Eigensinn widersteht
    • Gottes Geist ist Energie, weil er spirituelle Evolution bewirkt

    5. Sonntag der Osterzeit (A) | Joh 14,1-12 | 10.5.2020

    Ich bin der Weg.
    Ego sum via.
    (Joh 14,6)

    • Durch Kreuz und Auferstehung geht Christus den Seinen zu Gott voraus 
    • Er ist der »Weg« zu Gott, weil er Gottes Wahrheit und Leben verkörpert 
    • Christus offenbart das Geheimnis Gottes, indem er es in seiner Person vertieft
    • Gläubige Annahme seiner Vollmacht gibt Anteil an seinem göttlichen Leben
    • Christsein ist ein spiritueller »Weg« der Gotteinung in Glaube, Hoffnung, Liebe

    4. Sonntag der Osterzeit (A) | Joh 10,1-10 | 3.5.2020

    Ich bin die Tür.
    Ego sum ostium.
    (Joh 10,9)

    • Das Bildwort von der »Tür« besagt, dass Christus der wahre Mittler zu Gott ist
    • Es heißt: „Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein“ (Ps 118,20)
    • Seine Person zeigt uns den Weg, seine Gerechtigkeit gewährt den Zugang
    • Nicht Esoterik, Religion, Denksysteme, Moral, Psychologie sind die »Tür«
    • Welche Menschen haben mich mit Christus, Gott in Berührung gebracht?

    3. Sonntag der Osterzeit (A) | Joh 21,1-14 | 26.4.2020

    Daß Jesus sich den Jüngern offenbarte.
    Manifestatus est Iesus discipulis.
    (Joh 21,14)

    • Die österliche Erscheinung am See von Tiberias ist eine leibhaftige Selbstoffenbarung Christi als von Gott erhöhten »Kyrios« (Joh 21,7)
    • Erst durch den unerwarteten Fischfang, Jesu Mahleinladung, die Gabe von Fisch und Brot erkennen die Jünger ihn als Auferstandenen (Lk 24,35)
    • Die 153 Fische (Joh 21,11) bilden eine »Dreieckszahl«, meint Totalität, die universelle Bedeutung von Auferstehung, Mission und Taufe (Ez 47,10)
    • Der übergroße Fischfang nach einer vergeblichen Nacht besagt, dass ein Missionserfolg der »Menschenfischer« (Mk 1,17) allein Gottes Werk ist 
    • Sie haben Erfolg, weil Christus nicht nur sagt, »Was« zu tun ist (Fischen), vielmehr auch »Wie« (rechts), meint im reinen Vertrauen auf ihn (Apg 2,33)

    2. Sonntag der Osterzeit (A) | Joh 20,19-31 | 19.4.2019
    Weisser Sonntag

    Damit ihr durch den Glauben das Leben habt.
    Ut credentes vitam habeatis.
    (Joh 20,31)

    • Glaube ist Berührtsein vom Kreuzesleiden
    • Glaube ist Ergriffensein von Gottes Geist
    • Glaube ist Annahme der Gegenwart Gottes
    • Glaube ist Beginn mystischer Gotteinung
    • Glaube ist Teilhabe an Christi Auferstehung

    Ostermontag (ABC) | Lk 24,13-35 | 13.4.2020

    Wie sie ihn erkannt hatten als er das Brot brach.
    Quomodo cognoverunt eum in fractione panis.
    (Lk 24,35)

    • Leib Christi bestärke mich
    • Geist Christi erleuchte mich
    • Glaube Christi geleite mich
    • Seele Christi befreie mich
    • Blut Christi tröste mich

    Ostersonntag (ABC) | Joh 20,1-18 | 12.4.2020

    Er sah und glaubte.
    Vidit et credidit.
    (Joh 20,8)

    • »Auferstehung« meint nicht bloß ein Gott-Erfahren, die Unsterblichkeit der Seele Jesu erkennen
    • Dass Gott existiert, die Seele ewig besteht, daran bestand für die Jüngerinnen, Apostel kein Zweifel
    • Entscheidende Frage war vielmehr, ob der »Gekreuzigte« tatsächlich der Messias, Gottes Sohn ist
    • Jesus wird als der durch Gott leibhaftig Auferweckte, Neu-Lebende von Gott her sichtbar gemacht
    • In »Ostervisionen« wird der gekreuzigte Messias als Erlöser, Gottes endgültiges Wort bestätigt

