evangelium
Erster Fastensonntag (A) | Mt 4,1‒11 | 22.2.2026
Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt.
Iesus ductus est in desertum a Spiritu.
(Mt 4,1)
- »Wüste« sinnbildet die weltliche Welt in ihrer untergründigen Sinnleere, verführerischen, oberflächlichen Ambivalenz
- Einfallstor der Verführung, der Abkehr vom Sinn, ist unbewusste Bedürftigkeit nach Zuwendung, Sicherheit, Identität, Erfolg
- Menschen ohne Selbsterkenntnis, Bereitschaft Gottes Wort zu folgen, werden abhängig von welthafter, äußerer Anerkennung
- Beharrliches »Nein« zu falschen Angeboten, Optionen, Erfolgen in Hinkehr zum Wesentlichen stärkt die Sammlung des Geistes
- Gemeisterte grobe, subtile Versuchungen, Erprobung der Entschiedenheit für das Wahre, Gute und Schöne adeln den Menschen
Aschermittwoch (ABC) | Mt 6,1‒6.16‒18 | 18.2.2026
Der im Verborgenen ist.
Qui est in abscondito.
(Mt 6,6)
- Das Geheimnis, das wir »Gott« nennen, ist Sinneserfahrung, Emotionen, Denken, Alltagsbewusstsein, Socialmediea verborgen
- Um den Geheimnischarakter Gottes bewusst zu verspüren, ist eine wohlgeübte »Gelassenheit« notwendig (indifferencia)
- Unverzichtbares Mittel »Indifferenz« einzuüben, ist kluge leiblich-seelische »Askese« (Fasten) aus spiritueller Motivation
- Loslassen sinnlicher Reize, religiöser Erlebnisse, gedanklicher Unruhe, überflüssiger Aktivtität sammelt den Geist
- Zweckfreie, bildose Sammlung des Geistes ist Transparenz für die Gegenwart, das Wirken Gottes im Seelengrund
Sechster Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 5,17-37 | 15.2.2026
Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.
Est, est, Non, non.
(Mt 5,37)
- Christus fordert unbedingte Wahrhaftigkeit des menschlichen Wortes, jede Unwahrheit, Zweideutigkeit, Manipulation, Oberflächlichkeit, Unentschiedenheit ist „vom Bösen“
- Er selbst ist in Person in wahrhaftige Übereinstimmung von Gedanken, Worten und Werken, das vollkommene, lautere »Ja« zu Gottes Wirklichkeit, das befreiende »Ja« Gottes zu uns
- Christus ist in seiner Gottbezogenheit, Selbstlosigkeit, Bewusstheit unmittelbar das unterscheidende, entschiedene, eindeutige »Nein« zur Sündenmacht, Zweideutigkeit, Lüge
- Spirituelles Bildungsideal ist eine authentische, christusförmige Lebensgestalt, in der die Person das verwirklicht, was Gott ihr als Talent geschenkt, als Aufgabe zugedacht hat
- Wenn der Mensch seine leibliche, psychische und spirituelle Identität durch Arbeit an sich selbst, Erfahrung, Gottes Gnade gefunden hat, wird sein »Ja« ein Ja, sein »Nein« ein Nein sein
Fünfter Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 5,13-16 | 8.2.2026
Ihr seid das Licht der Welt.
Vos estis lux mundi.
(Mt 5,14)
- Das Zeugniswort vom »Licht« steht in der Bergpredigt (Mt 5-7), die Gottes Willen verkündet, seine Gerechtigkeit, Seligkeit im Glauben zusagt, damit Grundlehre des Christseins bildet
- Wer Gottes Weisung annimmt, Christus nachfolgt, der empfängt das göttliche Licht der Weisheit, die Seele wird mit Gott in Freundschaft verbunden, erleuchtet, beseligt und geleitet
- »Lichtsein« ist das Wesensmerkmal des Gerechten, des Messias: „Der Pfad des Gerechten ist wie das Licht am Morgen“ (Spr 4,18), „Ich mache dich zum Licht für die Völker“ (Jes 49,6)
- Es ist prophetische Berufung des Glaubenden, Christus, das „Licht der Welt“ (Joh 8,12), seine Weisung vorbehaltlos, zweckfrei anzunehmen, zu verwirklichen, damit allen zu bezeugen
- Das Glaubenslicht leuchtet in der „Finsternis“ einer gottvergessenen Welt (Joh 1,5), ist geistlicher Trost für alle, die sich nach Gott, Freiheit, Gemeinschaft, Sinn, Seligkeit, Frieden sehnen
Darstellung des Herrn (ABC) ‒ Lichtmess | Lk 2,22-40 | 2.2.2026
Ein Licht, das die Heiden erleuchtet.
