aktuell

Die aktuelle Lage in der Kirche ist eine geistliche, ethische Herausforderung, auch Glaubensprobe. Mehrere Faktoren verstärken sich gegenseitig: Sozialer Wandel, Glaubensverlust, Kirchenaustritte, Gemeindefusionen, Rückgang geistlicher Berufe, Mißbrauchsskandal, Finanzkrisen. Corona verschärft die Situation, hat viele Probleme noch deutlicher hervortreten lassen. 
Echte Lösungen brauchen einen langen Atem, welterfahrene, geistliche Personen, welche in der Lage sind, eine Erneuerung im Dialog umzusetzen. Viele Reformideen sind zu halbherzig, partikulär, einseitig, führen in Auflösung oder Erstarrung. Dabei werden spirituelle Grundprinzipien der Kirche ignoriert. So ist jeder Zukunftsweg „auf Sand” gebaut (Mt 7,6).
Keine Reform ohne integrative Spiritualität, ohne moderne Psychologie, ohne mystisches Bewusstsein. Die Kirchenkrise ist weithin hausgemacht, im Grunde eine spirituelle Selbstentfremdung. Kontaktverlust mit der Wesensmitte, den eigenen geistlichen Quellen. Kirche wird ihre Probleme nur „aufarbeiten“ können, wenn sie eine ganzheitliche Zukunftsgestalt erstrebt. 
Das II. Vatikanische Konzil hat als unseren Auftrag formuliert: „nach den ›Zeichen der Zeit‹ zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten“. Um auf die existentielle Not unserer Zeit, die Frage nach dem „Sinn des Lebens“, eine befreiende Antwort geben zu können (Gaudium et spes). 
Die entscheidende Frage lautet: Was können wir organisatorisch, pastoral, spirituell aus der Krisensituation »Neues« lernen? Vielleicht liegt darin ein höherer Sinn: „Den Guten, schlagen alle Dinge zum Guten aus“ (Röm 8,23). Ein Verlust ist geistlicher Gewinn in Christus, wenn dies als Ruf ins Wesen erfahren, Anstoß zur Glaubenserneuerung, kreativem Handeln wird.