    Osternacht (A) | Mt 28,1-10 | 12.4.2020

    Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden.
    Non est hic, resurrexit enim.
    (Mt 28,6)

    • Nicht Dies,  Nicht Das
    • Nicht Leben, Nicht Tod
    • In-Über-Sein-In-Gott 
    • Nicht Sein, Nicht Nichts
    • Nicht Dort, Nicht Hier
       

    Karsamstag (ABC) | 11.4.2020

    Das Licht leuchtet in der Finsternis.
    Lux in tenebris lucet. 
    (Joh 1,5)

    • Nichts
    • Leere
    • Stilles Geschrei
    • Leiden
    • Nacht
       

    Karfreitag (ABC) | Joh 18,1-19,42 | 10.4.2020

    Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
    Regnum meum non est de mundo hoc.
    (Joh 18,36)

    • Würde seines Leibes
    • Adel seiner Seele
    • Licht seines Glaubens
    • Opfer seines Lebens
    • Frucht seiner Liebe

    Gründonnerstag (ABC) | Joh 13,1-15 | 9.4.2020

    Anteil an mir.
    Partem mecum.
    (Joh 13,8)

    • Neuer Wein in alten Schläuchen 
    • Glaubensmystik ohne Raum
    • Eucharistie im Exil
    • Funktionsliturgie ohne Geist
    • Alter Wein in neuen Schläuchen

    Palmsonntag (A) | Mt 21,1-11 | Mt 26,14-27,66 | 5.4.2020

    Er ist friedfertig.
    Mansuetus.
    (Mt 21,5)
    Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst.
    Salva temetipsum, si Filius Dei es. 
    (Mt 27,40)

    • Christus ist in Person der »Friede« zwischen Gott und Mensch
    • Er verwirklicht Gottes Herrschaft im Geist ohne Gewalt
    • Verspottung und Jubel trägt er in gelassener Hingabe an Gott
    • Unerschüttliches Gottvertrauen im abgründiger Gottesfinsternis
    • Im Gekreuzigten umfängt Gott den Schmerz aller Leidenden 

    5. Fastensonntag (A) | Joh 11,1-45 | 29.3.2020

    Ich bin die Auferstehung und das Leben.
    Ego sum resurrectio et vita.
    (Joh 11,25)

    • Die Wirkmacht des Gebets Jesu liegt in seiner Gotteinung
    • Hauptgefahr ist der »Seelentod«, ewig Lebend-tot-Sein
    • Christus erweckt kraft seiner Auferstehung aus dem »Nichts«
    • Gottes Geist übertragt das »Neue Sein« auf den Glaubenden
    • Leibliches Auferstehen gründet in der Schöpfermacht Gottes

    4. Fastensonntag (A) | Joh 9,1-41 | 22.3.2020

    Ich glaube, Herr!
    Credo, Domine!
    (Joh 9,38)

    • Krankheit, Leiden, Unglück sind bittere Realität, ihre Ursachen können wir oft erkennen, jedoch die Frage »Warum« bedrängt uns, findet, wenn überhaupt, viel schwieriger eine tröstende Antwort, besonders wenn es unschuldige Menschen, Kinder trifft
    • Der »Blindgeborene« (Joh 9,2) steht für den Menschen, der ohne persönliche Schuld, bestimmte Verfehlung vor Gott, ein unaufhebbares Leiden erdulden muss, wobei ihm für sein Geschick jede rationale, religiöse, geistliche Erklärung, ein Zuspruch fehlt
    • Das Urteil der Pharisäer (9,2.34) ist Ausdruck eines oberflächlichen, verdrehten, selbstgerechten rituellen Gottesbildes, eines »Gottes«, der schon auf Erden jeden richtet, mit dem, was sich faktisch ereignet, die »Gerechten« und die »Sünder« bestraft 
    • Die Provokation des Leidens, dessen radikale Abgründigkeit wird wegerklärt, verdrängt: „Selbst schuld“, „Strafe Gottes“, „göttliche Pädagogik“, „Vorsehung“, „Karma“, „Unwissen“, „Naturnotwendigkeit“, „Schicksal“, „blinder Zufall“, „Ist eben so“, „Alles egal“
    • Christus erklärt das Leiden des Blinden nicht (9,3), es ist für sich allein genommen sinnlos, ohne jede geistliche Frucht, erst dadurch, dass es im bildlos-reinen Vertrauen auf Gott als abgründiges »Geheimnis« bezogen wird, berührt es den erleuchtenden Lichtgrund

