evangelium

Dritter Adventssonntag (A) | Mt 11,2‒11 | 11.12.2022

Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
Beatus est, qui non fuerit scandalizatus in me.
(Mt 11,6)

  • Das Verhältnis zu Gott, der Glaube, entscheidet sich an der Frage, was Jesus von Nazareth mir persönlich bedeutet, wer er für mich ist, nur einer der Propheten oder Christus, der Menschensohn, Gottes endgültiges Wort an die Menschheit, Gottes unüberbietbare Offenbarung
  • In der Person Jesu, seiner Zuwendung zu den augenscheinlich von Gott Vergessenen, den verworfenen Sündern, sozial Ausgegrenzten (Mt 11,5), beginnt in besonderer Intensität das messianische Reich, erfüllen sich die prophetischen Heilszusagen (Jes 35,5; 61,1)
  • Das »Nicht-Anstoß-Nehmen« (Mt 11,6) an Christus, seiner Lehrautorität, setzt eine Erleuchtung durch Gottes Geist voraus, nur im übernatürlichen Erkenntnislicht wird seine messianische Vollmacht, sein radikales Handeln spirituell verständlich, annehmbar
  • Die Identität Christi überschreitet jedes psychologische, esoterische, konfessionelle, gedachte Gottesbild, verbindet die Treue zur Thora mit universeller Weite des Geistes, gibt Gott in jedem Geschöpf die Ehre, besonders in den unschuldig Leidenden 
  • In der Inkarnation, Menschwerdung Gottes, Einung von Gott und Mensch in der Person Jesu Christi, welche wir im Advent erwarten, umfängt Gott den Menschen in seiner existentiellen Armut, Verlorenheit, Einsamkeit, Suche, verleiht ihm eine neue geistliche Würde

Zweiter Adventssonntag (A) | Mt 3,1‒12 | 4.12.2022

Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
Paenitentiam agite! Apropinquavit enim regnum caelorum.
(Mt 3,2)

  • Johannes der Täufer verkündet das Gericht Gottes, letzte Chance zur rettenden Umkehr, ist Wegbereiter für Christi tröstliche Botschaft vom Reich Gottes (Mt 4,17) – »Advent«, radikale Hoffnung in auswegloser Lage
  • Der Umkehrruf in der »Wüste«, Johannes' prophetische Kleidung, Askese, Nahrung symbolisieren die Verworfenheit der sündigen Menschheit, Radikalität des notwendigen Gesinnungswandels (metánoia)
  • Seine Bußpredigt hat den Charakter einer Drohrede (3,10), der Mensch hat alles Anrecht auf »Heil« (schalom) verwirkt, nimmt vorweg, dass die Erlösung in Christus ungeschuldete, freie Gabe Gottes ist
  • Die nackte Existenz in der Wüste meint (Hos 2,5), dass »Bekehrung« nur dort geschieht, wo sich der Einzelne unausweichlich mit seiner Todesverfallenheit, Sehnsucht nach Transzendenz konfrontiert sieht
  • Das »Geradewerden« der Straße, vormals Prozessionsweg heidnischer Götterfiguren, besagt »Abkehr« von Ichhaftigkeit, Ideologie, Esoterik in Gesellschaft und Kirche, adventliche, reine Hoffnung auf Gott 

Erster Adventssonntag (A) | Mt 24,37‒44 | 27.11.2022

Seid also wachsam!
Vigilate ergo!
(Mt 24,42)

  • »Wachsamkeit« (vigilantia) ist eine geistliche Grundhaltung, um im Hier und Jetzt den Fügungen Gottes, Schicksalsschlägen, allen Ereignissen vorbereitet, gelassen begegnen zu können
  • Es ist ein ungetrübter Geisteszustand der Wahrnehmungsfähigkeit für Wesentliches, unmittelbaren Antwortbereitschaft, inneren Sammlung, klugen Besonnenheit, wacher Nüchternheit 
  • Mittel dies zu verwirklichen ist das Beten »ohne Unterlaß« (1 Thess 5,17), die kontemplative Grundverbindung mit Gott in allen Dingen, durch ein beständiges, wesenhaftes, geistiges Sehnen nach Gott
  • Zur Wachsamkeitsübung gehört die unerschüttliche Hoffung, dass Gott kommt (Advent), in die Menschheitsgeschichte eingreift, Gerechtigkeit schafft, die Welt in sich vollendet
  • Es ist eine Qualität des erleuchteten Geistes, will uns Energie, Geleit, Schutz geben, das mystische Tor des Todes vollbewusst, vorbereitet im Glauben zu durchschreiten, Christus zu begegnen 

>>> Symbolik Adventskranz