Lumen ad relevationem gentium.
(Lk 2,32)
- Das Motiv der rituellen »Reinigung« wird vom Gedanken der »Darstellung« des Messiaskindes (Praesentatio Domini) im Tempel überlagert, seinem kultischen Loskauf als Erstgeborener (Ex 13,2.15)
- Das Hineintragen des Messiaskindes in das Jerusalemer Heiligtum symbolisiert, dass Gottes Präsenz in Christus an die Stelle des äußeren Tempelkultes zu treten beginnt
- Die Erfüllung des Gesetzes durch Jesu Eltern sinnbildet, dass Jesus von Geburt an mit seiner ganzen Existenz Gott geweiht, ihm wesenhaft zugehört, sein Stellvertreter ist
- »Simeon« steht für die armen Gerechten, „Stillen im Lande“ (Ps 35,20), seine Prophetie bezeugt das Messiaskind als »Offenbarungslicht«, das die alte Religion erleuchtet, transformiert (Lk 2,32)
- »Hanna« sinnbildet das spirituelle Ideal beständiger Gottsuche, des unablässigen Gebets, sie übt das ein, was Christus seiner nach Person ist, Gottes Gegenwart (Lk 2,37)
Vierter Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 5,1-12 | 1.2.2026
Selig, die ein reines Herz haben.
Beati mundo corde.
(Mt 5,8)
- »Herz« meint die wesenhafte Grundausrichtung der Person
- Es ist das geistige Zentrum von Denken, Wollen, Fühlen
- »Reinheit« erfordert mehr als kultisches, moralisches Richtigsein
- Lautere Gesinnung, rechte Absicht, Wahrhaftigkeit, Ganzheit
- Aufrichtige Liebe, Gerechtsein, Einfachheit sind das »Wo« Gottes
Dritter Sonntag im Jahreskreis (A) | Mt 4,12-23 | 25.1.2026
Das Himmelreich ist nahe.
Appropinquavit enim regnum caelorum.
(Mt 4,17)
- Christi Auftrag ist die »Nähe« des Reiches Gottes zu verkünden (Mk 1,38)
- In der Person Jesu, seinen Worten, Taten, beginnt Gottes Friedensreich
- Er schaut in allen Dingen die befreiende Gegenwart Gottes (Mt 6,28)
- Gott ist »nahe«, wo der Mensch Christus vertraut, Gottes Willen tut
- Erlösung ist schon Wirklichkeit, doch noch nicht universell (Mt 11,12)
Zweiter Sonntag im Jahreskreis (A) | Joh 1,29-34 | 18.1.2026
Der mit dem Heiligen Geist tauft.
Qui baptizat in Spiritu Sancto.
(Joh 1,33)
- Johannes der Täufer proklamiert Christus als »Lamm Gottes« (Agnus Dei), das die „Sünde der Welt“ hinwegnimmt (Joh 1,29)
- Die Erlösungskraft, Göttlichkeit Jesu, gründet in seiner vorgeburtlichen, »Präexistenz«, dem ewigen Sein als »Sohn« im Leben Gottes (1,30)
- Das »Lamm« symbolisiert das Leidensopfer Christi, als messianischer »Gottesknecht« (Jes 53,7), wahres »Paschalamm« (Joh 18,28)
- Christus ist der vom Heiligen Geist Erfüllte, in seiner Person ist Gott in unmittelbarer, endgültiger Weise gegenwärtig
- Die Annahme der Wahrheit Christi, seine »Geisttaufe«, die Verbindung mit seinem Gottesbewusstsein, erlöst den Menschen (Joh 18,37)
Taufe des Herrn (A) | Mt 3,13‒17 | 11.1.2026
Er sah den Geist Gottes auf sich herabkommen.
Vidit Spiritum Dei descententem et venientem super se.