    3. Fastensonntag (A) | Joh 4,5-42 | 15.3.2020

    Gott ist Geist.
    Spiritus est Deus.
    (Joh 4,24)

    • Gott ist keine materielle Substanz
    • Gott ist kein biologisches Leben
    • Gott ist kein psychisches Wesen
    • Gott ist keine mentale Wirklichkeit
    • Gott ist keine spirituelle Erfahrung

    2. Fastensonntag (A) | Mt 17,1-9 | 8.3.2020

    Er wurde vor ihnen verwandelt.
    Transfiguratus est ante eos.
    (Mt 17,2)

    • Die »Verklärung« (transfiguratio) sinnbildet das Durchlässigwerden der leiblich-seelischen Wirklichkeit für die göttliche Präsenz
    • Leitgedanke der Fastenzeit, geistlichen Läuterung, meditativen Einübung:„Transparenz für Transzendenz“ 
    • Reduktion sinnlicher Reize, Verzicht auf Medienkonsum, überflüssige Nahrung, ziellose Aktivitäten macht den Leib sensitiver 
    • Psychische Askese, Gedanken-Stopp verführerischer, aggressiver, negativer Seelenbewegungen läutert den Geist  
    • Kerngeschehen, um für den göttlichen Einfluß empfänglich zu sein, ist die Übereignung der Person an Gottes Willen

    Erster Fastensonntag (A) | Mt 4,1‒11 | 1.3.2020

    Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt.
    Iesus ductus est in desertum a Spiritu.
    (Mt 4,1)

    • »Wüste« meint die weltliche Welt in ihrer untergründigen Sinnleere, verführerischen, oberflächlichen Ambivalenz
    • Einfallstor der Verführung, Abkehr vom Sinn, ist unbewusste Bedürftigkeit nach Zuwendung, Sicherheit, Identität
    • Menschen ohne Selbsterkenntnis, Bereitschaft Gottes Wort zu folgen, werden abhängig von welthafter, äußerer Anerkennung 
    • Beharrliches Nein zu falschen Angeboten, Optionen, Erfolgen in Hinkehr zum Wesentlichen stärkt den Geist
    • Gemeisterte Versuchungen, Erprobung der Entschiedenheit für das Wesentliche, freien Selbstwert, läutern den Glauben

    Aschermittwoch (ABC) | Mt 6,1‒6.16‒18 | 26.2.2020

    Der im Verborgenen ist.
    Qui est in abscondito.
    (Mt 6,6)

    • Das Geheimnis, das wir »Gott« nennen, ist Sinneserfahrung, Emotionen, Denken, Alltagsbewusstsein verborgen 
    • Um den Geheimnischarakter Gottes mehr zu verspüren, ist eine wohlgeübte »Gelassenheit« notwendig (indifferencia)
    • Unverzichtbares Mittel »Indifferenz« einzuüben, ist das leiblich-geistige Fasten der Seele aus spirituellen Gründen
    • Loslassen sinnlicher Reize, religiöser Erlebnisse, gedanklicher Unruhe, überflüssiger Aktivtität sammelt den Geist
    • Kraftvolle, bildose Sammlung macht den Geist transparent für die Gegenwart, das Wirken Gottes im Seelengrund 

    Siebter Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 5,38-48 | 23.2.2020

    Ihr sollt also vollkommen sein.
    Estote ergo vos perfecti.
    (Mt 5,48)

    • Christliches Vollkommenheitsideal ist die lautere Gottes- und Menschenliebe, Schau Gottes
    • Dazu gehört eine Lebensgestalt, in der Kontemplation und Tätigsein eine Einheit bilden
    • Tägliche Übung ist das Morgen- und Abendgebet, Leben in Gottes Gegenwart, tugendhafte Handeln
    • Hinzu kommt das Studium der Heiligen Schrift, Sakramentenempfang, Lesen geistlicher Quellen
    • Selbsterkenntnis, spirituelle Erfahrung, Gemeinschaft, Einsamkeit ergänzen sich gegenseitig

    Sechster Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 5,17-37 | 16.2.2020

    Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.
    Est, est, Non, non.
    (Mt 5,37)

    • Christus fordert eine unbedingte Wahrhaftigkeit des menschlichen Wortes, jede Unwahrheit, Zweideutigkeit, Manipulation, Oberflächlichkeit, Unentschiedenheit ist „vom Bösen“ (a malo)
    • Er selbst ist in Person in wahrhaftige Übereinstimmung von Gedanken, Worten und Werken, das vollkommene, lautere »Ja« zu Gottes Wirklichkeit, das befreiende »Ja« Gottes zu uns
    • Christus ist in seiner Gottbezogenheit, Selbstlosigkeit, Bewusstheit unmittelbar das unterscheidende, entschiedene, eindeutige »Nein« zur Sündenmacht, Zweideutigkeit, Lüge
    • Spirituelles Bildungsideal ist eine authentische, christusförmige Lebensgestalt, in der die Person das verwirklicht, was Gott ihr als Talent geschenkt, im Leben zugedacht hat
    • Wenn der Mensch seine leibliche, psychische und spirituelle Identität durch Arbeit an sich selbst, Lebenserfahrung, Gottes Gnade gefunden hat, kann sein »Ja« ein Ja, sein »Nein« ein Nein sein

    Fünfter Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 5,13-16 | 9.2.2020

    Ihr seid das Licht der Welt.
    Vos estis lux mundi.
    (Mt 5,14)

    • Das Zeugniswort vom »Licht« steht in der Bergpredigt (Mt 5-7), die Gottes Willen verkündet, seine Gerechtigkeit, Seligkeit im Glaubensgeist zusagt, damit Grundlehre des Christseins bildet
    • Wer Gottes Weisung annimmt, Christus im Glauben folgt, der empfängt das göttliche Licht der Weisheit, die Seele wird mit Gott in Freundschaft verbunden, erleuchtet, beseligt, geleitet
    • »Lichtsein« ist das Wesensmerkmal des Gerechten, des Messias: „Der Pfad des Gerechten ist wie das Licht am Morgen“ (Spr 4,18), „Ich mache dich zum Licht für die Völker“ (Jes 49,6)
    • Es ist prophetische Berufung des Glaubenden, Christus, das „Licht der Welt“ (Joh 8,12), seine Weisung vorbehaltlos, zweckfrei anzunehmen, zu verwirklichen, damit allen zu bezeugen
    • Das Glaubenslicht leuchtet in der „Finsternis“ einer gottvergessenen Welt (Joh 1,5), ist geistlicher Trost für alle, die sich nach Gott, Freiheit, Gemeinschaft, Sinn, Seligkeit, Frieden sehnen

    Darstellung des Herrn (ABC) ‒ Lichtmess | Lk 2,22-40 | 2.2.2020

    Ein Licht, das die Heiden erleuchtet.
    Lumen ad relevationem gentium.
    (Lk 2,32)

    • Das Motiv der rituellen »Reinigung« wird vom Gedanken der »Darstellung« des Messiaskindes (Praesentatio Domini) im Tempel überlagert, seinem kultischen Loskauf als Erstgeborener (Ex 13,2.15) 
    • Das Hineintragen des Messiaskindes in das Jerusalemer Heiligtum symbolisiert, dass Gottes Präsenz in Christus an Stelle des äußeren Tempelkultes zu treten beginnt
    • Die Erfüllung des Gesetzes durch Jesu Eltern sinnbildet, dass Jesus von Geburt an mit seiner ganzen Existenz Gott geweiht, ihm wesenhaft zugehört, sein Stellvertreter ist
    • »Simeon« steht für die armen Gerechten, „Stillen im Lande“ (Ps 35,20), seine Prophetie bezeugt das Messiaskind als »Offenbarungslicht«, das die alte Religion erleuchtet, transformiert (Lk 2,32)
    • »Hanna« sinnbildet das spirituelle Ideal beständiger Gottsuche, des unablässigen Gebets, sie übt das ein, was Christus seiner nach Person ist, Gottes Gegenwart (Lk 2,37)