(Mt 3,16)
- In der Taufe des Johannes, welcher sich Jesus auch stellvertretend für die Sündhaftigkeit des Gottesvolkes unterzieht, erfährt er seine sprituelle Identität, göttliche Beauftragung
- Die Himmelsstimme »enthüllt« ihm (Audition), was er seinem Wesen nach ist, nämlich Gottes einziger Sohn, der endzeitliche Retter, wahre Gerechte, erwählte Gottesknecht (Jes 42,1)
- In der Gestalt der »Taube«, Symbol des Gottesfriedens (Gen 8,11), der mystischen Liebe (Hld 5,2), »sieht« Jesus (Vision) den Heiligen Geist auf sich herabsteigen, zu seiner messianischen Geistbegabung
- Das Taufsakrament ist eine geistliche »Wiedergeburt« (Tit 3,5), wodurch der Glaubende im Geist Gottes Anteil an Christi Eigenschaften erhält, zu Glaube, Hoffnung, Liebe befähigt wird (1 Kor 13,13)
- Folge einer Funktionalisierung der Taufgnade, Charismenfindung im Workshopformat, um mehr „Laien“ für Gemeindedienste zu rekrutieren, ist die Missachtung ihrer mystischen Dimension
Erscheinung des Herrn (ABC) ‒ Epiphanie | Mt 2,1-12 | 6.1.2026
Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben.
Munera, aurum et tus et myrrham.
(Mt 2,11)
- Die Gaben der drei »Weisen« (mágoi) sinnbilden das Wesen des Retterkindes, sagen sein Geschick voraus
- »Gold« bezeichnet das messianische Königtum Christi, seine spirituelle Macht, Weisheit, Herrlichkeit (Jes 60,6)
- »Weihrauch« symbolisiert seine Hingabe an Gottes Willen, Transzendenz, kontemplative Schau (Ps 141,2)
- »Myrrhe« ist Hinweis auf sein Prophetenschickal, stellvertretendes Leiden, Lebensopfer für die Erlösung (Mk 15,23)
- Die Anbetung der »Magier« besagt die Läuterung, Vollendung aller Intellektualität, Weisheit, Religion in Christus
2. Sonntag nach Weihnachten (ABC) | Joh 1,1-18 | 4.1.2026
Die aus Gott geboren sind.
Qui ex Deo nati sunt.
(Joh 1,12)
- Die »Gottesgeburt« beruht auf einem spirituellen Grundprinzip
- „Was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist“ (Joh 3,6)
- Jede Glaubende ist »wiedergeboren« aus dem göttlichen Geist (3,7)
- Ursprung der Glaubensgnade ist das unmittelbare Wirken Gottes
- Gottes Geist »gebiert« den Glaubenden als neues Geschöpf (2 Kor 5,17)
Gottesmutter Maria (ABC) ‒ Oktavtag von Weihnachten | Lk 2,16-21 | 1.1.2026
Den Namen Jesus.
Nomen eius Jesus.
(Lk 2,21)
- Der Name »Jesus« (Jeschua) bedeutet „Jahwe ist Rettung“ (Mt 1,21)
- Im alten Orient bezeichnet der »Name« (šēm) das Wesen der Person
- Das einfachste Gebet ist die Anrufung des Namens »Jesu« (Lk 18,38)
- Glauben im Namen »Jesu Christi« vergegenwärtigt den Trost Gottes
- Welchen Weg des Gebets, der Meditation will Gott mich führen?
Jahresdank (Silvester) | Joh 15,1–11 | 31.12.2025
Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.
Qui manet in me, et ego in eo, hic fert fructum multum.
(Joh 15,5)
- Was ist im alten Jahr gewachsen, war tröstlich, wofür bin ich dankbar?
- Welche Erfahrungen waren schwer, wovon verabschiede ich mich?
- Wohin geht meine Sehnsucht, wo sehe ich neue Wege, Chancen?
- Wie kann ich »Neues« tun, was brauche ich dafür an Unterstützung?
- Was ändere ich spirituell, psychologisch, organisatorisch, praktisch?
Heilige Familie (A) ‒ Sonntag in der Weihnachtsoktav | Mt 2,13‒23 | 28.12.2025
Erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn.
Angelus Domini apparet in somnis Ioseph.
(Mt 2,13)
- Im Traumzustand ist die Seele empfänglicher für göttliche Eingebungen, Botschaften, Engelerscheinungen
- Es braucht Gottes Fügung, Intuition, Klugheit, Tatkraft, um das verfolgte Messiaskind zu schützen
- Entwicklung mystischen Bewusstseins erfordert »Flucht« vor geistlosen, negativen Kräften, Einflüssen
- Das »göttliche Kind« sinnbildet das verborgene, spirituelle Selbst, unsere mystische Identität in Gott
- »Heiligkeit« zeigt sich im Adel der Seele, geschützt durch geistliche Abgeschiedenheit, Einfachheit
Zweiter Weihnachtstag ‒ Stephanus (ABC) | Mt 10,17‒22 | 26.12.2025
Nehmt euch vor den Menschen in acht!
Cavete autem ab hominibus!