    Dritter Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 4,12-23 | 26.1.2020

    Das Himmelreich ist nahe.
    Appropinquavit enim regnum caelorum.
    (Mt 4,17)

    • Christi Auftrag ist die »Nähe« des Reiches Gottes zu verkünden (Mk 1,38)
    • In der Person Jesu, seinen Worten, Taten, beginnt Gottes Friedensreich 
    • Er schaut in allen Dingen die befreiende Gegenwart Gottes (Mt 6,28)
    • Gott ist »nahe«, wo der Mensch Christus vertraut, Gottes Willen tut
    • Erlösung ist schon Wirklichkeit, doch noch nicht universell (Mt 11,12)

    Zweiter Sonntag im Jahreskreis (A) | Joh 1,29-34 | 19.1.2020

    Der mit dem Heiligen Geist tauft.
    Qui baptizat in Spiritu Sancto.
    (Joh 1,33)

    • Johannes der Täufer proklamiert Christus als »Lamm Gottes« (Agnus Dei), das die „Sünde der Welt“ hinwegnimmt (Joh 1,29)
    • Die Erlösungskraft, Göttlichkeit Jesu, gründet in seiner vorgeburtlichen, »Präexistenz«, dem ewigen Sein als »Sohn« im Leben Gottes (1,30)
    • Das »Lamm« symbolisiert das Leidensopfer Christi, als messianischer »Gottesknecht« (Jes 53,7), wahres »Paschalamm« (Joh 18,28)
    • Christus ist der vom Heiligen Geist Erfüllte, in seiner Person ist Gott in unmittelbarer, endgültiger Weise gegenwärtig
    • Die Annahme der Wahrheit Christi, seine »Geisttaufe«, das Anteilhaben an seinem Gottesbewusstsein, erlöst den Menschen (Joh 18,37)

    Taufe des Herrn (A) | Mt 3,13‒17 | 12.1.2020

    Er sah den Geist Gottes auf sich herabkommen.
    Vidit Spiritum Dei descententem et venientem super se.
    (Mt 3,16)

    • In der Taufe des Johannes, welcher sich Jesus stellvertretend für die Sündhaftigkeit des Gottesvolkes unterzieht, erfährt er seine sprituelle Identität, göttliche Beauftragung
    • Die Himmelsstimme »enthüllt« ihm (Audition), was er seinem Wesens nach ist, nämlich Gottes einziger Sohn, der endzeitliche Retter, wahre Gerechte, erwählte Gottesknecht (Jes 42,1)
    • In der Gestalt der »Taube«, Symbol des Gottesfriedens (Gen 8,11), der mystischen Liebe (Hld 5,2), »sieht« Jesus (Vision) den Heiligen Geist auf sich herabsteigen, zu seiner messianischen Geistbegabung  
    • Das Taufsakrament ist eine geistliche »Wiedergeburt« (Tit 3,5), wodurch der Glaubende im Geist Gottes Anteil an Christi Eigenschaften erhält, zu Glaube, Hoffnung, Liebe befähigt wird (1 Kor 13,13)
    • Kehrseite einer aktuellen Funktionalisierung der Taufgnade, Charismenfindung im Workshopstil, um mehr „Laien“ für Gemeindedienste zu gewinnen, ist das Vergessensein ihrer mystischen Dimension

    Erscheinung des Herrn (ABC) ‒ Epiphanie | Mt 2,1-12 | 6.1.2020

    Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben.
    Munera, aurum et tus et myrrham.
    (Mt 2,11)

    • Die Gaben der drei »Weisen« (mágoi) sinnbilden das Wesen des Retterkindes, sagen sein Geschick voraus
    • »Gold« bezeichnet das messianische Königtum Christi, seine spirituelle Macht, Weisheit, Herrlichkeit (Jes 60,6)
    • »Weihrauch« symbolisiert seine Hingabe an Gottes Willen, Transzendenz, kontemplative Schau (Ps 141,2)  
    • »Myrrhe« ist Hinweis auf sein Prophetenschickal, stellvertretendes Leiden, Lebensopfer für die Erlösung (Mk 15,23)  
    • Die Anbetung der »Magier« besagt die Läuterung, Vollendung aller Intellektualität, Weisheit, Religion in Christus

    2. Sonntag nach Weihnachten (ABC) | Joh 1,1-18 | 5.1.2020

    Die aus Gott geboren sind.
    Qui ex Deo nati sunt.
    (Joh 1,12)

    • Die »Gottesgeburt« beruht auf einem spirituellen Grundprinzip
    • „Was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist“ (Joh 3,6) 
    • Jede Glaubende ist »wiedergeboren« aus dem göttlichen Geist (3,7)
    • Ursprung der Glaubensgnade ist das unmittelbare Wirken Gottes
    • Gottes Geist »gebiert« den Glaubenden als neues Geschöpf (2 Kor 5,17)

    Gottesmutter Maria (ABC) ‒  Oktavtag von Weihnachten | Lk 2,16-21 | 1.1.2020

    Den Namen Jesus.
    Nomen eius Jesus.
    (Lk 2,21)

    • Der Name »Jesus« (Jeschua) bedeutet „Jahwe ist Rettung“ (Mt 1,21)
    • Im alten Orient bezeichnet der »Name« (šēm) das Wesen der Person
    • Das einfachste Gebet ist die Anrufung des Namens »Jesu« (Lk 18,38)
    • Glauben im Namen »Jesu Christi« vergegenwärtigt den Trost Gottes
    • Meditation in der Gruppe unterstützt das persönliche Beten (Mt 18,20)

    Jahresdank (Silvester) | Joh 15,1–11 | 31.12.2019

    Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.
    Qui manet in me, et ego in eo, hic fert fructum multum.
    (Joh 15,5)

    • Was ist im alten Jahr gewachsen, war tröstlich, wofür bin ich dankbar?
    • Welche Erfahrungen waren schwer, wovon verabschiede ich mich?
    • Wohin geht meine Sehnsucht, wo sehe ich neue Wege, Chancen?
    • Wie kann ich »Neues« tun, was brauche ich dafür an Unterstützung? 
    • Was ändere ich spirituell, psychologisch, organisatorisch, praktisch?

    Heilige Familie (A) ‒ Sonntag in der Weihnachtsoktav | Mt 2,13‒23 | 29.12.2019

    Erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn.
    Angelus Domini apparet in somnis Ioseph.
    (Mt 2,13)

    • Im Traumzustand ist die Seele empfänglicher für göttliche Eingebungen, Engelerscheinungen
    • Es braucht Gottes Fügung, Intuition, Klugheit, Tatkraft, um das verfolgte Messiaskind zu schützen
    • Entwicklung mystischen Bewusstseins erfordert »Flucht« vor geistlosen, negativen Kräften
    • Das »göttliche Kind« sinnbildet das verborgene, spirituelle Selbst, unsere mystische Identität in Gott
    • »Heiligkeit« zeigt sich im Adel der Seele, geschützt durch geistliche Abgeschiedenheit, Einfachheit

    Zweiter Weihnachtstag ‒ Stephanus (ABC) | Mt 10,17‒22  | 26.12.2019

    Nehmt euch vor den Menschen in acht!
    Cavete autem ab hominibus!
    (Mt 10,17)

    • »Stephanus«, der erste Märtyrer, ist das Inbild des vollkommenen, freimütigen Glaubenszeugen (Apg 7,56f.)
    • Seine Weisheit, Feindesliebe, sein Glaubensmut sind Gaben des Heiligen Geistes, kein Menschenwerk (6,10)
    • Wer sich zu Christus bekennt, der steht in der Gefahr verlacht, diskriminiert, verfolgt, getötet zu werden
    • Unser Glaubenszeugnis muss sich in jeder Situation mit spiritueller Klugheit, Diskretion verbinden
    • Ein Bekenntnis zu Christus ist, je mehr es Leiden, Gefahr mit sich bringt, keine Pflicht, vielmehr Berufung