(Mt 10,17)
- »Stephanus«, der erste Märtyrer, ist das Inbild des vollkommenen, freimütigen Glaubenszeugen (Apg 7,56f.)
- Seine Weisheit, Feindesliebe, sein Glaubensmut sind Gaben des Heiligen Geistes, kein Menschenwerk (6,10)
- Wer sich zu Christus bekennt, der steht in der Gefahr verlacht, diskriminiert, verfolgt, getötet zu werden
- Unser Glaubenszeugnis muss sich in jeder Situation mit spiritueller Klugheit, Diskretion verbinden
- Das Bekenntnis zu Christus ist, je mehr es Leiden, Gefahr mit sich bringt, keine Pflicht, vielmehr Berufung
Weihnachten ‒ Am Tag (ABC) | Joh 1,1–18 | 25.12.2025
Niemand hat Gott je gesehen.
Deum nemo vidit umquam.
(Joh 1,18)
- Die »Menschwerdung« (incarnatio) des göttlichen Logos, Wortes (Sohn) in Jesus Christus bildet die Grundlage für die Selbsterschließung, Offenbarung Gottes, seine Selbstmitteilung an den Menschen
- An der Person Christi, in seinen Worten und Taten, welche uns die Evangelien überliefern, können wir erkennen, was göttliche Eigenschaften sind, wie Gott handelt, was sein Wille ist
- Die Offenbarung in Christus, die höchste Einheit von Gott und Mensch, sein gott-menschliches Bewusstsein, vertieft durch ihre Unbegreiflichkeit, Paradoxie den Geheimnischarakter Gottes
- Göttliches »Licht« wird verspürt in allem, was lauteres Sein, mystische Eigenschaft besitzt, was wahrhaft, gut, tugendhaft ist, in allen Menschen, welche nach Einheit mit Gott, Tugend streben
- Gott wird im »Licht« Christi geschaut, im göttlichen »Dunkel«, wo alle Finsternis der Sünde, alle Seelenbewegungen, ichhaften Absichten, Phantasien, Gedanken, Emotionen, Bilder schweigen
Weihnachten ‒ In der Nacht (ABC) | Lk 2,1–14 | 24.12.2025
Friede bei den Menschen seiner Gnade.
Pax in hominibus bonae voluntatis.
(Lk 2,14)
- Der »Sohn«, die zweite Person des dreieinigen Gottes, das göttliche, ewige Wort des »Vaters« (Logos), wird aus Gnade in Christus Jesus »Mensch«, um die Menschheit mit Gottes Sein neu zu verbinden, sie zu erlösen, zu heilen, zu erleuchten (Gottes Heilswille)
- In Jesus Christus sind »Gott« und »Mensch«, göttliche und menschliche Natur, in unüberbietbarer Weise miteinander geeint, durch die Gnade Christi wird die Seele des Glaubenden mit Gott im Seelengrund “ein einig ein” (Meister Eckhart), befreit und glückselig (Inkarnation)
- Jesus von Nazareth, der von Maria geboren in eine »Krippe« gelegt wird, ist Gottes unüberbietbares, endgültiges Wort an die Menschheit, der wahre Messias (Christus), Friedenskönig, welcher uns Gottes allumfassende Weisheit und Liebe verkündet (Offenbarung)
- »Frieden« entsteht überall dort, wo die spirituelle Energie von Glaube, Hoffnung und Liebe das Gegensätzliche, Entfremdete und Getrennte im Geist Christi miteinander fruchtbar zur Einheit bringt, ursprüngliche Gerechtigkeit wieder herstellt (Erlösung)
- Gott wird im Geiste geboren, wo der Mensch seine spirituelle Sehnsucht nach Einheit« mit den Geheimnis Gottes, sich selbst, anderen Menschen und allen Wesen verspürt, sein Herz leer aller Absichten, Gedanken, Bilder von Gott selbst erfüllen läßt (Erleuchtung)
>>> Weihnachtsevangelium
>>> Was Weihnachten bedeutet
>>> Messianische Hoffnung
Vierter Adventssonntag (A) | Mt 1,18‒24 | 21.12.2025
Das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
Quod enim in ea natum est, de Spiritu Sancto est.
(Mt 1,20)
- Gott wird gegenwärtig, wo der Mensch ihn sucht
- Gott wird verspürt, wo der Mensch ihm vertraut
- Gott wird bewusst, wo der Mensch ihn erkennt
- Gott wird geschaut, wo der Mensch ihn liebt
- Gott wird geboren, wo der Mensch ihm gleicht
Dritter Adventssonntag (A) | Mt 11,2‒11 | 14.12.2025
Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
Beatus est, qui non fuerit scandalizatus in me.