    Weihnachten ‒ Am Tag (ABC) | Joh 1,1–18 | 25.12.2019

    Niemand hat Gott je gesehen.
    Deum nemo vidit umquam.
    (Joh 1,18)

    • Die »Menschwerdung« (incarnatio) des göttlichen Logos, Wortes (Sohn) in Jesus Christus bildet die Grundlage für die Selbsterschließung, Offenbarung Gottes, seine Selbstmitteilung an den Menschen
    • An der Person Christi, seinen Worten und Taten, welche uns die Evangelien überliefern, können wir erkennen, was göttliche Eigenschaften sind, wie Gott handelt, was sein Wille ist
    • Die Offenbarung in Christus, die höchste Einheit von Gott und Mensch, sein gott-menschliches Bewusstsein, vertieft durch ihre Unbegreiflichkeit, Paradoxie den Geheimnischarakter Gottes
    • Göttliches »Licht« wird verspürt in allem, was lauteres Sein, mystische Eigenschaft besitzt, was wahrhaft, gut, tugendhaft ist, in allen Menschen, welche nach Einheit mit Gott streben
    • Gott wird im »Licht« Christi geschaut, im göttlichen »Dunkel«, wo alle Finsternis der Sünde, alle Seelenbewegungen, ichhaften Absichten, Gedanken, Emotionen, Bilder schweigen

    Weihnachten ‒ In der Nacht (ABC) | Lk 2,1–14 | 24.12.2019

    Friede bei den Menschen seiner Gnade.
    Pax in hominibus bonae voluntatis.
    (Lk 2,14)

    • Der »Sohn«, die zweite Person des dreieinigen Gottes, das göttliche, ewige Wort (Logos), wird aus Gnade in Christus Jesus »Mensch«, um die Menschheit mit Gott neu zu verbinden, zu erlösen, zu erleuchten (Gottes Heilswille)
    • In Jesus Christus sind »Gott« und »Mensch«, göttliche und menschliche Natur, in unüberbietbarer Weise miteinander geeint, durch die Gnade Christi wird die Seele des Glaubenden mit Gott verbunden, befreit und glückselig (Inkarnation)
    • Jesus von Nazareth, der von Maria geboren in eine »Krippe« gelegt wird, ist Gottes endgültiges Wort an die Menschheit, der wahre Messias, Friedenskönig, welcher uns Gottes Weisheit und Liebe verkündet (Offenbarung)
    • »Frieden« entsteht dort, wo die Energie von Glaube, Hoffnung und Liebe Gegensätzliches, Entfremdetes und Getrenntes im Geist Christi miteinander zur Einheit bringt, ursprüngliche Gerechtigkeit wieder herstellt (Erlösung)
    • Gott wird dort im Geiste geboren, wo der Mensch seine spirituelle Sehnsucht nach »Einheit« mit sich selbst, anderen Menschen, allem Sein verspürt, sein Herz leer aller Absichten, Gedanken, Bilder von Gott erfüllen läßt (Erleuchtung)

    Vierter Adventssonntag (A) | Mt 1,18‒24 | 22.12.2019

    Das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
    Quod enim in ea natum est, de Spiritu Sancto est.
    (Mt 1,20)

    • Gott wird gegenwärtig, wo der Mensch ihn sucht
    • Gott wird verspürt, wo der Mensch ihm vertraut
    • Gott wird bewusst, wo der Mensch ihm folgt
    • Gott wird geschaut, wo der Mensch ihn liebt
    • Gott wird geboren, wo der Mensch ihm gleicht

    Dritter Adventssonntag (A) | Mt 11,2‒11 | 15.12.2019

    Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
    Beatus est, qui non fuerit scandalizatus in me.
    (Mt 11,6)