(Mt 11,6)
- Das Verhältnis zu Gott, der Glaube, entscheidet sich an der Frage, was Jesus von Nazareth mir bedeutet, wer er für mich ist, nur einer der Propheten oder Christus, der Menschensohn, Gottes endgültiges Wort an die Menschheit, Gottes unüberbietbare Offenbarung
- In der Person Jesu, seiner Zuwendung zu den augenscheinlich von Gott Vergessenen, den verworfenen Sündern, sozial Ausgegrenzten (Mt 11,5), beginnt die spirituelle Weltzeit des messianischen Friedensreiches, erfüllen sich die prophetischen Heilszusagen (Jes 35,5; 61,1)
- Das »Nicht-Anstoß-Nehmen« (Mt 11,6) an Christus, seiner Lehrautorität, setzt eine innere Erleuchtung durch Gottes Geist voraus, nur im übernatürlichen Erkenntnislicht (lumen fidei) wird seine messianische Vollmacht, sein radikales Handeln spirituell verständlich, annehmbar
- Die Identität Christi überschreitet jedes psychologische, esoterische, konfessionelle, vorgestellte Gottesbild, verbindet die Treue zur Thora mit universeller Weite des Geistes, gibt Gott in allen Geschöpfen die Ehre, besonders in den unschuldig Leidenden
- In der Inkarnation, Menschwerdung Gottes, Einung von Gott und Mensch in der Person Jesu Christi, welche wir im Advent erwarten, umfängt Gott den Menschen in seiner existentiellen Armut, Verlorenheit, Einsamkeit, Suche, verleiht ihm eine neue geistliche Würde
Zweiter Adventssonntag (A) | Mt 3,1‒12 | 7.12.2025
Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
Paenitentiam agite! Apropinquavit enim regnum caelorum.
(Mt 3,2)
- Johannes der Täufer verkündet das Gericht Gottes, die letzte Chance zur rettenden Umkehr, ist Wegbereiter für Christi tröstliche Botschaft vom Reich Gottes (Mt 4,17) – »Advent«, radikale Hoffnung in auswegloser Lage
- Der Umkehrruf in der »Wüste«, Johannes' prophetische Kleidung, Askese, Nahrung symbolisieren die Verworfenheit der sündigen Menschheit – Radikalität des notwendigen Gesinnungswandels (metánoia)
- Seine Bußpredigt hat den Charakter einer Drohrede (3,10). Sie macht deutlich, dass die Erlösung in Christus ungeschuldete, freie Gabe Gottes ist – der Mensch hat alles Anrecht auf »Heil« (schalom) verwirkt
- Die nackte Existenz in der Wüste meint (Hos 2,5), dass »Bekehrung« nur dort geschieht, wo sich der Einzelne unausweichlich mit seiner Todesverfallenheit konfrontiert sieht – Sehnsucht nach Transzendenz
- Das »Geradewerden« der Straße, vormals Prozessionsweg heidnischer Götterfiguren, besagt »Abkehr« von Ichhaftigkeit, Ideologie, Esoterik in Gesellschaft und Kirche – adventliche, reine Hoffnung auf Gott
Erster Adventssonntag (A) | Mt 24,37‒44 | 30.11.2025
Seid also wachsam!
Vigilate ergo!
(Mt 24,42)
- »Wachsamkeit« (vigilantia) ist eine geistliche Grundhaltung, um im Hier und Jetzt den Fügungen Gottes, Schicksalsschlägen, allen Ereignissen vorbereitet, gelassen begegnen zu können
- Es ist ein ungetrübter Geisteszustand der Wahrnehmungsfähigkeit für Wesentliches, unmittelbaren Antwortbereitschaft, inneren Sammlung, klugen Besonnenheit, wacher Nüchternheit
- Mittel dies zu verwirklichen ist das Beten »ohne Unterlaß« (1 Thess 5,17), die kontemplative Grundverbindung mit Gott in allen Dingen, durch ein beständiges, wesenhaftes, geistiges Sehnen nach Gott
- Zur Wachsamkeitsübung gehört die unerschüttliche Hoffung, dass Gott kommt (Advent), in die Menschheitsgeschichte eingreift, Gerechtigkeit schafft, die Welt in sich vollendet
- Es ist eine Qualität des erleuchteten Geistes, will uns Energie, Geleit, Schutz geben, das mystische Tor des Todes vollbewusst, vorbereitet im Glauben zu durchschreiten, Christus zu begegnen