    • Das Verhältnis zu Gott, der Glaube, entscheidet sich an der Frage, was Jesus von Nazareth mir persönlich bedeutet, wer er für mich ist, nur einer der Propheten oder Christus, der Menschensohn, Gottes endgültiges Wort an die Menschheit, Gottes unüberbietbare Offenbarung
    • In der Person Jesu, seiner Zuwendung zu den augenscheinlich von Gott Vergessenen, den verworfenen Sündern, sozial Ausgegrenzten (Mt 11,5), beginnt in besonderer Intensität das messianische Reich, erfüllen sich die prophetischen Heilszusagen (Jes 35,5; 61,1)
    • Das »Nicht-Anstoß-Nehmen« (Mt 11,6) an Christus, seiner Lehrautorität, setzt eine Erleuchtung durch Gottes Geist voraus, nur im übernatürlichen Erkenntnislicht wird seine messianische Vollmacht, sein radikales Handeln spirituell verständlich, annehmbar
    • Die Identität Christi überschreitet jedes psychologische, esoterische, konfessionelle, gedachte Gottesbild, verbindet die Treue zur Thora mit universeller Weite des Geistes, gibt Gott in jedem Geschöpf die Ehre, besonders in den unschuldig Leidenden 
    • In der Inkarnation, Menschwerdung Gottes, Einung von Gott und Mensch in der Person Jesu Christi, welche wir im Advent erwarten, umfängt Gott den Menschen in seiner existentiellen Armut, Verlorenheit, Einsamkeit, Suche, verleiht ihm eine neue geistliche Würde

    Zweiter Adventssonntag (A) | Mt 3,1‒12 | 8.12.2019

    Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
    Paenitentiam agite! Apropinquavit enim regnum caelorum.
    (Mt 3,2)

    • Johannes der Täufer verkündet das Gericht Gottes, letzte Chance zur rettenden Umkehr, ist Wegbereiter für Christi tröstliche Botschaft vom Reich Gottes (Mt 4,17) – »Advent«, radikale Hoffnung in auswegloser Lage
    • Der Umkehrruf in der »Wüste«, Johannes' prophetische Kleidung, Askese, Nahrung symbolisieren die Verworfenheit der sündigen Menschheit, Radikalität des notwendigen Gesinnungswandels (metánoia)
    • Seine Bußpredigt hat den Charakter einer Drohrede (3,10), der Mensch hat alles Anrecht auf »Heil« (schalom) verwirkt, antizipiert, dass die Erlösung in Christus ungeschuldete, freie Gabe Gottes ist
    • Die nackte Existenz in der Wüste meint (Hos 2,5), dass »Bekehrung« nur dort geschieht, wo sich der Einzelne unausweichlich mit seiner Todesverfallenheit, Sehnsucht nach Transzendenz konfrontiert sieht
    • Das »Geradewerden« der Straße, vormals Prozessionsweg heidnischer Götterfiguren, besagt »Abkehr« von Ichhaftigkeit, Ideologie, Esoterik in Gesellschaft und Kirche, adventliche, reine Hoffnung auf Gott 

    Erster Adventssonntag (A) | Mt 24,37‒44 | 1.12.2019

    Seid also wachsam!
    Vigilate ergo!
    (Mt 24,42)

    • »Wachsamkeit« (vigilantia) ist eine geistliche Grundhaltung, um im Hier und Jetzt den Fügungen Gottes, Schicksalsschlägen, allen Ereignissen vorbereitet, gelassen begegnen zu können
    • Es ist ein ungetrübter Geisteszustand der Wahrnehmungsfähigkeit für Wesentliches, unmittelbaren Antwortbereitschaft, inneren Sammlung, klugen Besonnenheit, wacher Nüchternheit 
    • Mittel dies zu verwirklichen ist das Beten »ohne Unterlaß« (1 Thess 5,17), die kontemplative Grundverbindung mit Gott in allen Dingen, durch ein beständiges, wesenhaftes, geistiges Sehnen nach Gott
    • Zur Wachsamkeitsübung gehört die unerschüttliche Hoffung, dass Gott kommt (Advent), in die Menschheitsgeschichte eingreift, Gerechtigkeit schafft, die Welt in sich vollendet
    • Es ist eine Qualität des erleuchteten Geistes, will uns Energie, Geleit, Schutz geben, das mystische Tor des Todes vollbewusst, vorbereitet im Glauben zu durchschreiten, Christus zu begegnen